Panorama

Buchtipps von ZB-Mitarbeitenden

Spill simmer falter wither
Susanna Truniger
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Ein Romandebüt, das die in der Literatur oft beschriebene Freundschaft zwischen Mann und Hund auf eine aussergewöhnliche Art beschreibt.

Susanna Truniger, Fachreferat Englische Philologie und Nordamerikabibliothek

Sara Baume (2015): Spill simmer falter wither

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Eine meiner Aufgaben in der ZB ist es, zu bestimmen, welche Bücher für die Anglistik und die Nordamerikabibliothek angeschafft werden. Dabei erstaunt es mich immer wieder, wie viele belletristische Werke im englischsprachigen Raum jedes Jahr veröffentlicht werden. Umso spannender ist es, die erworbenen Bücher für die inhaltliche Erschliessung durchblättern zu können, wenn sie eingetroffen sind, bevor sie schliesslich im Freihandmagazin ins Gestell kommen. Unzählige Romane (auch Krimis!), Kurzgeschichten, Novellen, Lyrik-Bände, Graphic Novels und vieles mehr gehen so jedes Jahr durch meine Hände, bis sie in den Neuerwerbungslisten auf unserer Webseite erscheinen.

Beim Durchsehen der täglich eintreffenden Bücher bin ich auf den Roman gestossen, welchen ich hier vorstellen möchte. Spill simmer falter wither ist ein Roman, der dem Ich-Erzähler durch die vier Jahreszeiten folgt. Die Geschichte beginnt damit, dass der Erzähler im Tierheim einen traumatisierten und leicht verhaltensgestörten Hund namens One Eye kauft. Dieser reisst ihn aus der Einsamkeit und Lethargie, von der sein Leben bisher bestimmt war. Nur schon die Erzählweise des Romans ist aussergewöhnlich. So richtet der Protagonist seine Erzählung direkt an den Hund, erzählt ihm, was gerade geschieht und lässt so auch die Lesenden an seinem plötzlich nicht mehr ganz so passiven Leben teilhaben. Durch One Eye lernt der Protagonist, die Welt mit anderen Augen zu betrachten und zu erleben, auch wenn er schliesslich daran scheitert, sich in diese Welt einzufügen. Der Britin Sara Baume gelingt es unglaublich gut, den sperrigen Charakter des Protagonisten fassbar zu machen. Sie erzählt so unmittelbar und doch subtil, dass man gleichzeitig betroffen Lesender und bewundernder Kritiker ist.

Neuerwerbungen

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Baudolino
Jost Schmid
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Es gibt wenige dicke Bücher, die ich drei- und mehrfach mit Genuss lese – gerade eben geschieht das mit Baudolino von Umberto Eco.

Jost Schmid, Leiter Abteilung Karten und Panoramen

Umberto Eco: Baudolino

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Es gibt wenige dicke Bücher, die ich drei- und mehrfach mit Genuss lese – gerade eben geschieht das mit Baudolino von Umberto Eco. Der Schelmenroman ist eine (im wahrsten Sinne des Wortes) fabelhafte Geschichte, die uns an die Ränder eines mittelalterlichen Weltbildes führt. Die virtuose Erzählung verknüpft Mythen sowie biblische und geographische Realitäten in einer Weise, wie wir sie auch in den Weltkarten des Mittelalters, den mappae mundi, antreffen. Eco lässt wort- und bildgewaltig Monster und mythologische Wesen am Ende der Welt auftreten, als wären sie direkt der Schedel‘schen Weltchronik entsprungen. Die Situationskomik mit ihrer Ironie und Skurrilität ist erheiternd, und die amourösen Abenteuer des Protagonisten werden so frivol berichtet, dass man rote Ohren bekommt. Baudolino erzählt, wie der Mythos um den Priesterkönig Johannes entstanden sein könnte – durchaus plausibel. Die Suche nach ihm liest sich mit Genuss:

«Und mit dieser Zeichnung sollen wir das Land des Priesters Johannes finden?» fragte Baudolino. «Zosimos, ich warne dich. Unser Pakt heisst, dein Leben für eine gute Karte, aber wenn die Karte schlecht ist, dann steht es auch schlecht für dein Leben.» «Beruhige dich, beruhige dich. Da bei einer Darstellung des Tabernakels, so wie es ist, unsere Kunst nicht alles zu zeigen vermag, was von seinen Wänden und von dem Gebirge verdeckt wird, hat Kosmas noch eine andere Karte gezeichnet, die die Erde so zeigt, wie wir sie von oben sähen, wenn wir am Firmament flögen, oder wie vielleicht die Engel sie sehen. Diese Karte, die im Bukoleon aufbewahrt wird, zeigt die Lage der Länder, die wir kennen, eingerahmt vom Okeanos, und jenseits des Okeanos die Länder, in denen die Menschen vor der Sintflut lebten, die aber seit Noah niemand mehr gesehen hat.»

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Codex Chantilly
Susanna Bliggenstorfer
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Viele Fragen zu dieser Musikhandschrift des 14. Jahrhunderts sind nicht eindeutig geklärt. Sie machen die Lektüre des Begleitbandes so spannend wie ein Krimi.

Susanna Bliggenstorfer, Direktorin

Yolanda Plumley & Anne Stone (Hg.): Codex Chantilly

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Chantilly «vaut le détour», nicht nur für Liebhaber der «crème chantilly». In der Bibliothek des Schlosses liegt die Handschrift einer der bedeutendsten Sammlungen französischer Musik aus dem 14. Jahrhundert. Sie enthält über 100 meist französische Lieder. Der für seine komplexe Notation vor allem bei Musikologen bekannte Kodex wurde vermutlich Anfang des 15. Jahrhunderts geschrieben. 1461 schenkte der florentinische Bankier Francesco di Altobianco degli Alberti die Handschrift der Familie Spinelli. Dann verlieren sich die Spuren. 1861 kaufte Henri d’Orléans, duc d’Aumale, das Buch bei einem Florentiner Bibliophilen. Er vermachte in seinem Testament das Schloss Chantilly, in dem er meist gewohnt hatte, mit seiner ganzen Kunstsammlung dem Institut de France.

Wer hat den Kodex Chantilly Ms. 564 zusammengestellt? Für wen war die Musikhandschrift bestimmt bzw. wer hat sie in Auftrag gegeben? Wo und wann wurde sie geschrieben? Wem hat sie in den 400 Jahren zwischen 1461 und 1861 gehört? Viele Fragen sind nicht eindeutig geklärt. Sie machen die Lektüre des Begleitbandes so spannend wie ein Krimi.

Ein der Handschrift wohl etwas später vorangestelltes Doppelfolio zieht den Betrachter durch die herz- und kreisförmige Anordnung der Noten sogleich in Bann. Es zeigt Text und Notation zweier Stücke des französischen Komponisten Baude Cordier. Das herzförmig notierte Rondeau enthält eine auf Neujahr datierte Liebeserklärung an die Geliebte (zu hören auf YouTube). Sein im Französisch der Zeit geschriebener Refrain lautet:

«Belle, bonne, sage, plaisant et gente / A ce jour cy que l’an se renouvel
Vous fais le don d’une chanson nouvel / Dedans mon cuer qui a vous se presente. »

Die lyrische Behandlung immer wiederkehrender, am Hofe gefeierter Feste und Bräuche findet sich in der Literatur erst seit dem 14. Jahrhundert. Dazu gehört der lyrische Liebeskalender mit den drei Höhepunkten am Valentinstag, am 1. Mai und am Neujahr. Zu Jahresanfang (a ce jour cy que l’an se renouvel) beschenkte man sich mit Gedichten (le don d’une chanson nouvel) oder, unter Adligen, auch mit Handschriften. Der Brauch solcher «dons d’étrennes» reicht in vorchristliche Zeit zurück.

Die Schrift der beiden Kalligramme ist nicht identisch mit der Schrift des Hauptteils der Handschrift. Die Bindung zeigt, dass das erste Heft durch die beiden Doppelfolios ersetzt worden ist. Stellte die Handschrift einst ein Neujahrsgeschenk dar, das durch dieses Rondeau an die Geliebte als solches gekennzeichnet wurde?  

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Irrungen, Wirrungen
Stephanie Märchy
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Die Mehrdeutigkeiten und Anspielungen des Romans lassen viel Interpretationsspielraum offen. Und genau das – kombiniert mit einem grossartigen Sinn für Humor, der mich bei der Lektüre zuweilen laut auflachen lässt – macht Fontane zu einem meiner Lieblingsautoren.

Stephanie Märchy, Medienbearbeitung Einzelwerke

Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen

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Die Handlung ist schnell erzählt: Berlin, 1870er Jahre. Baron Botho von Rienäcker und die einfache Plätterin Lene verlieben sich ineinander, müssen jedoch rasch erkennen, dass diese Beziehung aufgrund ihres unterschiedlichen gesellschaftlichen Standes keine Zukunft hat. Beide fügen sich den damals herrschenden Konventionen und entscheiden sich für eine standesgemässe Ehe. So philosophiert Botho: « (…) dass das Herkommen unser Tun bestimmt. Wer ihm gehorcht, kann zugrunde gehn, aber er geht besser zugrunde als der, der ihm widerspricht.» (Kapitel 14)

Trotz dem Spannung versprechenden und mich an moderne Seifenopern erinnernden Titel scheint «Irrungen, Wirrungen» – wie übrigens viele Romane von Fontane – auf den ersten Blick wenig mitreissend. Nicht einmal ein Happy End ist dem Leser gegönnt, wie die Kürzestzusammenfassung oben zeigt. Daher wundern Sie sich vielleicht, dass ich ein Buch mit einer solch langweiligen Story als mein Lieblingsbuch bezeichne.

Aber bei Fontane funktioniert das oft so: Erst wenn der Leser seine Aufmerksamkeit den feinen Details und ausführlichen Beschreibungen zuwendet, wird das Potential des Romans augenscheinlich. In jedem noch so unbedeutend scheinenden Gegenstand oder Detail lässt sich eine symbolische oder metaphorische Bedeutung finden. So charakterisieren beispielsweise Namen und Redeweisen der Figuren oder das beschriebene Rauminterieur (Bilder, Spiegel, Statuen, Fenster …) stets auch die Protagonisten selbst. Gelegentlich versuchen sich auch die Romanfiguren ihrerseits in der Deutung der Zeichen und Symbole – womit sie jedoch nicht selten überfordert sind. Implizit äussert Fontane als Vertreter des poetischen Realismus auf diese Weise gerne Kritik an der damaligen Gesellschaft – wie ich finde auf eine subtile und immer wieder sehr humorvolle Art: Gerade in der Inszenierung der aufopfernden Fügung Lenes und Bothos in die herrschenden Standesdünkel lässt sich doch beispielsweise deren Verurteilung erkennen.

Diese Mehrdeutigkeiten und Anspielungen lassen so viel Interpretationsspielraum offen und genau das – kombiniert mit einem grossartigen Sinn für Humor, der mich bei der Lektüre zuweilen laut auflachen lässt – macht Fontane zu einem meiner Lieblingsautoren.

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Psalmi invitatorii et Officia propria (mit Neumen)
René Schurte
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Das handgeschriebene Bändchen aus dem 13. Jahrhundert hat mich durch seine Einfachheit berührt. Es lässt das Leben in einem mittelalterlichen Frauenkloster lebendig werden.

René Schurte, Fachreferate Theologie und Religionen

Psalmi invitatorii et Officia propria (mit Neumen)

Ein Lieblingsbuch aus mehreren Millionen? Das ist etwas viel verlangt! Wenn ich mich aber in Gottes Namen entscheiden muss, dann nehme ich eines, auf das ich per Zufall gestossen bin: Ein Buch, das eine lange Geschichte hat und manche Geschichten erzählt …

Hinter der Signatur Ms. C 174 verbirgt sich eine Handschrift des 13. Jahrhunderts, ein unscheinbares Büchlein mit 51 Blättern, etwa so gross wie ein Smartphone der neusten Generation. Das Buch weist viele Benutzungsspuren auf, der Text ist am Rand an manchen Stellen nicht mehr lesbar. Es war gerade gross genug, um beim Dirigieren in einer Hand gehalten zu werden. Dafür war es nämlich wohl da: In der Handschrift sind Gesänge festgehalten, die in einem Kloster, wahrscheinlich einem Zürcher Frauenkloster, im Gottesdienst und bei Prozessionen gesungen wurden. Die Dirigentin leitete mit Hilfe des Buches den Gesang an, ihre Mitsängerinnen mussten die Gesänge auswendig kennen. Im Text finden sich neben den Texten der Gesänge sogenannte Neumen. Das sind eine Art stenographische Zeichen, Vorläufer der heutigen Notenschrift, die die Melodiebewegungen und den Rhythmus der Gesänge darstellten. Vielleicht hat die Dirigentin diese Neumen, als Gedächtnisstütze für die Sängerinnen, auch mit der Hand in die Luft «gezeichnet».

Ich habe mir das Buch als Lieblingsbuch gewählt, weil ich selber gerne gregorianischen Choral singe, besonders aber, weil mich seine Einfachheit berührt hat.

Das Buch ist keine repräsentative Handschrift, sondern war für den Gebrauch bestimmt. Trotzdem ist es, in all seiner Bescheidenheit, liebevoll geschrieben und geschmückt, manche Anfangsbuchstaben sind rot geschrieben und phantasievoll verziert. Der Einband aus Holzdeckeln ist mit recht grober Schnur zusammengebunden und damit für die Aufbewahrung durch die Jahrhunderte geschützt.

Und so lange schlummert das Buch nun schon in der Zentralbibliothek und ihren Vorgänger­institutionen und ist durch seine unscheinbare Beschreibung im Katalog («Eingangspsalmen und Gesänge des Stundengebets, mit Neumen») gut versteckt. Es wartet bescheiden darauf, wieder aufgeschlagen zu werden. Und man muss nur zum Beispiel die Seite 33 verso öffnen, und schon kann man wieder das Salve Regina anstimmen, wie es vor etwa 700 Jahren in einem längst vergangenen Zürcher Frauenkloster erklang …

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Gyre: The Plastic Ocean
Lothar Schmitt
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Der Katalog einer Ausstellung, die ein globales Umweltschutzthema anschaulich vor Augen führt.

Lothar Schmitt, Fachreferat Kunst, Architektur, Archäologie

Julie Decker (Hg.): Gyre: The Plastic Ocean, London 2014

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Das Buch mit dem mysteriösen Namen «Gyre» ist derzeit mein Favorit, weil es mehr kann als andere Bücher. Es kommt von weit her. Obwohl in London veröffentlicht, stammt es aus Alaska. Dort fand 2014 in Anchorage eine Ausstellung statt, die das Buch als Katalog dokumentiert.

Von Zürich ist Anchorage fast 8000 km entfernt, aber das Thema der Ausstellung geht auch uns in der Schweiz an: Es «dreht» sich im wahrsten Wortsinn um die Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll. Denn «Gyre» heisst der Strudel, der im Nordpazifik unfassbare Mengen an Abfall über weite Distanzen transportiert und an Land spült. Diesen Müll haben alle zu verantworten, die von den Segnungen der Wegwerfgesellschaft profitieren. Darunter leiden nun ausgerechnet diejenigen, die nichts zu seiner Entstehung beigetragen haben. Das sind insbesondere die Tiere, die im hohen Norden an abgeschiedenen Stränden zwischen leeren PET-Flaschen und verrottenden Fischernetzen ums Überleben kämpfen.

«Gyre» ist nun aber keine Ökokampagne, sondern eine Kunstausstellung. Denn die Organisatoren begreifen die Umweltverschmutzung als ein Problem, bei dem naturwissenschaftlich fassbare und kulturelle Faktoren eng verzahnt sind. Die Mitwirkung aller an der Ausstellung Beteiligten war intensiv. Gemeinsam unternahmen sie eine Expedition, bei der Künstler und Wissenschaftler in die betroffenen Küstenregionen reisten. Anschliessend entwickelte jeder aus seiner Erfahrung einen Beitrag zur Ausstellung. Aus den Beiträgen der Künstler und Forscher ging deshalb ein Katalog hervor, der lehrreich und anschaulich ist. Ausserdem wurde die Expedition von Kameraleuten der National Geographic Society begleitet. Der so entstandene Dokumentarfilm ist eindringlich.

Ausstellung, Film und Katalog wirken überzeugend zusammen. Die Ausstellung dient als Auslöser, der Film als publicityträchtiger Vermittler. Der Katalog dokumentiert die Anliegen, verbreitet sie weltweit und verleiht ihnen Dauer. Dadurch verbindet uns das Buch mit den Anliegen der Bewohner Alaskas. Wer immer will, kann sich in der Zentralbibliothek diesen Anliegen widmen. Denn sie ist der öffentlich zugängliche Standort, an dem der Katalog aus dem fernen Anchorage hier in Zürich zu finden ist.

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Us emene lääre Gygechaschte
Heidi Kaufmann
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Und dir heit jitz vo mym Gschichtli sicher alli gnue …

Heidi Kaufmann, Musikabteilung

Mani Matter: Us emene lääre Gygechaschte

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Wer Heidi heisst, hört so manche Anspielung auf seinen Namen. Von Bergen und Alpen, Geissenpeter und Alpöhi ist da die Rede. Auch wird einem ab und zu «Heidi, deine Welt sind die Berge» vorgesungen. Viel lieber aber höre ich das Lied von Mani Matter mit dem Refrain:

Heidi mir wei di beidi, beidi Heidi hei di gärn!

Von zweien begehrt zu werden, da gibt es Schlimmeres. Ich aber hätte den Dichter dem Tschütteler vorgezogen … 

Als Kind durfte ich ein paarmal nach Bern zu Bekannten in die Ferien. Dort lernte ich die witzigen Chansons und Lumpeliedli der Berner Troubadours kennen. Ich erfuhr von der Ratte, die auf der Bundeshausterrasse lebt und später an den gefressenen Paragraphen im Papierkorb erstickt (Fahrer/Attenhofer). Oder vom Käthi, das schon von weitem nach Schokolade riecht und so richtig zum Anbeissen ist (Stirnemann). 

Der liebste von allen Troubadours war mir immer Mani Matter. Wo es ging, hörte ich seine Lieder und las seine Texte. Bald konnte ich viele davon auswendig.

Das liebste Chanson von allen war mir immer «ds Nünitram». Eine wunderbar absurde Geschichte vom Neunertram, das plötzlich sein Schienengleis verlässt und zum Himmel hoch fliegt. Sieben Hunde, ein Betrunkener, ein Polizist, eine Frau und ein Spiegelei sind darin verwickelt und zum Schluss ein Stier (aus dem Stierenoug = berndeutsch für Spiegelei), der sich in ein Tram verwandelt und so auf den Gleisen weiterfährt ins Tramdepot. Dieses Chanson und auch alle anderen von Mani Matter haben meinen Sinn für Humor für den Rest meines Lebens geprägt!

Zu guter Letzt:

Druf ischs wider stiller worden und de schliesslech Rue
Ds Nüünitram isch hinden um e Rank em Depot zue
Eine het no grüeft: I pfuuse, blaset mir id Schue
Und dir heit jitz vo mym Gschichtli sicher alli gnue

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British Escape Maps from World War II
Seamus Maher
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The Maps and Charts Department of our library also holds a collection of silk handkerchiefs. These handkerchiefs were used as escape maps during World War II.

Seamus Maher, Kartensammlung

British Escape Maps from World War II

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Nothing to be sneezed at

In a well-hidden corner of the Maps and Charts Department of our library lies a small, gray box which holds a collection of – handkerchiefs. Silk handkerchiefs. These handkerchiefs are also maps. World War II Escape Maps. This small collection of historical maps is my favourite.

When one considers the logistics involved in such a map creation, it truly was an incredible achievement.

Firstly, it had to be decided which maps, if any, were suitable for such a project. Bartholomew’s, a famous Edinburgh mapmaking company, were approached and the tourist maps of the various European countries affected by World War II, Germany, France, Holland, Poland, Italy, Austria, Switzerland, Belgium and the Balkans were acquired. Bartholomew’s refused to accept any remuneration whatsoever for the use and publication of their maps, feeling privileged instead to be part of the war effort.

But deciding on which maps to use, it turned out, was the easy part.

Now, a suitable material had to be found on which to print the maps, one which would have to meet the special requirements for handling maps behind enemy lines. The material had to be light in weight, long lasting, crease resistant and most of all, it had to be silent when being unfolded. A demanding catalogue.

After much deliberation it was decided that silk was the only material that came into question as it fulfilled all the conditions.

All in all it has been estimated that over 1 million escape maps were printed, so how on earth did the Allies manage to get their hands on so much silk?

The answer was: Parachutes. The US shipped over 1 million yards of slightly damaged parachute silk from warehouses in New York to warehouses in Britain, thus allowing enough maps to be produced for the ongoing war effort.

The printing itself posed an entirely different set of problems. First attempts failed because as soon as the silk was lifted off the printing press, the ink ran, resulting in the maps becoming entirely illegible. But with the addition of a defined amount of pectin, a gelling agent, the ink coagulated, thus preventing it from running. A simple but ingenious solution.

Were the maps of any use? Out of a survey of 772 US Air Force officers and enlisted men whose aircraft were downed, 332 replied that they had used their maps.

Today, upon unfolding and viewing the Escape Maps, one can literally feel that sense of history emanating from those silk maps, and they are still legible, in very good condition and shall remain so for a long time to come.

We recently added a further Escape Map to our collection. Map 43/K (East) had been lying undetected within a larger donation and has since been retrieved and catalogued.

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Mumins wundersame Inselabenteuer
Ann-Mari Sjöblom
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Um Windstärken, Inseln, Leuchttürme und das Meer geht es in dieser Mumin-Geschichte.

Ann-Mari Sjöblom, Fachreferat Nordische Philologie, Printmedien

Tove Jansson: Mumins wundersame Inselabenteuer

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Eine Liebeserklärung zum 70. Geburtstag der Mumin-Trolle

«Irgendwann an einem Nachmittag Ende August lief der Muminvater in seinem Garten herum und kam sich überflüssig vor. Er wusste nicht, was er mit sich anfangen sollte. Alles, was es zu tun gab, war nämlich schon erledigt oder jemand anders war gerade damit beschäftigt. Der Muminvater trottelte ziellos durch seinen Garten und sein Schwanz rasselte melancholisch über die trockene Erde. Die Hitze lastete brütend im Tal, alles war reglos, verstummt und ein wenig staubig. Grosse Waldbrände waren in diesem Monat möglich, grosse Vorsicht war nötig.»

So beginnen  «Mumins wundersame Inselabenteuer». Windstärke 9 ist beim Lesen garantiert! Der finnlandschwedischen Autorin Tove Jansson (1914–2001) ist es gelungen, Geschichten über die Mumin-Familie für Gross und Klein zu schreiben und zu illustrieren. Die Bücher wurden zum Welthit. Stellvertretend für alle Bände aus der Serie habe ich denjenigen mit dem schönsten Titel gewählt: «Der Vater und das Meer». Die Titel wurden beim Übersetzen ins Deutsche nicht übersetzt, sondern völlig verändert. Es könnte auch heissen «Die Mutter und das Meer». Ich bin Mutter und am Bottnischen Meerbusen aufgewachsen.

Tove Jansson: Mumins wundersame Inselabenteuer, Signatur HL 80024
Tove Jansson: Pappan och havet (Finnlandschwedische Originalversion 1965), Signatur FENN B 3805
Tove Jansson: Muumipappa ja meri (Finnische Übersetzung), Signatur FENN B 3182

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Das Genie Wolfgang Amadé Mozart in literarischen Bildern romantischer Tradition der Kunstreligion und Musikästhetik
Maya Koller
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Der Weg des Genies ist von ekstatischen Höhenflügen und zentnerschweren Pflastersteinen gesäumt.

Maya Koller, pensioniert, vormals Ausleihe/Magazin

Gerhard vom Hofe: Das Genie Wolfgang Amadé Mozart in literarischen Bildern romantischer Tradition der Kunstreligion und Musikästhetik. Leipzig 2014 (Engelsdorfer Verlag)

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Ein «Lieblingsbuch» ist stimmungsabhängig, mein bevorzugter Musikkonsum heisst aber sicher Wolfgang Amadé Mozart; bei ihm sind alle Launen vertreten. Der Buchtitel – «Das Genie» – bewirkt in mir Herausforderung sowie Zustand hellwach! 

Eines vorweg: Zusammenfassend bemerkt der Autor – Gerhard vom Hofe – an mehreren Stellen über Mozart:

  • sein unvergleichliches musikalisches Genie
  • singuläre Wundererscheinung, die nicht weiter zu erklären ist
  • die Verbindung der höchsten Kompositionskunst mit Anmut, Lieblichkeit, Ästhetik
  • Don Giovanni: Die Oper aller Opern

etc. etc.

Gerade jetzt höre ich sein Piano Concerto No.7, KV 242 für 3 Klaviere mit Georg Solti, Andras Schiff und Daniel Barenboim; an Charme, Zauber, Leichtigkeit kaum zu überbieten. Exakt so muss Mozart tönen, so muss er ultimativ kommuniziert werden!

Die Quintessenz vom Buch ist im Grunde diese, dass eine Wegstrecke als Genie von ekstatischen Höhenflügen sowie zentnerschweren Pflastersteinen gesäumt ist. Es ist ein Spagat, es hat seinen Preis. Die ultimativen Begleiterscheinungen heissen Hass, Neid und Eifersucht der Umgebung. Die Workaholic-Eigenschaften werden geflissentlich übersehen. Der Gipfel der Dekadenz lieferte Salieri, der selbstmitleidige, arbeitsfaule, brutale, teuflische Mörder; er ist Mozarts Gifteinflösser und Vernichter, auch der Mörder von Mozarts Vater Leopold. Salieri verstieg sich gar in folgende Äusserung, nachdem er Mozart endlich per Toxikum ins Jenseits befördert hatte: «Ich bin auserwählt, ihn anzuhalten – sonst gehen alle unter; nicht nur ich allein mit meinem matten Ruhm ...»

Mozart kannte Schwermut sowie Depression, aus seiner Musik leicht herauszuhören. Ebenso wusste Mozart um himmlische, göttliche, ekstatische Verzückung und überdies verfügte er über die Fähigkeit, dies in seinen Werken auszudrücken! Ich sage es: Gänsehaut-Garantie!

Nun wünsche ich Ihnen allen unzählige ekstatische, entzückende Gänsehaut-Erlebnisse beim Genuss der universellen Genialität von Wolfgang Amadé Mozarts Musik.

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Le Petit Chaperon Rouge, une imagerie d’après un conte de Perrault
Jochen Hesse
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Rotkäppchen reduziert auf Kreise und Rechtecke – funktioniert das?

Jochen Hesse, Leiter Graphische Sammlung und Fotoarchiv

Warja Lavater, Le Petit Chaperon Rouge, une imagerie d’après un conte de Perrault, Paris: Adrien Maeght Editeur, 1965

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Rotkäppchen reduziert auf Kreise und Rechtecke – funktioniert das? Selbstverständlich. Die Winterthurer Künstlerin Warja Lavater (1913–2007) erzählt das Märchen nicht nur sehr eingängig, sondern auch humorvoll. Zu Beginn des Buches erläutert sie ihre Bildsymbolik. Ein roter Kreis steht für das Rotkäppchen. Der Wolf ist ein schwarzer Kreis, die Grossmutter wird durch einen blauen Kreis symbolisiert, ein hellbraunes Rechteck versinnbildlicht ihr Haus. Der Wald besteht aus den grünen Kreisen der Bäume. Dann wird die Geschichte in Form eines sogenannten Leporellos, eines Faltbuches oder auf Französisch Imagerie, erzählt. Immer eine Doppelseite gibt eine Sequenz der Geschichte wieder, die sich ausgefaltet auf einer Gesamtlänge von knapp vier Metern ausbreitet! Ein altes Märchen ist kongenial in eine zeitgenössische abstrakte Bildsprache übersetzt. So schwillt der schwarze Kreis zu einem gefrässigen bösen Wolf an, der zuerst die Grossmutter und danach das Rotkäppchen verschlingt. Beide sind anschliessend als farbige Kreise im Innern des Wolfes sichtbar. Warja Lavater visualisiert die Erzählung in der Fassung des französischen Schriftstellers Charles Perrault (1628–1703) in einer lustigen, abwechslungsreichen und ästhetisch sehr ansprechenden Bildsprache. Ich zeige Warja Lavaters Leporello immer wieder gerne an Führungen, da es auch nach fünfzig Jahren immer noch modern wirkt und mich stets aufs Neue fasziniert.

Warja Lavater wurde in ein kulturaffines Elternhaus hineingeboren – ihre Mutter war die bekannte Schriftstellerin Mary Lavater-Sloman (1891–1980). Ihre Tochter startete ihre Karriere zuerst als Grafikerin und gründete 1937 mit ihrem späteren Ehemann, dem konstruktiven Maler und Plastiker Gottfried Honegger (1917–2016), ein Atelier. 1939 gestalteten sie gemeinsam das Landisignet, bereits 1937 hatte Warja Lavater das Schlüssel-Signet für die damalige Schweizerische Bankgesellschaft SBG entworfen, das die heutige UBS noch immer als Firmenzeichen verwendet. Ihre Piktogramme übertrug die Künstlerin später auch in ihre Gemälde und Grafiken. Die ersten Kinderbücher entstanden bereits in den 1940er-Jahren. Damals redigierte und gestaltete sie auch die Kinder- und Jugendzeitschrift «Jugendwoche». Neben Märchen von Perrault illustrierte Lavater Erzählungen der Gebrüder Grimm und von Hans Christian Andersen.

© der Abbildung: 2017, ProLitteris, Zurich
Alle Urheberrechte bleiben vorbehalten. Sämtliche Reproduktionen sowie jegliche andere Nutzungen ohne Genehmigung durch die ProLitteris – mit Ausnahme des individuellen und privaten Abrufens der Werke – sind verboten.

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Liber Psalmorum Hebraice, cum versione Latina Santis Pagnini = ספר תהלים
Romano Zoccolan
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«Dieser Band … fand sich beim Abbrechen des Gestells III auf der unteren Gallerie der Wasserkirche vor.»

Romano Zoccolan, Abteilung Alte Drucke & Rara/Projekt DigiTUR

Liber Psalmorum Hebraice, cum versione Latina Santis Pagnini = ספר תהלים, Basel, König, 1675

Link in den Katalog

«Dieser Band der StB [=Stadtbibliothek Zürich] fand sich beim Abbrechen des Gestells III auf der unteren Gallerie der Wasserkirche vor […].»

Mit diesen Zeilen beginnt die handschriftliche Notiz auf dem hinteren Innenbuchdeckel des obigen Druckes, welcher den hebräischen Psalmentext mit lateinischer Übersetzung des Humanisten Sante Pagnini (1470–1536/41) enthält. Dieser war als äusserst genauer Übersetzer bekannt. Interessant sind jedoch nicht nur der Originaltext und die Übersetzung. Mehr noch faszinieren mich an diesem Buch, auf welches ich als Mitbearbeiter der «e-rara»-Kollektion «Klosterbibliothek Rheinau» gestossen bin, die Folgezeilen der genannten Notiz. Sie tönen für mich nämlich wie eine Anekdote und versetzen einen ins Eröffnungsjahr 1917 der Zentralbibliothek Zürich zurück. Sie erinnern auch an deren ersten Direktor, Herrn Dr. Hermann Escher, für den das alte Buch offenbar von einer gewissen Bedeutung war. Die Fortsetzung der Notiz, welche am Schluss von «HE» [=Hermann Escher] signiert und datiert («23.II.1917») ist, besagt: Der vorliegende Band sei in den Katalogen nicht mehr auffindbar gewesen. In der Folge wurde er 1917 als Ersatz für denselben Druck mit der Signatur RRg 131 verwendet, weil dieses Exemplar aus der Kantonsbibliothek in schlechterem Zustand war und somit ausgeschieden werden konnte.

Wenn wir dementgegen in den gedruckten Katalogen von 1781 und 1864 der Stadtbibliothek den betreffenden Titel unter «Psalmen» suchen, dann finden wir ihn und die dazugehörige Signatur «G. VIII. 231» sehr wohl. Die vollständige Auflösung des «Rätsels» liefert uns schliesslich der handschriftliche Standortkatalog (St 34). Bei der gesuchten Signatur steht mit roter Tinte geschrieben: «Schon im Defecten-Verz. [=Verlustliste] v. 1837».

Folglich war der «Band», welcher mittlerweile zu meinem «Lieblingsbuch» geworden ist, 80 Jahre lang verloren und wurde 1917 beim Umzug der Stadt- in die Zentralbibliothek unter der Rheinauer Signatur RRg 131 aufgestellt.

In diesem Sinne gilt wohl auch für dieses Buch das lateinische Sprichwort «Habent sua fata libelli» («Bücher haben ihre Geschichten») – und folgendes für unsere Bibliothek: «Ein gutes Haus verliert nichts.»

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Wo Frauen ihre Bücher schreiben
Erika Benz
Erika Benz

Die Porträts der in diesem Buch aufgeführten Schriftstellerinnen, die Orte, an denen sie geschrieben haben, sowie die Umstände, gegen die sie ankämpfen mussten, sind inspirierend.

Erika Benz, Ausleihe/Magazin

Tania Schlie: Wo Frauen ihre Bücher schreiben, München 2014 (Thiele)

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Sich aus mehreren Millionen Büchern für ein einziges Lieblingsbuch zu entscheiden, gleicht sozusagen einer Mission Impossible, die eigentlich bloss Tom Cruise als Ethan Hunt oder Til Schweiger als Nic Tschiller lösen können. Dieses Schmuckstück möchte ich Ihnen trotzdem nicht vorenthalten, denn es beinhaltet wunderschöne Fotografien von prominenten wie auch weniger bekannten Schriftstellerinnen, die über Generationen und Zeiten hinweg in der Welt der Literatur, aber auch in unseren Herzen einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Was wäre denn unsere Welt ohne Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf oder Selma Lagerlöffs Nils Holgerson? Eine nächtliche Reise im Orientexpress wäre wohl um Nuancen farb- und reizloser ohne Hercule Poirot und die englische Dorfidylle weniger spektakulär ohne Miss Marple, beide aus der Feder von Agatha Christie (sie konnte wie vom Teufel besessen auf ihrer Schreibmaschine tippen!).

Einst gab es eine Zeit, in der eine Frau sich durchsetzen musste, um überhaupt zur Feder greifen zu können, ja zu dürfen. Einige dieser Frauen – Jane Austen, Toni Morrison, Sylvia Plath, Annemarie Schwarzenbach oder Virginia Woolf, um bloss wenige Beispiele hier zu nennen – sind in diesem Buch porträtiert. Sie alle haben gegen Armut, Einsamkeit, Apartheid oder für Gleichberechtigung geschrieben, oder dafür, überhaupt schreiben zu dürfen. Geschrieben wurde zu Zigarettenrauch oder Teeduft, auf dem Diwanfloss, und manchmal musste gar ein Brett über der Kloschüssel dafür reichen!

Nadine Gordimer oder Elfriede Jelinek, die für ihr Schreiben mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurden, sind in diesem wunderschön persönlich gehaltenen Buch ebenfalls porträtiert.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Vergnügen beim Lesen und beim genüsslichen Schmökern darin! Und vielleicht lädt es Sie persönlich nicht bloss zum Lesen ein … 

meeresmäandern von sepia
der fisch breitet über
noch weissem grund
gedankenbündelnd
seine arme aus
athena fabuliert
im beisein der mondsichel
und eine träne
sickert
ins netz der
haut  

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Library of Congress. National union catalog
Claudius Lüthi
Luethi_Claudius

Der National Union Catalog war einmal das Zentrum aller bibliografischen Nachschlagewerke. Heute braucht ihn fast niemand mehr, er ist zum Zeugnis der Vergänglichkeit geworden.

Claudius Lüthi, stv. Leiter Information/Leiter Fernleihe

Library of Congress. National union catalog. – [Annual ed.] – Washington : LoC, 1957-1983. Signatur: LS01 DSB 704

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Bücher, die ich wirklich liebe, hole ich mir üblicherweise nicht aus der Bibliothek. Die muss ich kaufen, denn ich lese, streichle und stelle sie bei mir ins Regal, wo sie mir beim Leben zuschauen. Im Übrigen habe ich Bücher gern, die Widerstand leisten, mit denen man kämpfen muss, an denen man wachsen kann. In den Tiefen der ZB steht ein solches widerspenstiges Buch, das ich sehr gerne mag, aber trotzdem besitze ich keine Kopie davon. Es wurde noch nie ausgeliehen. Und noch nie hat jemand versucht, dieses zu stehlen. Es wurde auch noch nie ganz gelesen, aber früher rege genutzt. Heute ist es gerade dabei, in Vergessenheit zu geraten. Vom Katalogsaal wurde es ins Magazin verfrachtet. Dieses Monument ist mir, nach hartem Kampf, ans Herz gewachsen. Liebevoll wird das Monstrum «NUC» genannt. In früheren, vordigitalen Zeiten war der NUC das Zentrum, eine Art Springbrunnen, im Kräutergarten der Nachschlagwerke. In dem umfangreichen Werk enthalten sind die Karten aus den Zettelkatalogen von über 1'000 amerikanischen Bibliotheken abgedruckt. Die erste Lieferung umfasste 42 Laufmeter und über 900 Bände. Er erschien in mehreren gedruckten Ausgaben, dann auf Mikrofilm und wurde endlich ganz aufgegeben. Wenn die Fernleihe nirgends sonst einen Nachweis fand, dann ging man zum NUC und fand. Heute braucht ihn kaum mehr jemand, obschon noch vieles darin zu finden ist, was sonst nirgends verzeichnet ist. Er ist zum Zeugnis der Vergänglichkeit geworden und mahnt: Alles ist vergänglich, auch was einmal als unentbehrlich galt. So ging es dem NUC und so wird’s auch Google gehen.

Vor dem Regal mit dem NUC hat es übrigens ungewöhnlich viel Platz. Dort kann man wahlweise sich verzweifelt auf den Boden werfen und vor Wut weinen, weil die Benutzung so ungewohnt kompliziert ist, oder niederknien um dieses grosse Zeugnis bibliothekarischer Fleissarbeit anzubeten.

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Du bist kein Engel Angela
Gabrielle Maria Penrice-Aebi
Penrice Gaby

Ein Buch aus einer Zeit, in der man in den Zürcher Aussenquartieren noch Mist herumkarrte. Was mir an diesem Buch so gefällt, ist die Beschreibung der Stadt Zürich und seiner Menschen zu einer Zeit, in der die Unterschiede von Reich und Arm viel ausgeprägter waren als heute.

Gabrielle Maria Penrice-Aebi, Direktionsassistentin

Walter Alvares Keller: Du bist kein Engel Angela

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Zu diesem Buch habe ich eine sehr spezielle Beziehung. Es ist eines meiner ersten Bücher, das ich auf Empfehlung meines Vaters gelesen habe. Nur schon das Wortspiel im Titel mit Engel und dem Namen Angela klang damals mit vielleicht 15 Jahren für mich nach einer interessanten und vielversprechenden Lektüre. Was ich damals beim Lesen gefühlt oder gedacht habe, weiss ich leider nicht mehr, aber der Titel ist mir bis heute geblieben. Gelesen habe ich das Buch als Erwachsene dann auch wieder, und zwar als es mir beim Räumen der Wohnung meiner Eltern wieder in die Hände kam. In dem Moment wollte ich erneut wissen, was es mit diesem Titel schon wieder auf sich gehabt hatte.

Was mir an diesem Buch so gefällt, ist die Beschreibung der Stadt Zürich und seiner Menschen zu einer Zeit, in der die Unterschiede von Reich und Arm viel ausgeprägter waren als heute. Eine Zeit, in der man in den Zürcher Aussenquartieren noch Mist herumkarrte und der Paradeplatz mit der Bahnhofstrasse nur für die Elite der Stadt war.

Kurz zusammengefasst behandelt der Roman die Entstehung und Überwindung von Eifersuchtsgefüh­len. Angela wächst anfangs des 20. Jahrhunderts in Zürich in schwierigen sozialen Verhältnissen auf und wird von ihrer überforderten Mutter, die bis spät abends für andere Leute bügeln muss, abgelehnt, beschimpft und geschlagen. Der Roman zeigt auf, wie aus einer solchen Situation Eifersuchtsgefühle auf all jene, die «es besser haben», entstehen können und wie Angela dadurch in den Kampf mit der ganzen Menschheit gerät. Zum Glück helfen ihr nahestehende Personen, die den Lebensstil des Mädchens durchschauen und Angelas unglückliche Interpretation ihrer Lebensumstände erkennen. Durch diese Unterstützung gelingt es ihr, sich mit anderen Menschen zu befreunden und sich schlussendlich auch mit ihrer Mutter auszusöhnen.

Der Autor, Walter Alvares Keller, geboren am 28.2.1908 in Zürich, war etwa im Alter meines Grossvaters und ist durch seinen eher ungewöhnlichen Lebenslauf erst spät zum Bücherschreiben gekommen. Er machte 1924 eine kaufmännische Lehre und wanderte anschliessend 1927 nach Brasilien aus, wo er drei Jahre später die Tochter eines deutsch-baltischen Urwaldkolonisten heiratete. Er war in den un­terschiedlichsten Berufen tätig, und als er 1932 in Brasilien schwer erkrankte, kehrte er zurück nach Zürich. Er war Mitglied der Sozialdemokratischen Partei (SP) und des Kaufmännischen Vereins Zürich. Von 1951 bis 1965 war er ebenfalls Mitglied des Zürcher Gemeinderats. Ab 1946 verfasste er Romane mit sozialem Gehalt und erhielt 1954 eine Ehrengabe der Stadt Zürich. Er verstarb am 2.9.1965 in Zürich, wo ihm die Stadt daraufhin 1966 an seinem letzten Wohnsitz eine Gedenktafel widmete.

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ZB-Leselounge
Philipp Hennig
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Wer viel liest, kann kein Lieblingsbuch haben. Jedenfalls nicht nur ein einziges.

Philipp Hennig, IT-Dienste

Jeder hat es also im Regal stehen, das Lieblingsbuch. Oft gelesen, manchmal total zerlesen, mit Knicken im Buchrücken und trotzdem heiss geliebt – und dann aus mehreren Millionen ein Lieblingsbuch finden? Wer viel liest, kann kein Lieblingsbuch haben. Jedenfalls nicht nur ein einziges. Sich dennoch für ein Buch entscheiden zu müssen, ist ebenso quälend wie lustvoll, liegt doch der Reiz gerade in der unvermeidlichen Ungerechtigkeit. Warum haben manche von uns so viele Lieblingsbücher und nicht nur eines?

Ich denke, wir erkennen uns in jedem Buch, ganz egal, um was für ein Buch es sich handelt und welchem Genre es entspringt. Als Mitarbeiter in den Diensten der IT komme ich viel durch die Zentralbibliothek und sehe jeden Tag unzählige Bücher mit sehr spannenden Titeln, bleibe oft an diesen stehen, schaue hinein, lese etwas aus – man will alle diese Bücher gelesen haben, aber leider fehlt die Zeit. Kaum hat man in das eine geschaut, wartet schon das nächste spannende nebenan. Daher habe ich mich nicht speziell für ein Lieblingsbuch entschieden.

Es gibt aber einen Lieblingsort in der ZB, den ich jeden Tag besuche und an dem ich eine kurze Pause mache. Eine Auswahl nationaler und internationaler Tageszeitungen und Magazine erwartet mich dort. Heutzutage ist natürlich alles online, und im digitalen Zeitalter haben es Printmedien immer schwerer. Man kann die beiden Lesearten aber einfach nicht miteinander vergleichen – sich gemütlich in diese Leselounge zu setzen, die Atmosphäre der Zentralbibliothek zu geniessen, eine Zeitung in der Hand zu halten und den Geruch des Papiers wahrzunehmen …

Bestimmte Journalisten und Themen verfolge ich ganz bewusst, keineswegs lese ich nur das Feuilleton. Die Zeitung gehört für mich zum Alltag, aber nicht auf dem Handy. Der Zeitungsartikel, vielleicht nicht so aktuell wie die Online-Medien, hat nicht so etwas Schnelles wie eine Internet-Schlagzeile, sondern oft etwas Überlegtes und ist am Ende dadurch doch um einiges reflektierter als die Online-Medien, denn er wurde von einem Menschen geschrieben, der sich darüber Gedanken gemacht hat. Diese Zeit und Ruhe nehme ich mir – daher ist für mich die Leselounge der Zentralbibliothek mein Lieblingsort.

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Fahrenheit 451
Fridolin (Fredy) Spielmann
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Wenn ich ein Buch auswendig lernen müsste, um es vor dem Vergessenwerden zu bewahren, dann wäre es David Copperfield von Charles Dickens.

Fridolin (Fredy) Spielmann, Printmedien

Ray Bradbury: Fahrenheit 451 (1953)

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Es gibt da ein dünnes Buch und ein dickes. Im einen lebt ein Feuerwehrmann namens Montag, dessen Aufgabe es ist, Bücher zu verbrennen. Bis er selber zu lesen beginnt und auf den Geschmack kommt. Verfilmt wurde das Buch von François Truffaut, geschrieben wurde es von Ray Bradbury. Der Titel: Fahrenheit 451.

Am Ende des Filmes schreiten die Büchermenschen in einem verschneiten Park auf und ab und lernen dabei ihr Lieblingsbuch auswendig. So kann es trotz seiner Verbrennung für die Nachwelt erhalten bleiben. Wenn ich hier dabei gewesen wäre, hätte ich mir David Copperfield von Charles Dickens vorgenommen.

Dickens erzählt nichts weniger als das halbe Leben von David Copperfield, wobei der Roman stark autobiografisch ist. Es wimmelt von liebenswerten oder schrulligen Charakteren: das Kindermädchen Peggotty, der Ziehvater Micawber, der betrügerische Uriah Heep (wie die einiges später gegründete gleichnamige englische Popgruppe), seine grosse Liebe Agnes und viele andere Gestalten. Ich hatte einmal angefangen, das Buch auswendig zu lernen. Die erste und die letzte Seite habe ich knapp geschafft, dazwischen gibt es noch knapp tausend Seiten.

Siehe auch Charles Dickens: The personal history, adventures, experiences, and observation of David Copperfield the younger, of Bunderstone Rockery (1849–1850). Signatur PC 7014 Vol. 1–3 (dt. Übersetzung: Signatur GL 88842).

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Persuasion
Dominique Isabelle Franz
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Standhaftigkeit steht in diesem Roman im Zentrum: Wer sich beeinflussen und überreden lässt, findet in Jane Austens Liebesgeschichte nicht zum Glück. Das muss die Protagonistin Anne Elliot sehr schmerzlich erfahren.

Dominique Isabelle Franz, Printmedien

Jane Austen: Persuasion

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«Persuasion» ist der Titel des letzten vollendeten Romans der bekannten britischen Schriftstellerin Jane Austen – und es ist der Titel eines meiner absoluten Lieblingsbücher. Vor «Persuasion» hatte ich schon «Pride and prejudice» gelesen, auch auf Englisch, da mich die deutsche Übersetzung nicht zu überzeugen vermochte. Da ich damit schon Gefallen an Austen gefunden hatte, war ich natürlich hungrig auf mehr und wurde in der ZB fündig.

Annes Geschichte beginnt schon sieben Jahre vor der eigentlichen Handlung, nämlich im zarten Alter von 19 Jahren. Sie hatte sich in den jungen, ambitionierten und attraktiven Marineoffizier Frederick Wentworth verliebt und daraufhin dessen Heiratsantrag bedenkenlos angenommen. Doch natürlich kann es kein Happy End geben, bevor der Roman überhaupt richtig angefangen hat: Anne weist Wentworth schliesslich schweren Herzens trotzdem ab. Hierauf spielt der Titel an (= Überredung): Annes ältere Freundin Lady Russell, welche sich als enge Freundin der verstorbenen Mutter für sie verantwortlich fühlt, überredet Anne zu diesem Schritt. Sie hält eine solche Verbindung in Annes Alter und Stellung für unangebracht.

Der Roman selbst beginnt mit Annes Vater Sir Walter Elliot, einem eitlen und egozentrischen Baronet, welcher durch finanzielle Probleme gezwungen ist, seine Ausgaben zu reduzieren. Entsprechend kann es sich die Familie nicht mehr leisten, auf dem Familiensitz Kellynch Hall zu leben und muss trotz grossem Widerstand des uneinsichtigen Baronets und der ältesten Tochter Elizabeth den Familiensitz vermieten. Während Anne auf ein beschaulicheres Leben in der Nähe von Kellynch Hall gehofft hätte, entscheiden sich Elisabeth und Sir Walter für ein schickes Stadthaus in der modischen und für Anne wohl etwas zu turbulenten Stadt Bath. Der Landsitz wird währenddessen an Admiral Croft und dessen Frau vermietet. Wie sich herausstellt, handelt es sich dabei um die Schwester von Frederick Wentworth. Anne bereut ihre Entscheidung von damals natürlich längst, auch weil Wentworth im Laufe der Zeit Karriere gemacht hat und zu beachtlichem Besitztum gelangt ist. Als Anne Captain Wentworth wiedersieht, tritt er ihr sehr kühl und reserviert entgegen, und Anne beginnt, die Hoffnung zu verlieren.

Zwei zentrale Orte der Geschichte:

Lyme Regis ist ein schöner, kleiner Ort am Meer in Dorset. Ich liebe die frische Brise, das Rauschen des Meeres, das Gekreische der über einem kreisenden Möwen sowie den blauen Himmel und den Blick über den Cobb auf das Meer – das alles ist einfach fabelhaft. Ich denke an Jane Austens Heldin Anne Elliot, wie sie hier am Cobb (das ist der Schutzwall vor dem Hafen) Zeugin einer Schlüsselszene des Buches wurde.

Bath ist eine meiner absoluten Lieblingsstädte und besticht mit wunderschönen, beeindruckenden Gebäuden und einer tollen Atmosphäre. Anne mochte, wie auch Jane Austen, die Stadt leider nicht sehr, doch seit Austens Zeit hat sich die Stadt sicherlich sehr verändert.

Viel mehr möchte ich Ihnen an dieser Stelle auch gar nicht verraten. Ich rate Ihnen nur, lesen Sie das Buch, falls sie es noch nicht getan haben. Ich kann Ihnen versichern, dass Sie nicht enttäuscht werden, sicherlich finden auch Sie Gefallen an Jane Austens «wit and charm». Ich kann das Buch jedenfalls wärmstens empfehlen und würde mich freuen, wenn auch Sie unser Exemplar ausleihen und sich von der Geschichte verzaubern lassen würden.

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Sumchi
Andrea Gemma Sommaruga
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Einmal bekam ich ein Fahrrad geschenkt und tauschte es gegen eine Eisenbahn, für die ich einen Hund bekam, an dessen Stelle ich dann einen Spitzer fand, den ich gegen Liebe hergab.

Andrea Gemma Sommaruga, Fachreferat Philosophie und Hebraistik/Judaistik

Amos Oz: Sumchi, München 1993 (Carl Hanser Verlag)

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Im Jerusalem kurz vor der Staatsgründung erlebt der israelische Friedensaktivist und Autor Amos Oz an einem Sommertag eine verlustreiche erste Liebe – die Geschichte, die er im kleinen Büchlein mit dem Titel «Sumchi» uns erzählt. Der elfjährige Held einer aus Osteuropa eingewanderten Familie bekommt von seinem Onkel ein Ralley-Fahrrad geschenkt, mit dem er zu einem grossen Abenteuer zum Himalaja aufbrechen und dann an den Fluss Sambesi in Ubangi-Schari radeln möchte. Doch es kommt anders. Nach vielen überraschenden Erlebnissen findet er sich bei seiner aus der Ferne angebeteten sephardischen Schulfreundin Esthi wieder. Die Liebe währt bis zu den Sommerferien und noch ein wenig länger. 

In den Kontext der Gründerzeit Israels und ihrer Gesellschaften eingebettet, vertraut uns der Autor seine wunderbare Geschichte der Sehnsüchte und des Erwachsenwerdens an, wie wir sie alle kennen. Feinfühlig, vielschichtig, melancholisch und zuweilen heiter erzählt sie von Verlusten oder, wie Amos Oz festhält, von Wechseln und Veränderungen im Leben eines jungen Menschen. Sumchi und wir leben in einer Welt, in der man alles verlieren und vieles gewinnen kann.

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VBA-Programmierung mit Excel 97: Anwendungen erstellen mit Visual Basic für Applikationen
Guido Suter
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Ein Lieblingsbuch, das nicht (nur) einfach erfreut, sondern neue Welten eröffnet und eine neue Wahrnehmung von Daten und Prozessen erlaubt.

Guido Suter, Printmedien

Michael Kofler: VBA-Programmierung mit Excel 97: Anwendungen erstellen mit Visual Basic für Applikationen

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Ein Lieblingsbuch darf auch einfach erfreuen – und ich kenne solche Bücher –, aber ich beschreibe hier ein Buch, das mir einen Aspekt der Welt zugänglich gemacht hat, welcher mein Berufs- wie auch mein Privatleben beeinflusst.

Mit meinem Eintritt in die IT-Dienste der ZB im Jahr 2000 bekam ich auch Aufträge, Daten zu analysieren und aufzubereiten. Dabei leistete mir Excel mit seinen Bordmitteln gute Dienste. Eine neue Dimension erschloss sich mir aber, als ich die VBA-Programmierung entdeckte. Dabei kommt mein Lieblingsbuch ins Spiel, das mir als Anfänger schnell erste Erfolge verschaffte. Anfänglich ging es darum, meine eigenen Arbeitsabläufe zu unterstützen. Mit wachsender Erfahrung veränderte sich aber meine Wahrnehmung von Daten und Prozessen in meiner Umgebung in einer Weise, dass ich mir immer wieder die Frage stellte und stelle: «Könnte man nicht …?». Ging es anfänglich vor allem um Zahlenmaterial, bearbeite ich heute auch gerne grosse Textmengen, wobei ich immer wieder staune, was Excel auch in dieser Hinsicht zu bieten hat. Die Entdeckung der Möglichkeiten von Excel-Formularen erlaubte es mir, Programme auch Menschen mit weniger Erfahrung zugänglich zu machen.

Da ich nicht wunschgemäss fremdsprachenbegabt bin, freut es mich, mit VBA eine Sprache entdeckt zu haben, in der ich meine Ausdrucksfähigkeit stetig steigern kann. Während ich früher tatsächlich viel in meinem Lieblingsbuch nach Lösungen gesucht habe, finde ich heute viele Antworten in den Foren im Internet. Dabei fällt mir auf, dass es auch bei den Programmsprachen sozusagen Dialekte und Sprachniveaus gibt.

Immer noch bereitet es mir eine fast kindliche Freude, ein eigenes Programm am Werk oder ein Produkt davon zu sehen. Und das Entdecken geht weiter … 

P.S. Eine neuere Publikation zum Einstieg in VBA mit Excel ist zu finden unter: Signatur 2016 A 17303.

 

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Vargic's miscellany of curious maps : mapping the modern world
Linda Althaus
Althaus Linda

George Lucas ein Land, J.K. Rowling eine Stadt und das Internet als Landkarte … All das und noch viel mehr stellt Martin Vargic auf wunderbar unterhaltsame Art in seinem neuen Buch vor. Mit prächtigen Illustrationen und den verschiedensten Themenbereichen lädt Vargic in seiner Sammlung kurioser Karten zum Verweilen, Lachen und Nachdenken ein.

Linda Althaus, Graphische Sammlung und Fotoarchiv, DigiTUR

Vargic's miscellany of curious maps : mapping the modern world. Signatur: Kart 20420 Buch + Beil 1-3

Link in den ZB-Katalog

Unscheinbar stand es im Regal bei den anderen circa 6‘000 zu bearbeitenden Büchern, als ich darauf aufmerksam wurde. Einzig seine etwas unkonventionelle Grösse hatte es verraten. Ein kurzer Blick hinein sollte genügen, nur so aus Neugierde, dachte ich zuerst. In Tat und Wahrheit aber blieb ich länger daran hängen, als ich wollte. Genau so erging es auch all meinen Arbeitskollegen, denen ich das Buch später zeigte: egal wie oft man hinein schaut, man entdeckt immer etwas Neues.

Dabei sind in diesem Buch nur Karten zu finden! Der Clou an der Sache ist, dass es keine gewöhnlichen Landkarten sind. Der Autor Martin Vargic mit Jahrgang 1998 (!) hat unsere Welt so angeschaut, wie wir sie selber sehen und hat Karten entworfen, deren grösstes Land beispielsweise „Google“ heisst (auf der „Map of the Internet“). Zu sehen gibt es ausserdem etwa „The Music Map“, „The Map of YouTube“, sowie eine Karte der „richest Celebrities“ („George Lucas“ heisst dort das grösste Land, zu dessen Grösse wohl die Stadt „Star Wars“ wesentlich beigetragen hat). Auf einer anderen Karte entdecke ich dafür Länder wie „Romanticism“, in welchem es Städte wie „Goethe“ oder „Victor Hugo“ gibt. Etwa gleich gross sind die Länder „Sci-Fi“ oder „Fantasy“ (dort zu finden ist eine grosse Stadt Namens „J.R.R. Tolkien“). Ausserdem existiert in dieser „Map of Literature“ eine eigene Insel Namens „Oscar Wilde“.

Na, erraten? Je mächtiger eine Person, ein Konzern oder eine Sache auf der jeweiligen thematischen Karte, desto grösser ihr Land. Diese Länder wiederum bestehen aus verschiedenen Gebieten und Städten, welche je nach Einfluss grösser oder kleiner sind („J.K. Rowling“ beispielsweise ist eine riesige Stadt im Land „Fantasy“).

Alle Karten haben einen statistischen Charakter. Sie halten dem Betrachter mit ihrem Bezug zur Realität eiskalt den Spiegel vor. Auf jeder Seite lernt, staunt und schmunzelt man. Mein Highlight bildet die „Map of Stereotypes“, bei welcher es sich um unsere gewöhnliche Weltkarte handelt, wobei aber Landes- und Städtenamen durch gängige Vorurteile oder Stereotypen ersetzt wurden. Australien heisst beispielsweise „Kangaroos“, Russland „Communists“, China „Factory“ und am Nordpol befindet sich der „Santa Claus Ocean“. Für jedes Land, sei es noch so klein, hat Vargic einen passenden Namen gefunden. Man kann nur staunen! Eine beachtliche Leistung, versammelt in diesem eindrücklichen und fantastischen Buch.

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Antonio Skármeta: Ardiente paciencia
Simon Baumgartner
Baumgartner Simon

In ‹Ardiente paciencia› stehen Literatur und Freundschaft im Vordergrund. So bekundet der Briefträger Mario seiner Angebeteten durch Gedichte seine Liebe. Diese Gedichte wiederum benützt er ohne das Wissen seines Freundes, des Lyrikers Pablo Neruda.

Simon Baumgartner, E-Medien und Periodika

Ardiente paciencia. Signatur: DVD Vid 2338

Link zum ZB-Katalog

Einige werden den Film Il postino (1994) von Michael Radford kennen (ZB-Signatur: DVD Vid 1848: 17). Il postino stellt ein Remake von Ardiente paciencia dar. Während Il postino in Italien spielt, ist Ardiente paciencia in Chile angesiedelt, in der Zeit vom Wahlkampf Allendes 1970 bis zum Militärputsch 1973. Das Lokalkolorit kommt in Ardiente paciencia sehr gut rüber; der Film wurde von Skármeta im Exil in Portugal gedreht. Die SchauspielerInnen waren ausserdem alle ChilenInnen, die in Europa im Exil lebten. Nur der Darsteller von Pablo Neruda, Roberto Parada, reiste eigens für die Dreharbeiten aus Chile an.

Ardiente paciencia ist eine Ode an die Freundschaft. Mario, der Briefträger, bringt Pablo Neruda in der kleinen Ortschaft an der Küste Isla Negra seine Post. Nach und nach entsteht zwischen dem Dichter und Mario eine Freundschaft. Mario verliebt sich in eine junge Frau aus Isla Negra, durch die Gedichte Nerudas bekundet er ihr seine Liebe.

Der Militärputsch wird im Film lediglich angedeutet – Marschmusik im Radio, bewaffnete Soldaten, die die Taschen der DorfbewohnerInnen durchsuchen, ein Militärhelikopter, der der Küste entlang fliegt – dies genügt aber vollkommen, um den ganzen Horror des Putsches für die ZuschauerInnen zu veranschaulichen. Bei seiner letzten Briefzustellung, während der Mario nach dem Putsch unter Lebensgefahr ins Haus von Neruda gelangt, rezitiert er dem schwerkranken Dichter die Telegramme auswendig, die aus der ganzen Welt Solidarität mit Neruda bekundeten.

Der Titel des Films, Ardiente paciencia (dt. brennende Geduld), geht auf ein Zitat von Arthur Rimbaud zurück: „Im Morgengrauen werden wir, bewaffnet mit brennender Geduld, die Städte betreten.“ So betont Neruda in seiner Nobelpreisrede 1971, die auszugsweise auch im Film vorkommt: „Nur mit brennender Geduld werden wir die strahlende Stadt erobern, die allen Menschen Licht, Gerechtigkeit und Würde schenken wird. So wird die Poesie nicht vergebens gesungen haben.“

Skármeta realisierte zuerst den Film und veröffentlichte erst 1985 den Roman Ardiente paciencia.

Auch das Buch ist in der Zentralbibliothek – unter der Signatur TM 6406: 115 auf Spanisch, unter GL 7483 auf Deutsch – vorhanden.

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Geschichte des Kautschuk-Booms
Albert von Brunn
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Richard Collier hat der Belle Époque Amazoniens ein Denkmal gesetzt, das es verdient, hundert Jahre nach den Ereignissen wiederentdeckt zu werden.

Albert von Brunn, Fachreferat Portugiesische Philologie

Richard Collier: Geschichte des Kautschuk-Booms. In: The River that God forgot: the story of the Amazon rubber boom. S. 17–26

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Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das Hinterland des Grão-Pará im Nordosten Brasiliens von der Welt abgeschnitten. Erst mit der Einführung der Dampfschifffahrt durch die britische Amazon Steam Navigation Company mit Sitz in London und der Öffnung der Flüsse Amazonas, Tocantins, Tapajós und Madeira (1867) wurde Amazonien Teil des Weltmarktes. Das Exportgut Kautschuk gewann immer mehr an Bedeutung. Die Existenz der Hevea Brasiliensis, des Kautschukbaums, war zwar seit der Expedition von Jean-Marie de La Condamine nach Amazonien (1736) bekannt. Aber erst die Einführung der Vulkanisierung durch den nordamerikanischen Chemiker Charles Goodyear (1800–1860) machte Latex zu einem wichtigen Rohstoff im Prozess der Industrialisierung. Zwischen 1888 und 1900 erwirtschaftete Kautschuk rund ein Viertel der brasilianischen Exporte, übertroffen nur noch vom Kaffee.

Manaus war das Zentrum dieses Kautschukbooms und seine Geschichte ist mit dem Gummiboom eng verknüpft. Wie viele Regionen Lateinamerikas, so war auch Amazoniens Wohl und Wehe abhängig von einem einzigen Rohstoff und dessen Schicksal auf einem wankelmütigen Weltmarkt. Der britische Journalist Richard Collier (*1924) machte sich in den sechziger Jahren daran, diese ausserordentliche Geschichte aufzuschreiben. Alles begann mit einem jungen, ehrgeizigen Politiker: «Vor fünfzehn Jahren war Eduardo Gonçalves Ribeiro (1862–1900), der jüngste brasilianische Gouverneur, an die Macht gelangt. Er war ein kleiner, dunkelhäutiger Diktator, dessen hochfliegende Pläne nach der Macht und schönen Frauen strebten.» Aus Regenwäldern und Malariasümpfen entstand praktisch über Nacht eine faszinierende Stadt der Moderne mit Krankenhäusern, Kirchen, Banken, Bürotempeln und Markthallen. Manaus war das Hirngespinst eines reichen Mannes. So thronte über dem Zentrum der Stadt die goldblaue Kuppel des Teatro Amazonas. Sein Eisengerüst stammte aus Glasgow und die sechzigtausend Ziegel der Kuppel aus dem Elsass. Im Innern prangten venezianische Glaskandelaber und im Foyer standen Säulen aus Carrara-Marmor neben Sesseln aus Palisanderholz, die so schwer waren, dass zwei Männer sie kaum tragen konnten. Doch zugleich blieb Manaus eine Stadt am Rande der Wildnis: Kein normaler Mann hätte seine Frau allein zur Kirche gehen lassen, und hinter den schmucken Herrenhäusern und klassizistischen Villen gähnten stinkende Slums, ideale Brutstätten für Moskitos und Parasiten aller Art, die jährlich über 300 Opfer forderten.

Mit Akribie, gepaart mit britischem Humor, schildert Richard Collier die Geschichte des internationalen Skandals um die Peruvian Amazon Company mit Sitz in London. Sie wurde verdächtigt, ein Vermögen auf Kosten indianischer Sklaven an den Ufern des Putumayo gemacht zu haben. Das Ende kam mit dem Bio-Piraten Henry Wickham (1846–1928), der 1878 siebzigtausend Samen der Hevea Brasiliensis nach London schmuggelte. 

Im Amazonasbecken, so hatte Alexander von Humboldt auf seiner Reise durch Südamerika (1799–1804) prophezeit, werde dereinst die Zivilisation auf dieser Welt erblühen. Der Kautschukboom hat diese Prophezeiung nur zum Teil erfüllt und wurde mit dem Elend von Tausenden von Gummizapfern erkauft. Richard Collier hat der Belle Époque Amazoniens ein Denkmal gesetzt, das es verdient, hundert Jahre nach den Ereignissen wiederentdeckt zu werden. 

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Mariposa, in Mi primer libro de poemas
Sofia Armanini
Armanini Sofia

Dank meinen Kindern habe ich die Lyrik wieder neu entdeckt.

Sofia Armanini, Leiterin E-Medien

Federico García Lorca: Mariposa del aire, in La zapatera prodigiosa, acto primero, Obras completas II, Madrid, Aguilar, 19882, S. 332 (Signatur : GV 8617 :2)

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Dank meinen Kindern habe ich die Lyrik wieder neu entdeckt; diese literarische Form spricht Kinder besonders an, denn die Texte sind meist kurz und gefühlsbetont; durch den Rhythmus, die Verse und die metaphorische Sprache auch sehr aussagekräftig. Deshalb begann ich aus einem spanischen Gedichtband für Kinder vorzulesen und ich genoss selber eine tägliche konzentrierte Portion feinster Literatur, denn wie hätte ich sonst die Zeit gefunden, mich hinzusetzen und einen fünfhundertseitigen Roman zu lesen?

So flattert ein Schmetterling fast täglich durch die Räume und legt sich auf ein neues Gedicht zum Entdecken oder auf das Näschen des träumenden Kinds, das bald einschläft. Ich habe auch eine andere Seite der poetischen Interpretation entdeckt: eine Lektüre aus der Perspektive der Kinderwelt. Der Fokus fällt nämlich stark auf die verspielte und magische Sprache von Federico García Lorca, welche für ein paar Sekunden die Welt verzaubert. Mit Recht schreibt Vicente Aleixandre in der Einleitung der erwähnten Gesamtausgabe, dass Federico mit einem Kind oder Engel verglichen wurde („A Federico se le ha comparado con un niño [….]“); er war magisch wie ein Urwald („[…] mágico como una selva.“).

Mariposa del aire … dieses frisches sechzehnzeiliges Gedicht ist somit zum Familienpoem geworden, sogar zu einer „Hymne“.

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Jadviga párnaja (dt. Übersetzung: Das Kissen der Jadwiga)
Adrienn Duff
Adrienn Duff

Eine schöne, aber schwere Geschichte, welche richtig wehtut. Menschlich. Tief. Aufregend.

Adrienn Duff, Fachreferat Finno-Ugristik, Ausleihe/Magazin

Pál Závada: Jadviga párnaja

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In den Regalen der ZB befinden sich mit Sicherheit zahlreiche fabelhafte Werke, darunter auch eines meiner ungarischen Lieblingsbücher: „Das Kissen der Jadwiga“ (Jadviga párnaja) von Pál Závada. Es handelt sich dabei um einen ausgesprochen interessant geschriebenen Tagebuchroman.

Das Tagebuch gehört Ondris, der einen Tag vor seiner Hochzeit seine Gedanken und Gefühle auf Papier zu schreiben beginnt. Er ist im siebten Himmel, da die Liebe seines Lebens, Jadwiga, seine Frau wird. Ihre Ehe wird jedoch im Laufe der Zeit immer schattenhafter und von Rätseln umgeben. Vor allem, weil Jadwiga das Tagebuch findet, liest und weiterführt. Mit der Zeit gerät das Tagebuch auch in die Hände des Sohnes, Miso. Er ergänzt, sortiert und korrigiert die Eintragungen der Eltern und schreibt seine Lebensgeschichte weiter. Nun bekommt der Leser das Geschehen aus drei Blickwinkeln mit, was die Geschichte sehr spannend macht.

Das Schicksal der Familie wird durch Liebe, Betrug, Lüge, Geld, Abhängigkeit, Verrat und das komplizierte und schwierige Geschehen des 20. Jahrhunderts geprägt. Eine schöne, aber schwere Geschichte, welche richtig wehtut. Menschlich. Tief. Aufregend.

Dieses wunderschöne Werk findet man auf Ungarisch unter der Signatur GL 73917, bzw. auf Deutsch unter HL 32200.

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Why nations fail: the origins of power, prosperity and poverty
Urs Reinhart
Reinhart Urs

Wollen Sie wissen, warum es ein offenes Bildungssystem und gute Bibliotheken braucht? Das Buch liefert Ihnen die Antworten darauf und noch sehr viele weitere Aha-Erlebnisse.

Urs Reinhart, Printmedien

Daron Acemoglu, James A. Robinson : Why nations fail: the origins of power, prosperity and poverty, New York 2012.

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Ein über 500 Seiten dickes Buch über Institutionenökonomie – und erst noch auf Englisch? Nein danke! Aber es wird Ihnen ergehen wie mir: einmal begonnen, werden Sie es an einem Stück durchlesen. Das Buch hat Suchtpotential!

Flott geschrieben, in einem leicht verständlichen Englisch und ohne ermüdenden Anmerkungsapparat, entführt Sie das Buch durch die Epochen der Geschichte rund um den Globus: Von der mexikanisch-US-amerikanischen Grenze und einem Überblick über die Geschichte der Kolonisierung Nord- und Südamerikas zur koreanischen Halbinsel, vom Kongo des 15. und 16. Jahrhunderts in die Karibik der Kolonialzeit, von den Pestzügen im europäischen Mittelalter zur ‚Glorious Revolution‘ von 1688 in England. Und weiter geht der wilde Ritt durch die Geschichte vom Japan der Meiji-Revolution zu den ostasiatischen Tigerstaaten, gefolgt von einem Abstecher in die Sowjetunion, wieder zurück in den Kongo, von der neolithischen Revolution um 9500 v. Chr. zu den vorkolonialen Maya-Staaten, vom Venedig der Dogen ins antike Rom, zurück nach England zur Zeit der Magna Carta, des Bürgerkrieges und der industriellen Revolution. Wir haben eben erst Seite 211 umgedreht – und auf den nächsten 300 Seiten geht es im gleichen Stil munter so weiter.

Verwirrend? Nein, gar nicht! Denn das Buch hat eine einfache These, an der all diese Stationen durch die Weltgeschichte gemessen werden: Die Wichtigkeit von politischen und ökonomischen Institutionen für den Reichtum oder die Armut der Nationen. Die Autoren unterscheiden dabei zwischen einbeziehenden (‚inclusive‘) Institutionen, welche Anreize schaffen, wirtschaftlich aktiv zu werden und so Staaten prosperieren lassen, und ausschliessenden, bzw. ausbeutenden (‚extractive‘) Institutionen, welche ökonomische Aktivität und damit den Fortschritt behindern.

Wollen Sie wissen, ob China das Wohlstandsniveau des Westens erreichen kann? Warum eine funktionierende Gewaltenteilung so wichtig ist? Warum es ein offenes Bildungssystem und gute Bibliotheken braucht? Das Buch liefert Ihnen die Antworten darauf und noch sehr viele weitere Aha-Erlebnisse.

Die Zentralbibliothek Zürich stellt Ihnen das Buch sowohl in der englischen Originalfassung als auch in der deutschen Übersetzung gern zur Verfügung.

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Roger Caillois: Pierres (Essais).
Katrin Züger
Züger Katrin

Ein Buch über Steine. Wie belanglos. Falsch. Steine sind nichts weniger als belanglos.

Katrin Züger, Projektleiterin «100 Jahre ZB»

Roger Caillois: Pierres (Essais). Signatur: FL 5800

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Ein Buch über Steine. Wie belanglos. Steine zudem, die nicht Archäologen, Künstler, Diamanthändler, Architekten, Bauherren, Juweliere, Landschützer und Grabschmücker interessieren. Steine vielmehr, die seit jeher, vielfach unbeachtet, den Unbilden der Witterung ausgesetzt sind, die von nichts zeugen als von sich selbst und eben deshalb von Interesse sind, für mich, die ich von Steinen fasziniert bin, gewöhnlichen, unauffälligen, unbehauenen, so wie die Natur sie geformt hat, nicht von Menschenhand verunstaltet und in lächerliche Formen gemeisselt – Kugeln, Eier, Ringe, Broschen, Buchstützen, Briefbeschwerer …

Sie interessieren, weil sie vom Beginn des Planeten stammen, manchmal von einem anderen Stern. Weil sie die Geschichte der Erde zum Leben erwecken und diejenige des Menschen relativieren. Weil sie älter sind als das Leben, hartnäckiger, dem Menschen und der Zeit widerstehen, sich zwar klein-, aber nicht unterkriegen lassen, schon deshalb unsere Ehrfurcht und Ehrerbietung verdienen. Der Mensch, wenn er sich ihrer bewusst wird, beneidet sie um ihre Dauerhaftigkeit, ihre Härte, ihren Starrsinn, ihren Glanz, ihre Glätte, ihre Undurchdringlichkeit, weil sie sogar als zerbrochene noch ganz sind. Sie verweisen auf das scheinbar Gewöhnliche, Alltägliche, Kleine und Unbedeutende, obwohl es doch das Grösste und Älteste ist, älter als die Geschichte der Menschen und Mythologien. Nichts wird sie je verändern, ausser die Gewalt tektonischen Wütens und die allmähliche Abnutzung durch die Zeit. Sie überdauern das Leben, sind sich des Todes nicht gewärtig und haben nichts weiter zu tun, als sich Sand, Platzregen oder Brandung, Unwetter und Zeit übers Gesicht rieseln zu lassen.

Steine wie Girlanden, Nervengeflecht, Astwerk, Palmen, Farne, Moose, Medusen, Landschaften. Dendriten aus Mangan auf Sandstein, manchmal Achat, ausnahmsweise Quarz, breiten das Spitzengewebe ihres Laubwerks, das Haar ihrer Nerven in ihnen aus. Die Farben von Ziegelrot über alle Schattierungen des Ockers bis Schwarz. Im Honig oder in der blauen Milch des Achats skizzieren sie Landschaften: Hügel, Täler, Schluchten, von Tannen bestanden, zu erkennen an den zugespitzten Umrissen und den niederen, ein wenig aufwärts gebogenen Ästen, durch die Entfernung winzig gemacht.

Ein Klumpen Kupfer, scheint sich vor Stolz zu blähen und gibt zu verstehen, dass er einst einer schrecklichen Weissglut ausgeliefert war, darauf am Grund stehenden Wassers zu endlosem Erkalten sich selbst überlassen fand, wo eine langsame Chemie ihn mit polychromer Patina überzog. Es dominiert das Grün, der nahezu vollständige Fächer der Grüntöne, von denen dennoch jedes sein Anderssein hervorhebt: hier das glänzende, fast schwarze Grün von Moosen nach dem Regen, dort das von Karbonaten, von Sulfiten angegriffene Samtgrün vergrabener Münzen, häufig trübe Blaus, die ins Grün hinüberspielen, die der Türkise, der Aquamarine und anderer blauer Steine ohne genauen Farbwert, im Grenzfall das zittrige, zögernde Grün sehr junger Mandeln, deren Flaum noch silbrig ist.

Steine sind nichts weniger als belanglos.

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ZB-Schätze im Schaufenster

Lernen Sie Esperanto!

Die Zentralbibliothek Zürich verfügt über eine stattliche Esperanto-Bibliothek.

Die Lehr- und Wörterbücher helfen Ihnen, die Grundlagen zu erarbeiten. Zum Üben und Vertiefen stehen Ihnen eine thematisch breit gestreute (belletristische) Literatur  und rund 164 Zeitschriften zur Verfügung. Einige Bände zu anderen Hilfssprachen wie Ido oder Volapük runden das Angebot ab. Und wer weiss, vielleicht haben Sie dann Lust, an den nächsten Esperanto-Weltkongress zu fahren, der jährlich stattfindet – 2017 in Seoul, Südkorea, 2018 in Lissabon, Portugal. Den dazu passenden Reiseführer holen Sie sich am besten auch in der ZB – aber frühzeitig reservieren, unsere Reiseführer sind begehrt!

Benutzung

Benutzungsbestimmungen

Hilfe zur Recherche erhalten Sie vor Ort am Informationsschalter oder per E-Mail

Wie es dazu kam

Die Esperanto-Bibliothek stammt aus dem Vermächtnis des Typografen Karl Jost (1876–1952) und gelangte 1956 in die ZB. Sie umfasst 346 Bände, 646 Broschüren und 164 Zeitschriften. Etwa ein Drittel der Werke wurde vor 1916 gedruckt. Da Esperanto als recht stabile Sprache gilt, können gut alte Grammatiken zum Erlernen der Sprache beigezogen werden. Das erste Esperanto-Lehrbuch wurde 1887 vom polnischen Augenarzt Ludoviko Lazara Zamenhof publiziert. Diese Ausgabe finden historisch Interessierte ebenfalls in der ZB, wenn auch nicht in der Esperanto-Bibliothek, sondern (anderweitig) im Bestand unter der Signatur 1887/166 – sie ist im Lesesaal Alte Drucke benutzbar. Falls Sie dennoch neuere Grammatiken bevorzugen, welche die Sprache ausführlicher beschreiben oder moderne Begriffe wie komputilo (Computer, wörtlich: Recheninstrument) oder aidoso (AIDS) beinhalten, werden Sie ebenfalls in der ZB fündig, zum Beispiel unter der Signatur HL 72699 (Praktisches Wörterbuch Esperanto, 2012). Die ZB sammelt weiter Werke in und zu Esperanto (ausserhalb der Esp-Signatur).

 

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Jubiläum Jubiläum …

Unter einem annus jubilaeus (lat.) wird eine Erinnerungsfeier verstanden, bei der ein besonderes Datum oder Jahr gefeiert wird. Es findet seinen Ursprung im Alten Testament: Das biblische Jobeljahr (vom hebräischen Wort jobel in der Bedeutung «Widder») war ein mit Schofartönen (Blasinstrument aus Widderhörnern) eröffnetes Erlassjahr der Schuldentilgung und des Besitzausgleichs für alle Israeliten. Um 1300 rief der Papst das heilige Jahr zum vollständigen Sündenerlass aus, wodurch die römisch-katholische Kirche den alttestamentlichen Anlass in ihren Kalender integrierte.

Heutzutage sind die Jubiläen in Wirtschaft, Politik und Staat variantenreich. Zahlreiche Nationalfeiertage und Firmenjubiläen, wie die ZB in diesem Jahr eines feiert, gehören dazu. Nicht zu vergessen sind auch die «jubilarischen» Feierlichkeiten bei Geburtstagen, Todestagen und Hochzeitstagen.

Jubilierende Engel oder Puten mit Posaunen können bildlicher Ausdruck eines Jubiläums sein. Im Bestand der ZB Graphische Sammlung ist eine schöne Zeichnung zweier Posaunenengel zu finden.

 

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Der gute Neujahrsvorsatz – oder der Geist ist willig

Wer kennt sie nicht, die gut gemeinten Neujahrsvorsätze, die etwa lauten: «… im neuen Jahr werde ich endlich mehr Sport treiben und mich gesünder ernähren ...». Meist bleibt es jedoch beim Vorsatz, da sich die Umsetzung als schwierig erweist.

Wir möchten Ihnen helfen, Ihre guten Vorsätze zu verwirklichen! Die ZB stellt Ihnen Ratgeberliteratur zu diversen Themen zur Verfügung. So bieten wir beispielsweise eine fantastische Auswahl an Ernährungsratgebern und Übungssammlungen zu Gymnastik sowie Yoga und Pilates an. Vielleicht möchten Sie gar Ihr ganzes Leben neu gestalten oder denken sich, dass Sie doch schon alles ausprobiert haben.

Im Rahmen unserer Turicensia-Sammeltätigkeit haben wir ausserdem die Reihe Beobachter Ratgeber in unseren Bestand integriert, die ebenfalls sehr hilfreich sein kann.

Falls sich der gewünschte Erfolg doch nicht einstellen sollte, denn dieser braucht meist etwas Zeit und ein gutes Mass an Selbstkontrolle, finden Sie bei uns auch Ratgeberliteratur zu Gelassenheit und zu gelassenem Scheitern.

Die Abbildung von Rudolf Meyer (1803–1857) aus dem Bestand unserer Graphischen Sammlung/Fotoarchiv soll Sie ermuntern, wieder einmal kräftig und beherzt in einen Apfel zu beissen.

 

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Forschungsdatenmanagement – wer braucht denn das?

Mit dem Forschungsdatenmanagement ist es so eine Sache: Während im Begriff «Forschung» immer auch die Vorstellung von Abenteuer mitschwingt, klingt der zweite Teil – «Datenmanagement» – nach einer buchhalterischen Pflichtübung. Klar: dort, wo Forschung in grossem Stil betrieben wird, leuchtet einem sofort ein, warum man mit den anfallenden «Big Data» vorausschauend umgehen muss. Und wer einen Antrag auf Forschungsförderung stellt, weiss, dass die Geldgeber mittlerweile auf solide Datenmanagementpläne achten.

Aber wie wichtig ist Datenmanagement im Forschungsalltag? Seine Bedeutung liegt darin begründet, dass der gesamte Forschungsprozess heute meist in allen Belangen computerunterstützt erfolgt. Untersucht werden zunehmend Digitalisate von Objekten, wissenschaftliche Beobachtungen und Auswertungen werden digital dokumentiert, Erkenntnisse werden digital präsentiert und digital publiziert. Bei all diesen Arbeitsschritten fallen Daten an, die als Nachweis von Forschungsergebnissen dienen und oft viel zu wertvoll sind, um sie der Öffentlichkeit vorzuenthalten.

Wollen Sie mehr wissen? Dann bietet Ihnen unter anderem das «Handbuch Forschungsdatenmanagement» einen Überblick zum Thema. Sie finden es gedruckt bei uns in der ZB und als Open-Access-Publikation online. Über Fragen zur Langzeitarchivierung informieren z.B. die Handbücher des Kompetenznetzwerks Nestor – auch sie sind frei verfügbar.

Und wenn Sie erfahren wollen, wie sich Bibliotheken mit Fragen zum Forschungsdatenmanagement auseinandersetzen, dann schauen Sie doch in das Buch von Laura Krier und Carly A. Strasser.

Übrigens: Die ZB veranstaltet – passend zum Thema – am 9. Februar 2017 eine Fachtagung mit dem Titel «Die Bibliothek vernetzt. Infrastrukturen für Forschungsdaten in den Geisteswissenschaften».

Wenn Sie daran teilnehmen möchten, dann melden Sie sich hier an.

Für Fragen steht Ihnen gerne Lothar Schmitt zur Verfügung.

 

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Verkleidete Literatur

Des einen Freud, des andern Leid: Die Fasnacht naht! Auch in der ZB trifft man auf Verkleidete. Doch im Unterschied zur Fasnacht ging es bei der «verkleideten Literatur» oft um Leben und Tod. 

Tarnschriften sind eine Form davon: verbotene Texte, die hinter einem anderen, unverfänglichen Einband (oft auch Titelseite, Impressum, Textanfänge, Schlussseiten) versteckt wurden. Die meisten entstanden zwischen 1933 und 1945 und wurden von der verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands oder antifaschistischen Widerstandsgruppen unter Umgehung der Zensur in Umlauf gebracht. Sie enthalten politische, aufklärerische Texte, etwa über die Hintergründe des Reichstagsbrandes vom 27. Februar 1933 (hinter Schillers Wallenstein verbergen sich tatsächlich Auszüge aus dem Braunbuch über Reichtagsbrand und Hitlerterror; ZB-Signatur Ms O 16: 3).

Für diese gefährliche Untergrundarbeit eigneten sich nur Kleinschriften, Werbebroschüren (die Werbung «Hören Sie unsere neuesten Platten!» enthält in Wahrheit die Rede «Auf zum Kampf um die Mehrheit der Arbeiterklasse»; ZB-Signatur Revol 1389 I/4), Gebrauchsanweisungen (die angebliche Anleitung zur Selbstanfertigung einer Kochkiste und Rezepte enthält tatsächlich Béla Kun: Otto Bauers Weg; ZB-Signatur Revol 1389 I/12) etc. Sie wurden anfangs noch im Reich selbst, dann in Auflagen um die 10‘000 Kopien im nahen Ausland produziert. Heute sind sie jedoch Raritäten. Die Tarnschriften der ZB können nach Vorbestellung über das Rechercheportal in den Abteilungen Alte Drucke und Handschriften angesehen werden.

Getarnt als regimekonformes Buch des SS-Mannes Hilgendfeldt entpuppt es sich im Innern als Widerstandsschrift gegen die Nazis, untermauert von eindrücklichem Bildmaterial wie hier: «Die Kindersterblichkeit steigt mit den Dividenden der Rüstungsindustrie».

ZB Alte Drucke Sig: AX 5316

 

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Briefkultur anno dazumal

In ihren Spezialsammlungen bewahrt die ZB auch Hunderttausende von Briefen auf, die auf ganz unterschiedlichen Wegen hierher gelangten: in Sammel- und Kopienbänden (Thesaurus Hottingerianus, Simleriana), in privaten Nachlässen und Familienarchiven, Autografensammlungen, Gesellschafts- und Verlagsakten, als Einzelstück aus Auktionen und Schenkungen oder auch eingebunden in Druckwerke oder als Makulatur.

Die ältesten Stücke sind die sogenannten Zürcher Liebesbriefe aus dem 14. Jahrhundert. Bedeutende Briefwechsel stammen aus dem Reformationszeitalter und dem briefverliebten 18. Jahrhundert (Scheuchzer, Bodmer, Lavater, Pestalozzi). Aber auch jüngste Korrespondenz gelangt laufend zur Aufbewahrung in die Handschriftenabteilung und wird dort im Rahmen bestimmter gesetzlicher Schutzfristen für eine spätere Einsicht vorbereitet.

In der Reihe Manuskript am Mittag wird am 22. März 2017 um 12.30 Uhr ein Einblick in Brief-Gepflogenheiten im Zeitalter des Gänsekiels anhand von Beispielen aus der Sammlung geboten. 

In der Brief-Datenbank im Recherche-Portal sind sowohl Briefschreiber als auch -empfänger abrufbar.

Angesichts der breitgefächerten Bestände ist jedoch mit Briefen zu rechnen, die in der Datenbank noch nicht zu finden sind. Schriftliche Anfragen zum diesem Thema werden gerne beantwortet.

In Ergänzung dazu führen die Nachlassverzeichnisse Korrespondenz summarisch auf. 

Zahlreiche Briefe können des Weiteren als Digitalisat auf der laufend wachsenden Präsentations-Plattform e-manuscripta eingesehen werden.

Bild: ZBZ, FA David Hess 41.146: Kalligraphische Unterschrift Georg Voglers in einem Schreiben an David Hess, 7. Dezember 1808.

 

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Sammelschwerpunkt Nepal

Die Zentralbibliothek Zürich besitzt zum Himalaja-Staat Nepal einen Sammelschwerpunkt. Den Kern bildet die Bibliothek des Freundeskreises Schweiz-Nepal. Die Gesellschaft wurde 1971 von Schweizerinnen und Schweizern gegründet, die in Nepal tätig waren. Bereits 1975 übernahm die Zentralbibliothek Zürich ihre Büchersammlung als Depositum (Signatur NEP). Im gleichen Jahr fügte der Geograph Prof. Arthur Dürst seine eigene Nepalbibliothek dazu (Signatur NED). Der Bestand der Nepal-Bibliothek ist mittlerweile auf etwa 1'000 Titel angewachsen. Sie betreffen Werke zu Nepals Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik, Kultur und Religion. Die Zentralbibliothek hat seither diesem Schwerpunkt Rechnung getragen, indem sie in ihrem eigenen Bestand fokussiert Literatur und Kartenwerke zu diesem Himalaja-Staat erwirbt. 

Die Bücher der Nepal-Bibliothek sind öffentlich zugänglich und können bis auf wenige Ausnahmen nach Hause ausgeliehen werden. 

Für Fragen steht Ihnen gerne der Leiter der Abteilung Karten und Panoramen und Fachreferent für Geographie Jost Schmid zur Verfügung.

Bild: Regimentsgeschichte der Gurkhas um 1930, ein sehr seltenes Werk

 

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Um Ihre Ansichtspostkartensammlung zu bereichern ...

Die Bestände der Graphischen Sammlung und des Fotoarchivs umfassen eine Million Objekte! Ein Viertel davon sind Postkarten – Ansichtskarten und Motivkarten. Die katalogisierten Karten zeigen mehrheitlich Ansichten aus dem Kanton Zürich wie den Rheinfall bei bengalischer Beleuchtung, Ortschaften mit Kirche, Schulhaus und Gasthof oder Städte. (Klicken Sie jeweils auf das Bild und dann auf das jpg-Signet, dann wird das Bild gross.) Rauchende Kamine verweisen auf die brummende Wirtschaft. Die Motivkarten sind nach Begriffen abgelegt und zeigen Sujets wie die Propaganda für das Frauenstimmrecht, das Sechseläuten, Sängerfeste, die Seegfrörni 1929 oder den Globi

1902 wurden in der Schweiz 22 Millionen Karten per Post verschickt. Attraktiv waren die farbigen Lithografien, die in Form von grossen Andruckbogen produziert wurden. Für uns ungewohnt ist, dass bis etwa 1905 die eine Seite der Karte nur Platz für die Adresse liess. Schreiben durfte man ausschliesslich auf ausgesparten kleinen Feldern auf der Bildseite. Postkarten schreiben war damals das Twittern von heute. Heute bewirken SMS, MMS und die sozialen Medien, dass die Postkarten langsam aussterben. Stöbern Sie in unseren alten Postkarten, viele davon sind hundert Jahre alt wie die Zentralbibliothek Zürich

Für Fragen steht Ihnen gerne der Leiter der Graphischen Sammlung und des Fotoarchivs Jochen Hesse zur Verfügung. 

Bild: Gruss aus Rümlang, um 1900

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«Nächstes Jahr in Jerusalem!» – Pessach-Haggada

Pessach, das jüdische Fest zur Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, wird dieses Jahr vom 11. bis 18. April gefeiert. Die Nacherzählung dieses im Buch Exodus geschilderten Geschehens findet sich in der Haggada schel Pessach, einer Sammlung biblischer, rabbinischer und volkstümlicher Texte, Lieder aus verschiedenen Epochen und ritueller Vorschriften für die häusliche Feier am Sederabend.

Die Haggada ist eine kunstgeschichtliche Quelle ersten Ranges – sowohl die sephardischen als auch aschkenasischen mittelalterlichen Handschriften sind reich bebildert: Beispielhaft seien hier die aus dem 14. Jahrhundert stammende, in Spanien angefertigte Sarajevo-Haggada und die in Deutschland gestaltete Vogelkopf-Haggada genannt, beide in der Zentralbibliothek Zürich als Faksimile einsehbar. Nach dem Beginn des hebräischen Buchdrucks entstanden unter anderem mit Holzschnitten oder mit Kupferstichen illustrierte Haggadot wie die Prager Haggada (1526) und die Amsterdamer Haggada (1695). Unter dem Eindruck von Zionismus, Holocaust und der Staatsgründung Israels wurde nach neuer Ikonographie und neuen Inhalten gesucht. Beispiele hierzu sind die Haggada des amerikanischen Künstlers Saul Raskin (1941), A survivors‘ Haggadah von Yosef Dov Sheinson (1946), die «Haggada» für die Feier des israelischen Unabhängigkeitstages (1979) und die Zürcher Haggada von Susi Guggenheim-Weil (2000). Die Graphikerin und Bildhauerin gestaltete jüdische Kult- und Gebrauchsgegenstände, wobei die hebräischen Schriftzeichen in prägnanter und dekorativer Weise präsent sind.

Bildlegende: Zürcher Haggada, Zürich 1950/1951; mit Tusche, Tempera und Blattgold auf Pergament geschrieben und illustriert von Susi Guggenheim-Weil. Rechte Seite: Segenssprüche über Wein; Händewaschen und Karpas (Erdfrucht); linke Seite: Fronarbeit in Ägypten. ZB-Signatur: AWF 229.

 

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Revolutionsflugschriften

Die Zentralbibliothek Zürich besitzt namhafte Sammlungen an Flugschriften zu Reformation und Bauernkrieg sowie eine der weltweit umfangreichsten Kollektionen zum Dreissigjährigen Krieg und zur Französischen Revolution. Diese Bestände wurden bereits in verschiedenen Fachpublikationen beschrieben. Weniger bekannt sind die ebenfalls nennenswerten Sammlungen an Flugschriften zu den sozialen Revolutionen des 19. Jahrhunderts bis hin zu Lenins Februarrevolution von 1917. Im ZB-Archiv hat sich sein Zürcher Bibliotheksausweis erhalten, der am 19. Februar 1916 ausgestellt worden war. Die entsprechenden Revolutionsschriften werden vor allem unter den Signaturen «Revol» und «SGA» aufbewahrt. Der erstgenannte Bestand wurde 1932 dem Frankfurter Grafiker Hanns L. Katz abgekauft, letzterer umfasst die Bücher der Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung, die im Jahr 2001 als Geschenk an die ZB fiel.

Für Fragen steht Ihnen gerne Urs Leu, Leiter der Abteilung Alte Drucke und Rara, zur Verfügung.

Bild: Lenins ZB-Ausweis (ZB-Archiv, Signatur: Arch Z 407)

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Die ZB klingt – Zürich klingt!

Beim Hören der Neujahrs-CD, am Festkonzert in der Tonhalle und bei den weiteren Musikanlässen: Musik aus der Zentralbibliothek Zürich erklingt an diversen Orten, und dies nicht erst im Jubiläumsjahr. Doch wo besuchten die Zürcherinnen und Zürcher vor Zeiten der ZB eigentlich Konzerte und Opernvorstellungen?

Mit dem Musiksaal beim Fraumünster erhielt die Stadt 1717 ihren ersten eigens zu diesem Zweck erbauten Konzertsaal. Der Zürcher Hobbyfotograf Robert Breitinger-Wyder (1841–1913) fing die letzten Eindrücke vor dessen Abbruch 1898 ein. Das 1806 am Hirschengraben eröffnete Casino war da bereits von der Alten Tonhalle abgelöst worden, die bis zur Eröffnung der heutigen Tonhalle 1895 auf dem Sechseläutenplatz stand. Eindrucksvolle Fotos machte Breitinger auch von der Brandruine des Aktientheaters und dem Neubau des heutigen Opernhauses (beide 1890f.). Dank des Projekts DigiTUR sind zahlreiche Bilder von Zürcher Musikbauten online zugänglich. Originale Breitingers zeigt die Ausstellung «Typisch Zürich».

Zum Klingen bringen lassen sich auch die vielfältigen Notenbestände der Musikabteilung der ZB, darunter Vor- und Nachlässe von Musikschaffenden und Notenbibliotheken von Zürcher Musikinstitutionen.

Bild: Stadttheater (heute Opernhaus) von Nordosten, Fotografie von Robert Breitinger, 4. Oktober 1891

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600. Geburtstag von Niklaus von Flüe (1417–1487)

2017 ist auch das Jubiläumsjahr des Schweizer Landespatrons: Wir feiern «600 Jahre Niklaus von Flüe». Bruder Klaus, wie er im Volksmund heisst, war ein aussergewöhnlicher Mensch. Immer noch fasziniert der Mystiker und ökumenische Friedensheilige aufgrund seines Lebensweges, auf dem ihn bis zuletzt auch seine Ehefrau Dorothee begleitete. Zudem sei Bruder Klaus für viele Menschen noch heute ein persönliches Vorbild, heisst es im offiziellen Gedenkbuch Mystiker, Mittler, Mensch

Der bekannte Schweizer Komponist Carl Rütti (*1949) hat sich auch von Bruder Klaus inspirieren lassen: 2013 schrieb er die Symphonie Die Visionen des Niklaus von Flüe.

C. Rütti, dessen Vorlass sich in der Musikabteilung der Zentralbibliothek Zürich befindet, ist übrigens der Schöpfer der «ZB-Jubiläumskomposition». Am 24.09.2017 dürfen wir uns auf ein weiteres Auftragswerk Rüttis freuen: Seine Bruder-Klaus-Messe wird in der Jesuitenkirche Luzern zur Uraufführung gelangen.

Bildlegende: Scheibenriss mit Bruder Klaus (ZB, Graphische Sammlung und Fotoarchiv, Signatur: Roe 4.3.7 Blatt 46)

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«Ha! Qual Paradiso: Sehet doch! Welch ein Paradies ist das.»

Die Graphische Sammlung der Zentralbibliothek Zürich bewahrt eine einzigartige Sammlung topografischer Ansichten, die in ihrem Facettenreichtum das vielfältige kulturelle Erbe von Stadt und Kanton Zürich widerspiegelt. Anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Zentralbibliothek Zürich erscheint eine Publikation mit qualitätsvollen, ganzseitigen Abbildungen. Verfasser der Einführung und der Kommentare ist Bruno Weber, langjähriger ehemaliger Leiter der Graphischen Sammlung und ausgewiesener Spezialist auf diesem Gebiet.

Hundert Zürcher Ansichten aus vier Jahrhunderten bilden eine repräsentative Auswahl, die bedeutende Zeichnungen, Aquarelle und druckgrafische Blätter vereint. In sieben Kapiteln, die dem Stadtgebiet, dem Zürichsee, der beherrschenden Lage der Kyburg, der Schaulust, der Repräsentation, dem Naturwunder Rheinfall und weiteren Fluren gewidmet sind, präsentiert die Publikation historisch Wissenswertes zu Künstlern, Auftraggebern und Besitzern, stellt die Ansichten vor und spannt einen weitgefächerten Bogen zwischen Kartografie und Landschaftskunst. Das Kaleidoskop der zusammengetragenen Ansichten bietet Ausblicke in vertraute Landschaften, die – verändert durch die Zeit – gleichzeitig einen Blick in die eigene Vergangenheit eröffnen.

Für Fragen steht Ihnen gerne der Leiter der Graphischen Sammlung und des Fotoarchivs Jochen Hesse zur Verfügung. 

Bildlegende: Aussicht vom Albis gegen Zürich, 1807

 

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Lateinamerika lesen

Sommerzeit ist Lesezeit – ob am Strand oder zuhause auf dem Sofa, die erfrischende Lektüre zum kühlen Getränk ist eine ideale Kombination an heissen Tagen. Wer gerne lesend virtuell in ferne Länder reist, dem bietet sich eine grosse Auswahl an lateinamerikanischen Romanen, auch in deutscher Übersetzung – wie zum Beispiel Gabriel García Márquez' Klassiker «Hundert Jahre Einsamkeit», der kürzlich neu übersetzt wurde.

Die Zentralbibliothek Zürich erwirbt Belletristik in Originalsprache und/oder in deutscher Übersetzung, abhängig von den für jedes Fach festgelegten Erwerbungsrichtlinien. Im Fall der lateinamerikanischen Literatur wird nur eine Auswahl von Übersetzungen angeschafft, in Zürcher Verlagen publizierte Übersetzungen jedoch vollständig, im Rahmen des Turicensia-Sammelauftrages. Die Bandbreite reicht von Anthologien der 1940/50er-Jahre über die Erfolgsautoren des Magischen Realismus, der literarischen Verarbeitung von Militärdiktaturen bis hin zu zeitgenössischen Kriminalromanen.

Anregungen für Ihre Sommerlektüre finden Sie in unserer Neuerwerbungsliste, unterteilt nach Sprachen, jeweils in der Zeile «Literatur (Ausgaben)».

Bildlegende: Mittelamerika und nördlicher Teil von Südamerika, Kartenausschnitt aus: Agnese, Battista: [Portolanatlas]. [1552]–[1564]. Zentralbibliothek Zürich, Ms C 48

 

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Die Zentralbibliothek – auch ein Literaturarchiv

In der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich werden nicht nur ehrwürdige Pergamenthandschriften aus dem Mittelalter aufbewahrt, sondern auch eine ganze Reihe von Privatarchiven sowie fast 1‘000 Nachlässe von Einzelpersonen. Darunter finden sich bemerkenswert viele Schriftstellernachlässe, Verlagsarchive und zugehörige Korrespondenzen, die zusammengenommen ein veritables Literaturarchiv ergeben, auch wenn die ZB – anders als z.B. das Schweizerische Literaturarchiv (SLA) Bern – sich nicht explizit so nennt.

Gemäss Sammelauftrag hütet die ZB nämlich vorwiegend Zürcher Literaturerzeugnisse im weitesten Sinne. Hierzu zählen die Nachlässe der bedeutendsten Vertreter der Deutschschweizer Literatur, Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer, ebenso wie die der weithin bekannten Aufklärer Bodmer und Breitinger, Lavater oder Gessner. Aber auch unter den Jüngeren haben Stadt und Landschaft Zürich viele talentierte und zu ihrer Zeit sehr bekannte Dichter hervorgebracht: Heinrich Leuthold, Jakob Bosshard, Albin Zollinger, Kurt Guggenheim oder Serge Ehrensperger, um nur einige zu nennen. Arnold Kübler, der als Schriftsteller ebenso brillierte wie als Schauspieler, Kabarettist und Zeichner, darf hier gleichfalls nicht vergessen werden, genauso wenig wie Rudolf Jakob Humm, der in seinem «Rabenhaus» am Limmatquai vielen exilierten Dichterkollegen eine geistige und manchen dazu eine ganz konkrete Heimat bot.

Der exzentrische Adrien Turel wurde eigentlich – wie Humm – als Kind Schweizer Eltern im Ausland geboren, wählte dann aber Zürich als dauerhaften Wohnsitz. Der spätere Literaturnobelpreisträger Elias Canetti hat schon seine Schuljahre an der Zürcher Kantonsschule verbracht; als weltbekannter Dichter kehrte er an die Limmat zurück. Die ZB besitzt neben dem handschriftlichen Nachlass auch seine Londoner wie auch die Zürcher Privatbibliothek.

Neben der Zürcher Mundartliteratur, die durch Johann Martin Usteri oder Rudolf Hägni prominent vertreten ist, finden sich in der ZB auch bekannte Dichter aus anderen Mundartregionen, so etwa der Einsiedler Meinrad Lienert oder der Willisauer Hans Roelli.

Von den vielen ausländischen Autoren, die – freiwillig oder gezwungenermassen – nur einige Jahre in Zürich waren, ist zumeist kein vollständiger Nachlass in der ZB vorhanden: Dennoch finden sich Briefe und mitunter auch Manuskripte von so bekannten Personen wie Georg Büchner, Stefan Zweig, Thomas Mann oder Else Lasker-Schüler. An nicht-deutschsprachigen Autoren wären hier James Joyce oder Ignazio Silone zu nennen.

Die reichhaltigen Nachlässe einiger einflussreicher Literaturwissenschaftler wie Robert Faesi und Emil Staiger beleuchten den Literaturbetrieb von einer anderen Seite. Letzteres gilt auch für den Briefnachlass des umtriebigen Mäzens und Kritikers Carl Seelig, der vielen noch als Freund und Vormund Robert Walsers bekannt ist. Die Korrespondenzen aus diesen Nachlässen weisen weit über Zürich hinaus, da sie einen Einblick in die europa- oder gar weltweiten Netzwerke ihrer Urheber ermöglichen.

Zur Sphäre der Literatur gehören naturgemäss auch die Verlage: Der ambitionierte Rascher-Verlag, Emil Oprecht und sein Europa-Verlag, Atlantis und Artemis, Kindler und andere mehr. Seit kurzer Zeit ergänzt das Archiv der NZZ den Bestand in substanzieller Weise.

Im Nachlassportal der Zentralbibliothek finden sich die detaillierten Bestandsverzeichnisse und Nachweise zu den genannten Beispielen. Einzelbriefe sind im Online-Katalog der Zentralbibliothek nachgewiesen (Zugang über das Rechercheportal, Reiter «Handschriften»). Ältere Bestände sind auch in den gedruckten Handschriftenkatalogen von Gagliardi/Forrer («Neuere Handschriften seit 1500») sowie von Bodmer («Familienarchive») zu finden. Zahlreiche Dokumente können überdies als Digitalisat auf der Präsentations-Plattform e-manuscripta eingesehen werden.

Bild: ZBZ, Ms. GK 8b: Ausschnitt aus Gottfried Kellers sog. «Berliner Schreibunterlage» (ca. 1855).

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Am Meer und anderswo ...

100 Jahre ZB – 100 Jahre Finnland: Wir laden Sie zur Mitternachtssonne ein. In der Bibliotheca Fennica der Zentralbibliothek Zürich finden Sie Belletristik für eine literarische Reise in finnischer Sprache oder in deutscher Übersetzung und ausgewählte Titel zu Finnland. Aber das ist nicht alles, weit ist der Horizont im Norden! Unser literarischer Bestand erstreckt sich über ganz Skandinavien mit Neuheiten aus Schweden, Dänemark, Norwegen oder Island in Originalsprache und in deutscher Übersetzung. Schönen Sommer – mukavaa kesää – skön sommar! 

Am Meer und anderswo
Diese unerklärliche Stille.
Nur leicht atmen die Bäume,
Alles frischDer Geschmack von Wasser.

Der Stand der Sonne,
Das Lächeln der Mittsommernacht:
Zu viel Glück auf einmal!
Reisen mit leichtem Gepäck.

Mag der Sturm kommen,
Die Zeit ist ein Schiff, das nie vor Anker geht.
Wozu macht man das alles?
Die Birken wissen’s noch.

Wind über den Klippen,
Der Mond flieht.
Von Inseln weiss ich:
WahrWie anders du bist.

 

Bild: «Schwedisches Häuschen: Auf der Rückfahrt Göteborg-Duvnäs», 30. Juli 1955, aus dem Album von Renée Schwarzenbach-Wille, Nachlass der Familie Schwarzenbach-Wille, Graphische Sammlung, ZB Zürich

Schwedisches Häuschen
Signaturgruppe RK – Erotika und Raritätenkasten

Der frühere Raritätenkasten, daher das Signaturenkürzel RK, der Zentralbibliothek umfasst eine aus heutiger Sicht eher amüsante Mischung aus Eheratgebern, Literatur mit amourös anmutenden Titeln, expliziter Sexualliteratur aber auch rein wissenschaftlichen Arbeiten zu Erziehung und Ehe.

Dieser Bestand umfasst ca. 1400 Titel aus dem 18. bis ins frühe 20. Jahrhundert, einige wenige Titel wurden jedoch noch bis 1966 hinzugefügt. Einsehen konnte man diese Bücher nur mit Erlaubnis des Bibliothekars. Ein prominentes Beispiel aus dem Bestand sind die Memoiren Giacomo Casanovas, dem Abenteurer und Schriftsteller aus Venedig, welcher neben seinen Reisen in die Metropolen Europas auch die Gesellschaft und ihre Individuen sehr detailliert beschreibt und etwaige weibliche Bekanntschaften nicht verschweigt, sondern sogar offenkundig benennt.

Heute sind diese Titel alle einsehbar, allfällige Neuzugänge werden in anderen Signaturen untergebracht.

Für Fragen steht Ihnen gerne die Abteilung Alte Drucke und Rara zur Verfügung. 

 

Bildlegende: Porträt Casanova De Seingalt (RK 326), Titelblatt Standortkatalog St 212

Casanova De Seingalt
Das Donatorenbuch der Stadtbibliothek Zürich

Das Donatorenbuch der 1629 gegründeten Stadtbibliothek Zürich ist eine illustrierte Handschrift, die mehr als 900 einheimische und ausländische Spender und über 3000 Geschenke verzeichnet. Die Einträge, meistens mit einem Hinweis auf den Stand des Donators und oft auch mit dem Familienwappen, reichen bis ins Jahr 1772. Dank der regen Spendentätigkeit erlebte die Stadtbibliothek Zürich ein schnelles Wachstum und zählte zu Beginn des 18. Jahrhunderts 8448 Bände. Geschenkt wurden hauptsächlich Bücher, aber auch Geldbeträge, seltene Münzen, Naturalien und Kunstobjekte. Weil das Schenken zu den selbstverständlichen Pflichten der wohlhabenden Familien gehörte, kann das Donatorenbuch als ein Who is Who des damaligen Zürichs gelesen werden. Die eindrückliche Handschrift ist auf der Plattform e-manuscripta.ch als Digitalisat zugänglich und soll 2018 um eine elektronische Edition ergänzt werden.

Bild: Titelseite des Donatorenbuchs der Stadtbibliothek Zürich, bestehend aus Titel und gemalter Einfassung mit dem Zürcher Doppelwappen und Reichsschild, den Tugenden «Klugheit» und «Tapferkeit» und dem Bibliothekswappen. Zürich ZB, Arch St 22. 

 

Donatorenbuch
Feiern Sie mit uns!

Feste sind im Leben unerlässlich wichtig. Sie haben die Kraft, Menschen zu einer Gemeinschaft zu formen. Dadurch können Werte, Tradition, Stolz, Innehalten, Zurückblicken und noch vieles mehr zum Ausdruck gebracht werden. 

Es lohnt sich nachzulesen, wie und welche Anlässe Menschen weltweit und in der Schweiz feiern. Die Palette ist sehr breit, und unsere Bibliothek bietet dazu spannende Publikationen. In den Regalen der Zentralbibliothek Zürich findet sich eine breite Auswahl an Lektüren über religiöse Feste, alte traditionelle Feierlichkeiten wie das Schwingfest oder weitgehend neumodische Feste wie der Valentinstag und Halloween. Darüber hinaus können Sie sowohl zu grossen Nationalfeiertagen als auch zu lokalen Feierlichkeiten wie z.B. Stadtfesten den passenden Lesestoff finden. 

Erwähnenswert sind auch institutionelle Feste. Im Jahr 2017 feiert die ZB-Familie ihr 100-jähriges Bestehen. In diesem Jubiläumsjahr erinnern wir uns an unsere Bibliothek und bieten den Interessierten stets anspruchsvolle und spannende Programme, unter anderem unser ZB-Fest am 2. September 2017.

Kommen Sie vorbei und feiern Sie mit uns! 

Bild: Alpenfest der Schweizer-Hirten, [Bern], [1826]

 

Alpenfest
Die kopflosen Zürcher Stadtheiligen

Der 11. September ist nicht nur der Tag der schrecklichen Terroranschläge in New York 2001, sondern an diesem Tag gedenken die Zürcherinnen und Zürcher ihrer Stadtpatrone Felix und Regula – oder besuchen zumindest das Volksfest Knabenschiessen, das auf den Gedenktag an Felix und Regula zurückgeht.

Von der Heiligenlegende um Felix und Regula kennen viele mindestens ein Detail: Nach ihrem Todesurteil durch den römischen Statthalter wurden sie an der Stelle der heutigen Wasserkirche enthauptet. Danach hätten sie sich jedoch erhoben, ihre Häupter genommen und seien noch bis zu ihrer gewünschten Grabstätte, dem heutigen Grossmünster, gegangen.

So, als kopflose Heilige, werden die beiden häufig dargestellt, unter anderem auf dem Zürcher Stadtsiegel. Darauf ist noch ein dritter, später hinzugekommener Stadtheiliger abgebildet, Exuperantius, der in Zürich als «Häxebränz» und international am ehesten durch den Namen des Autors des «Kleinen Prinzen» bekannt ist.

In der Zentralbibliothek befinden sich selbstverständlich zahlreiche ältere und neuere Text- und Bilddokumente zu den Stadtheiligen. Durch die Suche nach «Felix und Regula» im Rechercheportal können Sie in unseren Beständen stöbern, die sowohl Bildwerke wie auch Sekundärliteratur umfassen. Einige Objekte können Sie in unseren Lesesälen konsultieren, von anderen stehen Ihnen auch hochwertige Digitalisate zur Verfügung, sodass sie sich bequem von zu Hause aus studieren lassen.

So ist zum Beispiel das französische Stundenbuch (Signatur Ms C 168), aus dem auch die hier gezeigte Abbildung stammt, online verfügbar. In dem Buch des späten 15. Jahrhunderts ist jener Moment der Legende gezeigt, an dem den drei Märtyrern das Himmelreich verheissen wird. In der Illustration wird im oberen Bildrand auf den Anfang aus Matthäus 25,34 verwiesen: «Venite, benedicti patris (…)». Hier wird klar, dass sich die Qual für Felix, Regula und Exuperantius gelohnt hat. Den Märtyrern wird verkündet: «Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, empfangt als Erbe das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an.» Dieses Stundenbuch wurde in Frankreich für einen Luzerner Besitzer hergestellt und kam später nach Zürich. Die Abbildung mit den drei Heiligen wurde zu diesem Anlass ergänzt – ein Beispiel für sparsame Zürcher Wiederverwertung!

Bestimmte alte Handschriften aus dem Bestand der Zentralbibliothek können Sie nicht über das Rechercheportal finden. So zum Beispiel auch das von Martin von Bartenstein verfasste Legendenbüchlein zu den Zürcher Stadtheiligen aus dem 16. Jahrhundert. Um genauere Angaben zu dieser Handschrift mit der Signatur Ms A 118 zu bekommen, können Sie den von Leo Cunibert Mohlberg verfassten Katalog der mittelalterlichen Handschriften konsultieren. Sie können ihn als durchsuchbare pdf-Datei auf der ZB-Homepage aufrufen. Diese Handschrift wird gegenwärtig im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Universität Erlangen untersucht. Sie ist als Geschenk auch im Donatorenbuch der Stadtbibliothek verzeichnet (vgl. dazu den Schaufensterbeitrag «Das Donatorenbuch der Stadtbibliothek Zürich»). Bei einer Spezialführung aus unserer Reihe «Manuskript am Mittag» haben Sie im November die Gelegenheit, dieses aussergewöhnliche Verzeichnis der bis 1769 getätigten Buchgeschenke an die Stadtbibliothek Zürich kennenzulernen.

In der Reformationszeit ging die Anteilnahme und Verehrung für Felix und Regula zurück. Ihre Reliquien wurden von Zürich nach Andermatt gebracht. Viele Zeugnisse der Verehrung von Felix und Regula in Zürich gingen verloren.

Dafür schreiben die Heiligen sich heutzutage auf vielfältigere Weisen in das Stadtleben ein. Seit einigen Jahren feiern auch die verschiedenen orthodoxen Kirchen, die in Zürich präsent sind, den 11. September besonders, denn Felix und Regula stammen der Tradition nach aus Ägypten. Sie waren also, wie viele Mitglieder der orthodoxen Kirchen Zürichs, Immigranten. An ihrem Gedenktag werden die Heiligen durch eine Prozession und eine feierliche Vesper im Grossmünster gefeiert.

Das Gedenken an die Zürcher Stadtheiligen lebt somit heute auf verschiedene Arten weiter. Vielleicht haben Sie Lust, das nächste Mal in einem der nach Felix und Regula benannten Boote der Limmat-Schifffahrt zu uns zu kommen? Die Haltestelle Limmatquai liegt nur wenige Meter von der Zentralbibliothek entfernt. So könnten Sie herrlich direkt erfahren, wie sich unsere Bestände mit dem aktuellen Stadtleben verbinden.

 

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Vogelzug

Wie jedes Jahr begeben sich im Herbst zahlreiche Vogelarten auf ihren weiten Weg nach Afrika. Die Zentralbibliothek Zürich besitzt zum Thema einen Sammelschwerpunkt. Den Kern bildet die Bibliothek der Ornithologischen Gesellschaft Zürich (OGZ). Diese wird als Depositum in der Zentralbibliothek aufbewahrt (Signatur OGZ). Der Bestand ist mittlerweile auf über 3'000 Titel angewachsen. Die OGZ-Bibliothek beinhaltet hauptsächlich Bestimmungsbücher, Reiseführer, Bildbände und Monographien z.B. zum Vogelzug. Die Zentralbibliothek trägt diesem Schwerpunkt Rechnung, indem sie in ihrem eigenen Bestand ergänzende ornithologische Fachliteratur erwirbt.

Die Bücher der OGZ-Bibliothek sind öffentlich zugänglich und können bis auf wenige Ausnahmen nach Hause ausgeliehen werden. 

Für Fragen steht Ihnen gerne der Fachreferent für Biologie und Medizin Beat Wartmann zur Verfügung. 

Dank Beringung und Wiederfund sind die Zugwege vieler europäischer Vogelarten gut erforscht. Signatur: OGZ 1294

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Vogelschaukarten

Die Geschichte des alpinen Fremdenverkehrs wird durch den reichhaltigen Bestand an touristischen Vogelschaukarten bezeugt. Bei diesen Dokumenten liegt die Priorität in der Hervorhebung der Schönheit und der Charakteristika der Landschaft - wobei gleichzeitig eine intuitive Orientierung ohne Expertenwissen ermöglicht werden soll. Über 1000 gedruckte Karten aus der Vogelschau sind im Bestand der Zentralbibliothek Zürich zu finden. Diesen Karten, die mehrheitlich auf touristischen Prospekten abgebildet sind, liegen eigentliche Kunstwerke zugrunde. Über hundert solche Original-Vogelschaugemälde von verschiedenen namhaften Panoramenkünstlern wie Winfried Kettler, Josef Ruep und Heinrich Berann bereichern die Kartensammlung.
Für Fragen steht Ihnen gerne der Leiter der Abteilung Karten und Panoramen und Fachreferent für Geographie Jost Schmid zur Verfügung.

 

Bildlegende: Gesamtansicht der Zentral- und Ostalpen von Süden in der Vogelschaukarte von Josef Ruep aus den 1920er-Jahren (Signatur MK 802).

Vogelschaukarten
Alte Zeitungen und Zeitschriften – vom Flugblatt zum Lifestyle-Magazin

Die Erfindung des Buchdrucks um das Jahr 1450 ermöglichte in Europa erstmals eine weiträumige Verbreitung von Texten. Anfänglich wurden besonders Flugschriften und Flugblätter mit religiösem und/oder politischem Inhalt gedruckt. Einen ersten Höhepunkt ihrer Verbreitung fand in der Zeit der Reformation statt – deren Anfangsjahr sich heuer zum 500. Mal jährt. Im Verlauf des 16. Jahrhunderts entstanden die «Neuen Zeitungen» (neue Nachrichten). Sie berichteten unregelmässig von aktuellen Ereignissen. Im 17. und 18. Jahrhundert nahm die Publikation von regelmässig erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften deutlich zu, viele davon waren allerdings nur von kurzem Bestehen. 

Die älteste heute noch erscheinende Zeitung der Schweiz ist die NZZ, die 1780 gegründet wurde. Auch der «Nebelspalter» ist eine Zürcher Publikation. Er existiert seit 1875 und ist die älteste satirische Zeitschrift der Welt. Unter dem Namen «Schweizer Illustrierte Zeitung» erblickte 1911 ein heute noch beliebtes Druckerzeugnis das Licht der Welt. Ab 1965 fiel das Wort «Zeitung» weg und die «Schweizer Illustrierte» entwickelte sich allmählich zum Lifestyle- und People-Magazin. 

Neben diesen Perlen verwaltet die Zentralbibliothek Zürich einen beachtlichen Bestand an alten Zeitungen und Zeitschriften. Forschende diverser Fachrichtungen finden darin Antworten auf Fragen aller Art. 

Für Fragen steht Ihnen gerne die Abteilung Alte Drucke und Rara zur Verfügung. 

Bild: Unfälle und Verbrechen sowie Maggi-Werbung, in: Schweizer Illustrierte Zeitung, 47. Jg., Nr. 3, 1958, S. 44-45 (XXN 2: ca)

Matt
Daguerreotypien: Die ältesten Fotos im Bestand der ZB

Der Bestand des Fotoarchivs der Zentralbibliothek Zürich deckt einen Zeitraum von mehr als 150 Jahren ab und fasst rund 470‘000 Fotografien. Darunter finden sich auch seltene Exemplare aus der Frühzeit der Fotografie. 

Zu den Schätzen des Fotoarchivs gehören einige Daguerreotypien aus den 1840er und 1850er Jahren. Beim damals neuartigen Verfahren wurden die Bilder auf eine glattpolierte versilberte Kupferplatte aufgenommen. Jede Aufnahme war ein Unikat, und wurde zum besseren Schutz des empfindlichen Bildträgers meist schmuckvoll unter Glas gerahmt oder in einer kleinen Schatulle aufbewahrt. Zum wichtigsten Anwendungsbereich des neuen Mediums avancierte – kaum überraschend – die Portraitaufnahme. Im Bestand der ZB befinden sich Daguerreotypien von Angehörigen bekannter Zürcher Familien, darunter sieben Exemplare aus dem Nachlass von Camilla Meyer, der Tochter des Zürcher Schriftstellers Conrad Ferdinand Meyer. Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet waren Landschafts- und Stadtansichten. Aussergewöhnlich ist eine Daguerreotypie, die aus dem Bestand der Stadtbibliothek in die Zentralbibliothek gelangt war und den Limmatquai um das Jahr 1845 zeigt – anders als sonst bei Daguerreotypien üblich jedoch nicht seitenverkehrt. Es handelt sich dabei um eine der frühesten bekannten fotografischen Aufnahmen der Stadt Zürich überhaupt!

 

Bild: Limmatquai, Haus zur Kerze und Käshütte, um 1840/45. Zentralbibliothek Zürich, AWP 500: 19.

Daguerreotypien
Musikalische Filmwelten

Vom gemeinen Schlager bis zur sinfonischen Grossform deckt die Filmmusik sämtliche Musikgattungen ab. Sie bedient also sozusagen jede musikalische Geschmacksrichtung. Auch unabhängig vom Bild, mit dem sie je nachdem ursprünglich eng verwoben ist, kann sie den Musikhörer in den Bann ihres verdienten Eigenlebens ziehen.

Das klassische Schweizer Filmmusikschaffen ist wesentlich von zwei Komponisten, deren Nachlässe in der Musikabteilung der Zentralbibliothek Zürich liegen, geprägt: Robert Blum und Walter Baumgartner.

Robert Blum, der sich als Komponist konzertanter Musik eher nebenbei filmmusikalisch betätigte, zeichnete vor allem für die Musik zu den Filmen von Franz Schnyder und Leopold Lindtberg verantwortlich. In seinem Nachlass finden sich entsprechend die Musiknoten zu Klassikern wie Gilberte de Courgenay, Uli der Knecht, Uli der Pächter, Wachtmeister Studer, Landammann Stauffacher und Die letzte Chance.

Im Gegensatz zu Blum war Baumgartner Swing und Jazz beziehungsweise der leichten Muse, von der auch seine Filmmusiken leben, verpflichtet. Er ist hauptsächlich für seine Zusammenarbeit mit Kurt Früh bekannt. So enthält sein Nachlass mitunter die Noten der Musik zu Filmen wie Oberstadtgass, Bäckerei Zürrer und Hinter den sieben Gleisen.

Fast alle erwähnten Titel sind in der ZB im Rahmen der Reihe „Schweizer Filmklassiker“ auch auf DVD ausleihbar.

Die Musikabteilung sorgt in einer Auswahl vorwiegend sinfonischer Filmmusik für aufregende Hörerlebnisse. Als Einstieg in die Welt der Filmmusik ganz besonders geeignet ist die „Classic film scores“-Reihe des Dirigenten Charles Gerhardt, der mit atemberaubenden, teils hochdramatischen, beispielhaft aufgenommenen und dirigierten sowie karajanesk inszenierten Klanggemälden höllisch einheizt!

Im Bereich des Notenmaterials sind es überwiegend Filmmusik-Schlager, die es jeweils in den Musikalienhandel schaffen. Eine entsprechende Auswahl findet sich im Notenbestand der Musikabteilung. Und nicht zuletzt ist die Filmmusik auch Gegenstand der Sekundärliteratur, die hier zur Lektüre einlädt.

 

 

Bild: Ein Schlüsselwerk des Schweizer Filmmusikschaffens:

Jack Trommers Musik zur Gottfried-Keller-Verfilmung Romeo und Julia auf dem Dorfe (1941) auf Schallplatte.

Signatur: Ton A 3159

Musikalische Filmwelten
Zürcher Feste und Brauchtum entdecken

Einige Feste und Bräuche überstehen hartnäckig die Jahrhunderte und sind von historischen Veränderungen kaum betroffen. In vielen Zürcher Gemeinden wird zum Beispiel noch heute Fasnacht gefeiert, obwohl das Fest durch die Reformation als zu „katholisch“ an den Pranger gestellt wurde. Selbst die Wurzeln des heutigen Zürcher Sechseläutens reichen teilweise zu früheren fastnächtlichen Bräuchen zurück verschmolzen mit Elementen älterer Frühlingsriten: Nach dem verkleideten Umzug der Zünfte wird mit der Verbrennung des Bööggs der Winter aus der Stadt vertrieben und dadurch der ankommende Frühling begrüsst.

Als „allzu“ kirchlich empfundene Bräuche wurden auch in weltliche umgewandelt, wie die im ganzen Kanton über das Jahr stattfindenden Chilbis, die ihren Ursprung in der Kirchweih haben, also die jährlichen Erinnerungsfeste an den Tag der Kirchenweihung, welche schon im Mittelalter Anlass für den Jahrmarkt und den Rummelplatz waren. Zu den berühmtesten Zürcher Chilbis gehören sicherlich das Knabenschiessen, das seinen Ursprung in einer Feier der Zürcher Stadtpatrone Felix und Regula hat, und die Richterswiler Räbechilbi mit ihrem spektakulären Räbelichtliumzug.

Und während zum einen gewisse Bräuche sich innert kurzer Zeit neu etablieren können wie z.B. die Street Parade, überlebten demgegenüber andere nicht bis in unsere Zeit und gerieten gar in Vergessenheit, sofern sie nicht in Dokumenten überliefert oder dank sonstigen Zeugnissen bewahrt wurden. In manchen Fällen können vergessene Bräuche aber durch glückliche Funde wieder ans Licht gebracht werden. Beispiel eines solchen Fundes ist das Gutjahrbuch der Horgner Familie Stünzi aus dem 19. Jahrhundert, das durch reinen Zufall bei der Räumung eines Hauses in Horgen entdeckt wurde. Beim Gutjahrbuch, dessen Wurzeln in Zürich bis ins 14. und 15. Jahrhundert zurückreichen, handelt es sich um die Aufzeichnung der Gutjahre, d.h. jährliche Geschenke, welche die Paten an ihre Patenkinder in Form von Geldstücken, Schmuck, häufig aber auch in Form von Festgebäck und Grundnahrungsmitteln wie Brot und Fleisch machten, um zum Wohl des Täuflings beizutragen. Der Zürcher Historikers Albert Hauser konnte anhand dieses Gutjahrbuches die wichtige soziale Rolle dieses Brauches im 19. Jh. erschliessen, denn dank dieser Tradition konnte in mageren Zeiten das Überleben eines Kindes abgesichert werden. So wurden wohlhabende Leute wie die Stünzis häufig von weniger bemittelten Familien um «Gevatterschaft» angefragt, was jene wiederum als gesellschaftliche Pflicht betrachteten; und so verzeichnet das Gutjahrbuch zwischen 1841 und 1874 bis zu 51 Kinder, die durch ihre Grosszügigkeit unterstützt wurden.

Diese und weitere interessante Literatur zu Zürcher Festen und Bräuchen finden Sie im Bestand der Spezialsammlung Turicensia, die im Rahmen ihres Sammelprofils Informationen verschiedenster Art zur Geschichte, Politik, Wirtschaft und Kultur von Stadt und Kanton Zürich verfügbar macht; eine breite Auswahl daraus ist in der Präsenzbibliothek der Turicensia Lounge vor Ort einsehbar, oder man findet alles selbstverständlich auch in der Zürcher Bibliographie.

 

 

Bildlegende:

Links: Albert Hauser, Einblicke ins Brauchtum und Volksleben am Zürichsee, in: Zürcher Chronik, 63. Jg., Nr. 4, 1995, S. 24-27.

Rechts: Peter Ziegler, Bräuche im Jahreslauf am Zürichsee / Bräuche im Lebenslauf am Zürichsee, Th. Gut Verlag, Zürich, 2011/2014.

Zürcher Brauchtum
Zürcher Neujahrsblätter

Ein schneidender Wind fegt über den See, der in Ufernähe bereits zu vereisen beginnt. Während die letzten, dick vermummten Schiffer mit ihren Waren zum Rand des Gewässers rudern, tummeln sich auf der dünnen Eiskruste bereits zahlreiche Schlittschuhläufer, Spaziergänger und Schlittenfahrer. Einzelne Krähen lassen sich auf den kahlen Ästen eines Baumes nieder, neben dem der Rauch aus dem Kamin eines Gehöfts zum trüben Himmel aufsteigt. Einige Jäger sind damit beschäftigt, erlegtes Wild auszuweiden. Im Hintergrund zeichnen sich die Umrisse einer Stadt mit ihren Mauern und Türmen ab. Der Winter weht Melancholie und Todesahnung übers Land.

Die Kleidung der Personen weist aufs 17. Jahrhundert, der Aufbau, die Staffage und der Stil des Bilds erinnern an die niederländischen Meister, aber wo sind wir? Die Silhouette der Stadt und die Unterschrift verraten es: „Einer Ehrliebenden jungen Burgerschafft zu Zürich ab der Burger-Bibliothek für das 1649. Jahre verehret“. Der holländische Einschlag des Bildes erklärt sich nicht nur aus der tonangebenden niederländischen Malerei der Epoche – der Zeichner, Conrad Meyer aus Zürich (1618–1689), lernte bei Matthäus Merian d.Ä. in Frankfurt am Main die holländische und flämische Kunst kennen und trug diesen Erfahrungsschatz mit in die Limmatstadt.

Zusammen mit Johann Wilhelm Simler, dem Dichter des Strophenlieds, das im unteren Bereich des Blattes als Komposition zu vier Stimmen abgedruckt ist, war Meyer Mitbegründer der Neujahrsblätter der Stadtbibliothek. Das Neujahrsblatt – auch Neujahrsstück genannt – ist ein charakteristisches Produkt der Zürcher Publikationstradition. Neujahrsblätter werden bis heute von verschiedenen Gesellschaften der Stadt herausgegeben und jeweils zur Jahreswende am Berchtoldstag (2. Januar) verteilt. Die ZB sammelt diese Veröffentlichungen systematisch und vollständig. Aufgrund der vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten dieser Publikationsart findet man sie in der Musikabteilung, der Graphischen Sammlung, der Abteilung Alte Drucke und im allgemeinen Bestand.

 

 

Bildlegende:

Neujahrsblatt der Burgerbibliothek Zürich auf das Jahr 1649, Radierung von Conrad Meyer, Gedicht von Johann Wilhelm Simler; ZB, Graphische Sammlung und Fotoarchiv, Signatur: Zürich 1a, Varia I, 18

Zürcher Neujahrsblätter