Panorama

Buchtipps von ZB-Mitarbeitenden

Spill simmer falter wither
Susanna Truniger
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Ein Romandebüt, das die in der Literatur oft beschriebene Freundschaft zwischen Mann und Hund auf eine aussergewöhnliche Art beschreibt.

Susanna Truniger, Fachreferat Englische Philologie und Nordamerikabibliothek

Sara Baume (2015): Spill simmer falter wither

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Eine meiner Aufgaben in der ZB ist es, zu bestimmen, welche Bücher für die Anglistik und die Nordamerikabibliothek angeschafft werden. Dabei erstaunt es mich immer wieder, wie viele belletristische Werke im englischsprachigen Raum jedes Jahr veröffentlicht werden. Umso spannender ist es, die erworbenen Bücher für die inhaltliche Erschliessung durchblättern zu können, wenn sie eingetroffen sind, bevor sie schliesslich im Freihandmagazin ins Gestell kommen. Unzählige Romane (auch Krimis!), Kurzgeschichten, Novellen, Lyrik-Bände, Graphic Novels und vieles mehr gehen so jedes Jahr durch meine Hände, bis sie in den Neuerwerbungslisten auf unserer Webseite erscheinen.

Beim Durchsehen der täglich eintreffenden Bücher bin ich auf den Roman gestossen, welchen ich hier vorstellen möchte. Spill simmer falter wither ist ein Roman, der dem Ich-Erzähler durch die vier Jahreszeiten folgt. Die Geschichte beginnt damit, dass der Erzähler im Tierheim einen traumatisierten und leicht verhaltensgestörten Hund namens One Eye kauft. Dieser reisst ihn aus der Einsamkeit und Lethargie, von der sein Leben bisher bestimmt war. Nur schon die Erzählweise des Romans ist aussergewöhnlich. So richtet der Protagonist seine Erzählung direkt an den Hund, erzählt ihm, was gerade geschieht und lässt so auch die Lesenden an seinem plötzlich nicht mehr ganz so passiven Leben teilhaben. Durch One Eye lernt der Protagonist, die Welt mit anderen Augen zu betrachten und zu erleben, auch wenn er schliesslich daran scheitert, sich in diese Welt einzufügen. Der Britin Sara Baume gelingt es unglaublich gut, den sperrigen Charakter des Protagonisten fassbar zu machen. Sie erzählt so unmittelbar und doch subtil, dass man gleichzeitig betroffen Lesender und bewundernder Kritiker ist.

Neuerwerbungen

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Baudolino
Jost Schmid
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Es gibt wenige dicke Bücher, die ich drei- und mehrfach mit Genuss lese – gerade eben geschieht das mit Baudolino von Umberto Eco.

Jost Schmid, Leiter Abteilung Karten und Panoramen

Umberto Eco: Baudolino

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Es gibt wenige dicke Bücher, die ich drei- und mehrfach mit Genuss lese – gerade eben geschieht das mit Baudolino von Umberto Eco. Der Schelmenroman ist eine (im wahrsten Sinne des Wortes) fabelhafte Geschichte, die uns an die Ränder eines mittelalterlichen Weltbildes führt. Die virtuose Erzählung verknüpft Mythen sowie biblische und geographische Realitäten in einer Weise, wie wir sie auch in den Weltkarten des Mittelalters, den mappae mundi, antreffen. Eco lässt wort- und bildgewaltig Monster und mythologische Wesen am Ende der Welt auftreten, als wären sie direkt der Schedel‘schen Weltchronik entsprungen. Die Situationskomik mit ihrer Ironie und Skurrilität ist erheiternd, und die amourösen Abenteuer des Protagonisten werden so frivol berichtet, dass man rote Ohren bekommt. Baudolino erzählt, wie der Mythos um den Priesterkönig Johannes entstanden sein könnte – durchaus plausibel. Die Suche nach ihm liest sich mit Genuss:

«Und mit dieser Zeichnung sollen wir das Land des Priesters Johannes finden?» fragte Baudolino. «Zosimos, ich warne dich. Unser Pakt heisst, dein Leben für eine gute Karte, aber wenn die Karte schlecht ist, dann steht es auch schlecht für dein Leben.» «Beruhige dich, beruhige dich. Da bei einer Darstellung des Tabernakels, so wie es ist, unsere Kunst nicht alles zu zeigen vermag, was von seinen Wänden und von dem Gebirge verdeckt wird, hat Kosmas noch eine andere Karte gezeichnet, die die Erde so zeigt, wie wir sie von oben sähen, wenn wir am Firmament flögen, oder wie vielleicht die Engel sie sehen. Diese Karte, die im Bukoleon aufbewahrt wird, zeigt die Lage der Länder, die wir kennen, eingerahmt vom Okeanos, und jenseits des Okeanos die Länder, in denen die Menschen vor der Sintflut lebten, die aber seit Noah niemand mehr gesehen hat.»

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Codex Chantilly
Susanna Bliggenstorfer
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Viele Fragen zu dieser Musikhandschrift des 14. Jahrhunderts sind nicht eindeutig geklärt. Sie machen die Lektüre des Begleitbandes so spannend wie ein Krimi.

Susanna Bliggenstorfer, Direktorin

Yolanda Plumley & Anne Stone (Hg.): Codex Chantilly

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Chantilly «vaut le détour», nicht nur für Liebhaber der «crème chantilly». In der Bibliothek des Schlosses liegt die Handschrift einer der bedeutendsten Sammlungen französischer Musik aus dem 14. Jahrhundert. Sie enthält über 100 meist französische Lieder. Der für seine komplexe Notation vor allem bei Musikologen bekannte Kodex wurde vermutlich Anfang des 15. Jahrhunderts geschrieben. 1461 schenkte der florentinische Bankier Francesco di Altobianco degli Alberti die Handschrift der Familie Spinelli. Dann verlieren sich die Spuren. 1861 kaufte Henri d’Orléans, duc d’Aumale, das Buch bei einem Florentiner Bibliophilen. Er vermachte in seinem Testament das Schloss Chantilly, in dem er meist gewohnt hatte, mit seiner ganzen Kunstsammlung dem Institut de France.

Wer hat den Kodex Chantilly Ms. 564 zusammengestellt? Für wen war die Musikhandschrift bestimmt bzw. wer hat sie in Auftrag gegeben? Wo und wann wurde sie geschrieben? Wem hat sie in den 400 Jahren zwischen 1461 und 1861 gehört? Viele Fragen sind nicht eindeutig geklärt. Sie machen die Lektüre des Begleitbandes so spannend wie ein Krimi.

Ein der Handschrift wohl etwas später vorangestelltes Doppelfolio zieht den Betrachter durch die herz- und kreisförmige Anordnung der Noten sogleich in Bann. Es zeigt Text und Notation zweier Stücke des französischen Komponisten Baude Cordier. Das herzförmig notierte Rondeau enthält eine auf Neujahr datierte Liebeserklärung an die Geliebte (zu hören auf YouTube). Sein im Französisch der Zeit geschriebener Refrain lautet:

«Belle, bonne, sage, plaisant et gente / A ce jour cy que l’an se renouvel
Vous fais le don d’une chanson nouvel / Dedans mon cuer qui a vous se presente. »

Die lyrische Behandlung immer wiederkehrender, am Hofe gefeierter Feste und Bräuche findet sich in der Literatur erst seit dem 14. Jahrhundert. Dazu gehört der lyrische Liebeskalender mit den drei Höhepunkten am Valentinstag, am 1. Mai und am Neujahr. Zu Jahresanfang (a ce jour cy que l’an se renouvel) beschenkte man sich mit Gedichten (le don d’une chanson nouvel) oder, unter Adligen, auch mit Handschriften. Der Brauch solcher «dons d’étrennes» reicht in vorchristliche Zeit zurück.

Die Schrift der beiden Kalligramme ist nicht identisch mit der Schrift des Hauptteils der Handschrift. Die Bindung zeigt, dass das erste Heft durch die beiden Doppelfolios ersetzt worden ist. Stellte die Handschrift einst ein Neujahrsgeschenk dar, das durch dieses Rondeau an die Geliebte als solches gekennzeichnet wurde?  

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Irrungen, Wirrungen
Stephanie Märchy
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Die Mehrdeutigkeiten und Anspielungen des Romans lassen viel Interpretationsspielraum offen. Und genau das – kombiniert mit einem grossartigen Sinn für Humor, der mich bei der Lektüre zuweilen laut auflachen lässt – macht Fontane zu einem meiner Lieblingsautoren.

Stephanie Märchy, Medienbearbeitung Einzelwerke

Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen

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Die Handlung ist schnell erzählt: Berlin, 1870er Jahre. Baron Botho von Rienäcker und die einfache Plätterin Lene verlieben sich ineinander, müssen jedoch rasch erkennen, dass diese Beziehung aufgrund ihres unterschiedlichen gesellschaftlichen Standes keine Zukunft hat. Beide fügen sich den damals herrschenden Konventionen und entscheiden sich für eine standesgemässe Ehe. So philosophiert Botho: « (…) dass das Herkommen unser Tun bestimmt. Wer ihm gehorcht, kann zugrunde gehn, aber er geht besser zugrunde als der, der ihm widerspricht.» (Kapitel 14)

Trotz dem Spannung versprechenden und mich an moderne Seifenopern erinnernden Titel scheint «Irrungen, Wirrungen» – wie übrigens viele Romane von Fontane – auf den ersten Blick wenig mitreissend. Nicht einmal ein Happy End ist dem Leser gegönnt, wie die Kürzestzusammenfassung oben zeigt. Daher wundern Sie sich vielleicht, dass ich ein Buch mit einer solch langweiligen Story als mein Lieblingsbuch bezeichne.

Aber bei Fontane funktioniert das oft so: Erst wenn der Leser seine Aufmerksamkeit den feinen Details und ausführlichen Beschreibungen zuwendet, wird das Potential des Romans augenscheinlich. In jedem noch so unbedeutend scheinenden Gegenstand oder Detail lässt sich eine symbolische oder metaphorische Bedeutung finden. So charakterisieren beispielsweise Namen und Redeweisen der Figuren oder das beschriebene Rauminterieur (Bilder, Spiegel, Statuen, Fenster …) stets auch die Protagonisten selbst. Gelegentlich versuchen sich auch die Romanfiguren ihrerseits in der Deutung der Zeichen und Symbole – womit sie jedoch nicht selten überfordert sind. Implizit äussert Fontane als Vertreter des poetischen Realismus auf diese Weise gerne Kritik an der damaligen Gesellschaft – wie ich finde auf eine subtile und immer wieder sehr humorvolle Art: Gerade in der Inszenierung der aufopfernden Fügung Lenes und Bothos in die herrschenden Standesdünkel lässt sich doch beispielsweise deren Verurteilung erkennen.

Diese Mehrdeutigkeiten und Anspielungen lassen so viel Interpretationsspielraum offen und genau das – kombiniert mit einem grossartigen Sinn für Humor, der mich bei der Lektüre zuweilen laut auflachen lässt – macht Fontane zu einem meiner Lieblingsautoren.

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Psalmi invitatorii et Officia propria (mit Neumen)
René Schurte
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Das handgeschriebene Bändchen aus dem 13. Jahrhundert hat mich durch seine Einfachheit berührt. Es lässt das Leben in einem mittelalterlichen Frauenkloster lebendig werden.

René Schurte, Fachreferate Theologie und Religionen

Psalmi invitatorii et Officia propria (mit Neumen)

Ein Lieblingsbuch aus mehreren Millionen? Das ist etwas viel verlangt! Wenn ich mich aber in Gottes Namen entscheiden muss, dann nehme ich eines, auf das ich per Zufall gestossen bin: Ein Buch, das eine lange Geschichte hat und manche Geschichten erzählt …

Hinter der Signatur Ms. C 174 verbirgt sich eine Handschrift des 13. Jahrhunderts, ein unscheinbares Büchlein mit 51 Blättern, etwa so gross wie ein Smartphone der neusten Generation. Das Buch weist viele Benutzungsspuren auf, der Text ist am Rand an manchen Stellen nicht mehr lesbar. Es war gerade gross genug, um beim Dirigieren in einer Hand gehalten zu werden. Dafür war es nämlich wohl da: In der Handschrift sind Gesänge festgehalten, die in einem Kloster, wahrscheinlich einem Zürcher Frauenkloster, im Gottesdienst und bei Prozessionen gesungen wurden. Die Dirigentin leitete mit Hilfe des Buches den Gesang an, ihre Mitsängerinnen mussten die Gesänge auswendig kennen. Im Text finden sich neben den Texten der Gesänge sogenannte Neumen. Das sind eine Art stenographische Zeichen, Vorläufer der heutigen Notenschrift, die die Melodiebewegungen und den Rhythmus der Gesänge darstellten. Vielleicht hat die Dirigentin diese Neumen, als Gedächtnisstütze für die Sängerinnen, auch mit der Hand in die Luft «gezeichnet».

Ich habe mir das Buch als Lieblingsbuch gewählt, weil ich selber gerne gregorianischen Choral singe, besonders aber, weil mich seine Einfachheit berührt hat.

Das Buch ist keine repräsentative Handschrift, sondern war für den Gebrauch bestimmt. Trotzdem ist es, in all seiner Bescheidenheit, liebevoll geschrieben und geschmückt, manche Anfangsbuchstaben sind rot geschrieben und phantasievoll verziert. Der Einband aus Holzdeckeln ist mit recht grober Schnur zusammengebunden und damit für die Aufbewahrung durch die Jahrhunderte geschützt.

Und so lange schlummert das Buch nun schon in der Zentralbibliothek und ihren Vorgänger­institutionen und ist durch seine unscheinbare Beschreibung im Katalog («Eingangspsalmen und Gesänge des Stundengebets, mit Neumen») gut versteckt. Es wartet bescheiden darauf, wieder aufgeschlagen zu werden. Und man muss nur zum Beispiel die Seite 33 verso öffnen, und schon kann man wieder das Salve Regina anstimmen, wie es vor etwa 700 Jahren in einem längst vergangenen Zürcher Frauenkloster erklang …

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Gyre: The Plastic Ocean
Lothar Schmitt
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Der Katalog einer Ausstellung, die ein globales Umweltschutzthema anschaulich vor Augen führt.

Lothar Schmitt, Fachreferat Kunst, Architektur, Archäologie

Julie Decker (Hg.): Gyre: The Plastic Ocean, London 2014

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Das Buch mit dem mysteriösen Namen «Gyre» ist derzeit mein Favorit, weil es mehr kann als andere Bücher. Es kommt von weit her. Obwohl in London veröffentlicht, stammt es aus Alaska. Dort fand 2014 in Anchorage eine Ausstellung statt, die das Buch als Katalog dokumentiert.

Von Zürich ist Anchorage fast 8000 km entfernt, aber das Thema der Ausstellung geht auch uns in der Schweiz an: Es «dreht» sich im wahrsten Wortsinn um die Verschmutzung der Meere mit Plastikmüll. Denn «Gyre» heisst der Strudel, der im Nordpazifik unfassbare Mengen an Abfall über weite Distanzen transportiert und an Land spült. Diesen Müll haben alle zu verantworten, die von den Segnungen der Wegwerfgesellschaft profitieren. Darunter leiden nun ausgerechnet diejenigen, die nichts zu seiner Entstehung beigetragen haben. Das sind insbesondere die Tiere, die im hohen Norden an abgeschiedenen Stränden zwischen leeren PET-Flaschen und verrottenden Fischernetzen ums Überleben kämpfen.

«Gyre» ist nun aber keine Ökokampagne, sondern eine Kunstausstellung. Denn die Organisatoren begreifen die Umweltverschmutzung als ein Problem, bei dem naturwissenschaftlich fassbare und kulturelle Faktoren eng verzahnt sind. Die Mitwirkung aller an der Ausstellung Beteiligten war intensiv. Gemeinsam unternahmen sie eine Expedition, bei der Künstler und Wissenschaftler in die betroffenen Küstenregionen reisten. Anschliessend entwickelte jeder aus seiner Erfahrung einen Beitrag zur Ausstellung. Aus den Beiträgen der Künstler und Forscher ging deshalb ein Katalog hervor, der lehrreich und anschaulich ist. Ausserdem wurde die Expedition von Kameraleuten der National Geographic Society begleitet. Der so entstandene Dokumentarfilm ist eindringlich.

Ausstellung, Film und Katalog wirken überzeugend zusammen. Die Ausstellung dient als Auslöser, der Film als publicityträchtiger Vermittler. Der Katalog dokumentiert die Anliegen, verbreitet sie weltweit und verleiht ihnen Dauer. Dadurch verbindet uns das Buch mit den Anliegen der Bewohner Alaskas. Wer immer will, kann sich in der Zentralbibliothek diesen Anliegen widmen. Denn sie ist der öffentlich zugängliche Standort, an dem der Katalog aus dem fernen Anchorage hier in Zürich zu finden ist.

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Us emene lääre Gygechaschte
Heidi Kaufmann
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Und dir heit jitz vo mym Gschichtli sicher alli gnue …

Heidi Kaufmann, Musikabteilung

Mani Matter: Us emene lääre Gygechaschte

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Wer Heidi heisst, hört so manche Anspielung auf seinen Namen. Von Bergen und Alpen, Geissenpeter und Alpöhi ist da die Rede. Auch wird einem ab und zu «Heidi, deine Welt sind die Berge» vorgesungen. Viel lieber aber höre ich das Lied von Mani Matter mit dem Refrain:

Heidi mir wei di beidi, beidi Heidi hei di gärn!

Von zweien begehrt zu werden, da gibt es Schlimmeres. Ich aber hätte den Dichter dem Tschütteler vorgezogen … 

Als Kind durfte ich ein paarmal nach Bern zu Bekannten in die Ferien. Dort lernte ich die witzigen Chansons und Lumpeliedli der Berner Troubadours kennen. Ich erfuhr von der Ratte, die auf der Bundeshausterrasse lebt und später an den gefressenen Paragraphen im Papierkorb erstickt (Fahrer/Attenhofer). Oder vom Käthi, das schon von weitem nach Schokolade riecht und so richtig zum Anbeissen ist (Stirnemann). 

Der liebste von allen Troubadours war mir immer Mani Matter. Wo es ging, hörte ich seine Lieder und las seine Texte. Bald konnte ich viele davon auswendig.

Das liebste Chanson von allen war mir immer «ds Nünitram». Eine wunderbar absurde Geschichte vom Neunertram, das plötzlich sein Schienengleis verlässt und zum Himmel hoch fliegt. Sieben Hunde, ein Betrunkener, ein Polizist, eine Frau und ein Spiegelei sind darin verwickelt und zum Schluss ein Stier (aus dem Stierenoug = berndeutsch für Spiegelei), der sich in ein Tram verwandelt und so auf den Gleisen weiterfährt ins Tramdepot. Dieses Chanson und auch alle anderen von Mani Matter haben meinen Sinn für Humor für den Rest meines Lebens geprägt!

Zu guter Letzt:

Druf ischs wider stiller worden und de schliesslech Rue
Ds Nüünitram isch hinden um e Rank em Depot zue
Eine het no grüeft: I pfuuse, blaset mir id Schue
Und dir heit jitz vo mym Gschichtli sicher alli gnue

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British Escape Maps from World War II
Seamus Maher
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The Maps and Charts Department of our library also holds a collection of silk handkerchiefs. These handkerchiefs were used as escape maps during World War II.

Seamus Maher, Kartensammlung

British Escape Maps from World War II

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Nothing to be sneezed at

In a well-hidden corner of the Maps and Charts Department of our library lies a small, gray box which holds a collection of – handkerchiefs. Silk handkerchiefs. These handkerchiefs are also maps. World War II Escape Maps. This small collection of historical maps is my favourite.

When one considers the logistics involved in such a map creation, it truly was an incredible achievement.

Firstly, it had to be decided which maps, if any, were suitable for such a project. Bartholomew’s, a famous Edinburgh mapmaking company, were approached and the tourist maps of the various European countries affected by World War II, Germany, France, Holland, Poland, Italy, Austria, Switzerland, Belgium and the Balkans were acquired. Bartholomew’s refused to accept any remuneration whatsoever for the use and publication of their maps, feeling privileged instead to be part of the war effort.

But deciding on which maps to use, it turned out, was the easy part.

Now, a suitable material had to be found on which to print the maps, one which would have to meet the special requirements for handling maps behind enemy lines. The material had to be light in weight, long lasting, crease resistant and most of all, it had to be silent when being unfolded. A demanding catalogue.

After much deliberation it was decided that silk was the only material that came into question as it fulfilled all the conditions.

All in all it has been estimated that over 1 million escape maps were printed, so how on earth did the Allies manage to get their hands on so much silk?

The answer was: Parachutes. The US shipped over 1 million yards of slightly damaged parachute silk from warehouses in New York to warehouses in Britain, thus allowing enough maps to be produced for the ongoing war effort.

The printing itself posed an entirely different set of problems. First attempts failed because as soon as the silk was lifted off the printing press, the ink ran, resulting in the maps becoming entirely illegible. But with the addition of a defined amount of pectin, a gelling agent, the ink coagulated, thus preventing it from running. A simple but ingenious solution.

Were the maps of any use? Out of a survey of 772 US Air Force officers and enlisted men whose aircraft were downed, 332 replied that they had used their maps.

Today, upon unfolding and viewing the Escape Maps, one can literally feel that sense of history emanating from those silk maps, and they are still legible, in very good condition and shall remain so for a long time to come.

We recently added a further Escape Map to our collection. Map 43/K (East) had been lying undetected within a larger donation and has since been retrieved and catalogued.

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Mumins wundersame Inselabenteuer
Ann-Mari Sjöblom
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Um Windstärken, Inseln, Leuchttürme und das Meer geht es in dieser Mumin-Geschichte.

Ann-Mari Sjöblom, Fachreferat Nordische Philologie, Printmedien

Tove Jansson: Mumins wundersame Inselabenteuer

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Eine Liebeserklärung zum 70. Geburtstag der Mumin-Trolle

«Irgendwann an einem Nachmittag Ende August lief der Muminvater in seinem Garten herum und kam sich überflüssig vor. Er wusste nicht, was er mit sich anfangen sollte. Alles, was es zu tun gab, war nämlich schon erledigt oder jemand anders war gerade damit beschäftigt. Der Muminvater trottelte ziellos durch seinen Garten und sein Schwanz rasselte melancholisch über die trockene Erde. Die Hitze lastete brütend im Tal, alles war reglos, verstummt und ein wenig staubig. Grosse Waldbrände waren in diesem Monat möglich, grosse Vorsicht war nötig.»

So beginnen  «Mumins wundersame Inselabenteuer». Windstärke 9 ist beim Lesen garantiert! Der finnlandschwedischen Autorin Tove Jansson (1914–2001) ist es gelungen, Geschichten über die Mumin-Familie für Gross und Klein zu schreiben und zu illustrieren. Die Bücher wurden zum Welthit. Stellvertretend für alle Bände aus der Serie habe ich denjenigen mit dem schönsten Titel gewählt: «Der Vater und das Meer». Die Titel wurden beim Übersetzen ins Deutsche nicht übersetzt, sondern völlig verändert. Es könnte auch heissen «Die Mutter und das Meer». Ich bin Mutter und am Bottnischen Meerbusen aufgewachsen.

Tove Jansson: Mumins wundersame Inselabenteuer, Signatur HL 80024
Tove Jansson: Pappan och havet (Finnlandschwedische Originalversion 1965), Signatur FENN B 3805
Tove Jansson: Muumipappa ja meri (Finnische Übersetzung), Signatur FENN B 3182

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Das Genie Wolfgang Amadé Mozart in literarischen Bildern romantischer Tradition der Kunstreligion und Musikästhetik
Maya Koller
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Der Weg des Genies ist von ekstatischen Höhenflügen und zentnerschweren Pflastersteinen gesäumt.

Maya Koller, pensioniert, vormals Ausleihe/Magazin

Gerhard vom Hofe: Das Genie Wolfgang Amadé Mozart in literarischen Bildern romantischer Tradition der Kunstreligion und Musikästhetik. Leipzig 2014 (Engelsdorfer Verlag)

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Ein «Lieblingsbuch» ist stimmungsabhängig, mein bevorzugter Musikkonsum heisst aber sicher Wolfgang Amadé Mozart; bei ihm sind alle Launen vertreten. Der Buchtitel – «Das Genie» – bewirkt in mir Herausforderung sowie Zustand hellwach! 

Eines vorweg: Zusammenfassend bemerkt der Autor – Gerhard vom Hofe – an mehreren Stellen über Mozart:

  • sein unvergleichliches musikalisches Genie
  • singuläre Wundererscheinung, die nicht weiter zu erklären ist
  • die Verbindung der höchsten Kompositionskunst mit Anmut, Lieblichkeit, Ästhetik
  • Don Giovanni: Die Oper aller Opern

etc. etc.

Gerade jetzt höre ich sein Piano Concerto No.7, KV 242 für 3 Klaviere mit Georg Solti, Andras Schiff und Daniel Barenboim; an Charme, Zauber, Leichtigkeit kaum zu überbieten. Exakt so muss Mozart tönen, so muss er ultimativ kommuniziert werden!

Die Quintessenz vom Buch ist im Grunde diese, dass eine Wegstrecke als Genie von ekstatischen Höhenflügen sowie zentnerschweren Pflastersteinen gesäumt ist. Es ist ein Spagat, es hat seinen Preis. Die ultimativen Begleiterscheinungen heissen Hass, Neid und Eifersucht der Umgebung. Die Workaholic-Eigenschaften werden geflissentlich übersehen. Der Gipfel der Dekadenz lieferte Salieri, der selbstmitleidige, arbeitsfaule, brutale, teuflische Mörder; er ist Mozarts Gifteinflösser und Vernichter, auch der Mörder von Mozarts Vater Leopold. Salieri verstieg sich gar in folgende Äusserung, nachdem er Mozart endlich per Toxikum ins Jenseits befördert hatte: «Ich bin auserwählt, ihn anzuhalten – sonst gehen alle unter; nicht nur ich allein mit meinem matten Ruhm ...»

Mozart kannte Schwermut sowie Depression, aus seiner Musik leicht herauszuhören. Ebenso wusste Mozart um himmlische, göttliche, ekstatische Verzückung und überdies verfügte er über die Fähigkeit, dies in seinen Werken auszudrücken! Ich sage es: Gänsehaut-Garantie!

Nun wünsche ich Ihnen allen unzählige ekstatische, entzückende Gänsehaut-Erlebnisse beim Genuss der universellen Genialität von Wolfgang Amadé Mozarts Musik.

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Le Petit Chaperon Rouge, une imagerie d’après un conte de Perrault
Jochen Hesse
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Rotkäppchen reduziert auf Kreise und Rechtecke – funktioniert das?

Jochen Hesse, Leiter Graphische Sammlung und Fotoarchiv

Warja Lavater, Le Petit Chaperon Rouge, une imagerie d’après un conte de Perrault, Paris: Adrien Maeght Editeur, 1965

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Rotkäppchen reduziert auf Kreise und Rechtecke – funktioniert das? Selbstverständlich. Die Winterthurer Künstlerin Warja Lavater (1913–2007) erzählt das Märchen nicht nur sehr eingängig, sondern auch humorvoll. Zu Beginn des Buches erläutert sie ihre Bildsymbolik. Ein roter Kreis steht für das Rotkäppchen. Der Wolf ist ein schwarzer Kreis, die Grossmutter wird durch einen blauen Kreis symbolisiert, ein hellbraunes Rechteck versinnbildlicht ihr Haus. Der Wald besteht aus den grünen Kreisen der Bäume. Dann wird die Geschichte in Form eines sogenannten Leporellos, eines Faltbuches oder auf Französisch Imagerie, erzählt. Immer eine Doppelseite gibt eine Sequenz der Geschichte wieder, die sich ausgefaltet auf einer Gesamtlänge von knapp vier Metern ausbreitet! Ein altes Märchen ist kongenial in eine zeitgenössische abstrakte Bildsprache übersetzt. So schwillt der schwarze Kreis zu einem gefrässigen bösen Wolf an, der zuerst die Grossmutter und danach das Rotkäppchen verschlingt. Beide sind anschliessend als farbige Kreise im Innern des Wolfes sichtbar. Warja Lavater visualisiert die Erzählung in der Fassung des französischen Schriftstellers Charles Perrault (1628–1703) in einer lustigen, abwechslungsreichen und ästhetisch sehr ansprechenden Bildsprache. Ich zeige Warja Lavaters Leporello immer wieder gerne an Führungen, da es auch nach fünfzig Jahren immer noch modern wirkt und mich stets aufs Neue fasziniert.

Warja Lavater wurde in ein kulturaffines Elternhaus hineingeboren – ihre Mutter war die bekannte Schriftstellerin Mary Lavater-Sloman (1891–1980). Ihre Tochter startete ihre Karriere zuerst als Grafikerin und gründete 1937 mit ihrem späteren Ehemann, dem konstruktiven Maler und Plastiker Gottfried Honegger (1917–2016), ein Atelier. 1939 gestalteten sie gemeinsam das Landisignet, bereits 1937 hatte Warja Lavater das Schlüssel-Signet für die damalige Schweizerische Bankgesellschaft SBG entworfen, das die heutige UBS noch immer als Firmenzeichen verwendet. Ihre Piktogramme übertrug die Künstlerin später auch in ihre Gemälde und Grafiken. Die ersten Kinderbücher entstanden bereits in den 1940er-Jahren. Damals redigierte und gestaltete sie auch die Kinder- und Jugendzeitschrift «Jugendwoche». Neben Märchen von Perrault illustrierte Lavater Erzählungen der Gebrüder Grimm und von Hans Christian Andersen.

© der Abbildung: 2017, ProLitteris, Zurich
Alle Urheberrechte bleiben vorbehalten. Sämtliche Reproduktionen sowie jegliche andere Nutzungen ohne Genehmigung durch die ProLitteris – mit Ausnahme des individuellen und privaten Abrufens der Werke – sind verboten.

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Liber Psalmorum Hebraice, cum versione Latina Santis Pagnini = ספר תהלים
Romano Zoccolan
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«Dieser Band … fand sich beim Abbrechen des Gestells III auf der unteren Gallerie der Wasserkirche vor.»

Romano Zoccolan, Abteilung Alte Drucke & Rara/Projekt DigiTUR

Liber Psalmorum Hebraice, cum versione Latina Santis Pagnini = ספר תהלים, Basel, König, 1675

Link in den Katalog

«Dieser Band der StB [=Stadtbibliothek Zürich] fand sich beim Abbrechen des Gestells III auf der unteren Gallerie der Wasserkirche vor […].»

Mit diesen Zeilen beginnt die handschriftliche Notiz auf dem hinteren Innenbuchdeckel des obigen Druckes, welcher den hebräischen Psalmentext mit lateinischer Übersetzung des Humanisten Sante Pagnini (1470–1536/41) enthält. Dieser war als äusserst genauer Übersetzer bekannt. Interessant sind jedoch nicht nur der Originaltext und die Übersetzung. Mehr noch faszinieren mich an diesem Buch, auf welches ich als Mitbearbeiter der «e-rara»-Kollektion «Klosterbibliothek Rheinau» gestossen bin, die Folgezeilen der genannten Notiz. Sie tönen für mich nämlich wie eine Anekdote und versetzen einen ins Eröffnungsjahr 1917 der Zentralbibliothek Zürich zurück. Sie erinnern auch an deren ersten Direktor, Herrn Dr. Hermann Escher, für den das alte Buch offenbar von einer gewissen Bedeutung war. Die Fortsetzung der Notiz, welche am Schluss von «HE» [=Hermann Escher] signiert und datiert («23.II.1917») ist, besagt: Der vorliegende Band sei in den Katalogen nicht mehr auffindbar gewesen. In der Folge wurde er 1917 als Ersatz für denselben Druck mit der Signatur RRg 131 verwendet, weil dieses Exemplar aus der Kantonsbibliothek in schlechterem Zustand war und somit ausgeschieden werden konnte.

Wenn wir dementgegen in den gedruckten Katalogen von 1781 und 1864 der Stadtbibliothek den betreffenden Titel unter «Psalmen» suchen, dann finden wir ihn und die dazugehörige Signatur «G. VIII. 231» sehr wohl. Die vollständige Auflösung des «Rätsels» liefert uns schliesslich der handschriftliche Standortkatalog (St 34). Bei der gesuchten Signatur steht mit roter Tinte geschrieben: «Schon im Defecten-Verz. [=Verlustliste] v. 1837».

Folglich war der «Band», welcher mittlerweile zu meinem «Lieblingsbuch» geworden ist, 80 Jahre lang verloren und wurde 1917 beim Umzug der Stadt- in die Zentralbibliothek unter der Rheinauer Signatur RRg 131 aufgestellt.

In diesem Sinne gilt wohl auch für dieses Buch das lateinische Sprichwort «Habent sua fata libelli» («Bücher haben ihre Geschichten») – und folgendes für unsere Bibliothek: «Ein gutes Haus verliert nichts.»

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Wo Frauen ihre Bücher schreiben
Erika Benz
Erika Benz

Die Porträts der in diesem Buch aufgeführten Schriftstellerinnen, die Orte, an denen sie geschrieben haben, sowie die Umstände, gegen die sie ankämpfen mussten, sind inspirierend.

Erika Benz, Ausleihe/Magazin

Tania Schlie: Wo Frauen ihre Bücher schreiben, München 2014 (Thiele)

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Sich aus mehreren Millionen Büchern für ein einziges Lieblingsbuch zu entscheiden, gleicht sozusagen einer Mission Impossible, die eigentlich bloss Tom Cruise als Ethan Hunt oder Til Schweiger als Nic Tschiller lösen können. Dieses Schmuckstück möchte ich Ihnen trotzdem nicht vorenthalten, denn es beinhaltet wunderschöne Fotografien von prominenten wie auch weniger bekannten Schriftstellerinnen, die über Generationen und Zeiten hinweg in der Welt der Literatur, aber auch in unseren Herzen einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.

Was wäre denn unsere Welt ohne Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf oder Selma Lagerlöffs Nils Holgerson? Eine nächtliche Reise im Orientexpress wäre wohl um Nuancen farb- und reizloser ohne Hercule Poirot und die englische Dorfidylle weniger spektakulär ohne Miss Marple, beide aus der Feder von Agatha Christie (sie konnte wie vom Teufel besessen auf ihrer Schreibmaschine tippen!).

Einst gab es eine Zeit, in der eine Frau sich durchsetzen musste, um überhaupt zur Feder greifen zu können, ja zu dürfen. Einige dieser Frauen – Jane Austen, Toni Morrison, Sylvia Plath, Annemarie Schwarzenbach oder Virginia Woolf, um bloss wenige Beispiele hier zu nennen – sind in diesem Buch porträtiert. Sie alle haben gegen Armut, Einsamkeit, Apartheid oder für Gleichberechtigung geschrieben, oder dafür, überhaupt schreiben zu dürfen. Geschrieben wurde zu Zigarettenrauch oder Teeduft, auf dem Diwanfloss, und manchmal musste gar ein Brett über der Kloschüssel dafür reichen!

Nadine Gordimer oder Elfriede Jelinek, die für ihr Schreiben mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurden, sind in diesem wunderschön persönlich gehaltenen Buch ebenfalls porträtiert.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und Vergnügen beim Lesen und beim genüsslichen Schmökern darin! Und vielleicht lädt es Sie persönlich nicht bloss zum Lesen ein … 

meeresmäandern von sepia
der fisch breitet über
noch weissem grund
gedankenbündelnd
seine arme aus
athena fabuliert
im beisein der mondsichel
und eine träne
sickert
ins netz der
haut  

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Library of Congress. National union catalog
Claudius Lüthi
Luethi_Claudius

Der National Union Catalog war einmal das Zentrum aller bibliografischen Nachschlagewerke. Heute braucht ihn fast niemand mehr, er ist zum Zeugnis der Vergänglichkeit geworden.

Claudius Lüthi, stv. Leiter Information/Leiter Fernleihe

Library of Congress. National union catalog. – [Annual ed.] – Washington : LoC, 1957-1983. Signatur: LS01 DSB 704

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Bücher, die ich wirklich liebe, hole ich mir üblicherweise nicht aus der Bibliothek. Die muss ich kaufen, denn ich lese, streichle und stelle sie bei mir ins Regal, wo sie mir beim Leben zuschauen. Im Übrigen habe ich Bücher gern, die Widerstand leisten, mit denen man kämpfen muss, an denen man wachsen kann. In den Tiefen der ZB steht ein solches widerspenstiges Buch, das ich sehr gerne mag, aber trotzdem besitze ich keine Kopie davon. Es wurde noch nie ausgeliehen. Und noch nie hat jemand versucht, dieses zu stehlen. Es wurde auch noch nie ganz gelesen, aber früher rege genutzt. Heute ist es gerade dabei, in Vergessenheit zu geraten. Vom Katalogsaal wurde es ins Magazin verfrachtet. Dieses Monument ist mir, nach hartem Kampf, ans Herz gewachsen. Liebevoll wird das Monstrum «NUC» genannt. In früheren, vordigitalen Zeiten war der NUC das Zentrum, eine Art Springbrunnen, im Kräutergarten der Nachschlagwerke. In dem umfangreichen Werk enthalten sind die Karten aus den Zettelkatalogen von über 1'000 amerikanischen Bibliotheken abgedruckt. Die erste Lieferung umfasste 42 Laufmeter und über 900 Bände. Er erschien in mehreren gedruckten Ausgaben, dann auf Mikrofilm und wurde endlich ganz aufgegeben. Wenn die Fernleihe nirgends sonst einen Nachweis fand, dann ging man zum NUC und fand. Heute braucht ihn kaum mehr jemand, obschon noch vieles darin zu finden ist, was sonst nirgends verzeichnet ist. Er ist zum Zeugnis der Vergänglichkeit geworden und mahnt: Alles ist vergänglich, auch was einmal als unentbehrlich galt. So ging es dem NUC und so wird’s auch Google gehen.

Vor dem Regal mit dem NUC hat es übrigens ungewöhnlich viel Platz. Dort kann man wahlweise sich verzweifelt auf den Boden werfen und vor Wut weinen, weil die Benutzung so ungewohnt kompliziert ist, oder niederknien um dieses grosse Zeugnis bibliothekarischer Fleissarbeit anzubeten.

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Walter Alvares Keller: Du bist kein Engel Angela
Gabrielle Maria Penrice-Aebi
Penrice Gaby

Ein Buch aus einer Zeit, in der man in den Zürcher Aussenquartieren noch Mist herumkarrte. Was mir an diesem Buch so gefällt, ist die Beschreibung der Stadt Zürich und seiner Menschen zu einer Zeit, in der die Unterschiede von Reich und Arm viel ausgeprägter waren als heute.

Gabrielle Maria Penrice-Aebi, Direktionsassistentin

Du bist kein Engel Angela

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Zu diesem Buch habe ich eine sehr spezielle Beziehung. Es ist eines meiner ersten Bücher, das ich auf Empfehlung meines Vaters gelesen habe. Nur schon das Wortspiel im Titel mit Engel und dem Namen Angela klang damals mit vielleicht 15 Jahren für mich nach einer interessanten und vielversprechenden Lektüre. Was ich damals beim Lesen gefühlt oder gedacht habe, weiss ich leider nicht mehr, aber der Titel ist mir bis heute geblieben. Gelesen habe ich das Buch als Erwachsene dann auch wieder, und zwar als es mir beim Räumen der Wohnung meiner Eltern wieder in die Hände kam. In dem Moment wollte ich erneut wissen, was es mit diesem Titel schon wieder auf sich gehabt hatte.

Was mir an diesem Buch so gefällt, ist die Beschreibung der Stadt Zürich und seiner Menschen zu einer Zeit, in der die Unterschiede von Reich und Arm viel ausgeprägter waren als heute. Eine Zeit, in der man in den Zürcher Aussenquartieren noch Mist herumkarrte und der Paradeplatz mit der Bahnhofstrasse nur für die Elite der Stadt war.

Kurz zusammengefasst behandelt der Roman die Entstehung und Überwindung von Eifersuchtsgefüh­len. Angela wächst anfangs des 20. Jahrhunderts in Zürich in schwierigen sozialen Verhältnissen auf und wird von ihrer überforderten Mutter, die bis spät abends für andere Leute bügeln muss, abgelehnt, beschimpft und geschlagen. Der Roman zeigt auf, wie aus einer solchen Situation Eifersuchtsgefühle auf all jene, die «es besser haben», entstehen können und wie Angela dadurch in den Kampf mit der ganzen Menschheit gerät. Zum Glück helfen ihr nahestehende Personen, die den Lebensstil des Mädchens durchschauen und Angelas unglückliche Interpretation ihrer Lebensumstände erkennen. Durch diese Unterstützung gelingt es ihr, sich mit anderen Menschen zu befreunden und sich schlussendlich auch mit ihrer Mutter auszusöhnen.

Der Autor, Walter Alvares Keller, geboren am 28.2.1908 in Zürich, war etwa im Alter meines Grossvaters und ist durch seinen eher ungewöhnlichen Lebenslauf erst spät zum Bücherschreiben gekommen. Er machte 1924 eine kaufmännische Lehre und wanderte anschliessend 1927 nach Brasilien aus, wo er drei Jahre später die Tochter eines deutsch-baltischen Urwaldkolonisten heiratete. Er war in den un­terschiedlichsten Berufen tätig, und als er 1932 in Brasilien schwer erkrankte, kehrte er zurück nach Zürich. Er war Mitglied der Sozialdemokratischen Partei (SP) und des Kaufmännischen Vereins Zürich. Von 1951 bis 1965 war er ebenfalls Mitglied des Zürcher Gemeinderats. Ab 1946 verfasste er Romane mit sozialem Gehalt und erhielt 1954 eine Ehrengabe der Stadt Zürich. Er verstarb am 2.9.1965 in Zürich, wo ihm die Stadt daraufhin 1966 an seinem letzten Wohnsitz eine Gedenktafel widmete.

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ZB-Schätze im Schaufenster

Lernen Sie Esperanto!

Die Zentralbibliothek Zürich verfügt über eine stattliche Esperanto-Bibliothek.

Die Lehr- und Wörterbücher helfen Ihnen, die Grundlagen zu erarbeiten. Zum Üben und Vertiefen stehen Ihnen eine thematisch breit gestreute (belletristische) Literatur  und rund 164 Zeitschriften zur Verfügung. Einige Bände zu anderen Hilfssprachen wie Ido oder Volapük runden das Angebot ab. Und wer weiss, vielleicht haben Sie dann Lust, an den nächsten Esperanto-Weltkongress zu fahren, der jährlich stattfindet – 2017 in Seoul, Südkorea, 2018 in Lissabon, Portugal. Den dazu passenden Reiseführer holen Sie sich am besten auch in der ZB – aber frühzeitig reservieren, unsere Reiseführer sind begehrt!

Benutzung

Benutzungsbestimmungen

Hilfe zur Recherche erhalten Sie vor Ort am Informationsschalter oder per E-Mail

Wie es dazu kam

Die Esperanto-Bibliothek stammt aus dem Vermächtnis des Typografen Karl Jost (1876–1952) und gelangte 1956 in die ZB. Sie umfasst 346 Bände, 646 Broschüren und 164 Zeitschriften. Etwa ein Drittel der Werke wurde vor 1916 gedruckt. Da Esperanto als recht stabile Sprache gilt, können gut alte Grammatiken zum Erlernen der Sprache beigezogen werden. Das erste Esperanto-Lehrbuch wurde 1887 vom polnischen Augenarzt Ludoviko Lazara Zamenhof publiziert. Diese Ausgabe finden historisch Interessierte ebenfalls in der ZB, wenn auch nicht in der Esperanto-Bibliothek, sondern (anderweitig) im Bestand unter der Signatur 1887/166 – sie ist im Lesesaal Alte Drucke benutzbar. Falls Sie dennoch neuere Grammatiken bevorzugen, welche die Sprache ausführlicher beschreiben oder moderne Begriffe wie komputilo (Computer, wörtlich: Recheninstrument) oder aidoso (AIDS) beinhalten, werden Sie ebenfalls in der ZB fündig, zum Beispiel unter der Signatur HL 72699 (Praktisches Wörterbuch Esperanto, 2012). Die ZB sammelt weiter Werke in und zu Esperanto (ausserhalb der Esp-Signatur).

 

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Jubiläum Jubiläum …

Unter einem annus jubilaeus (lat.) wird eine Erinnerungsfeier verstanden, bei der ein besonderes Datum oder Jahr gefeiert wird. Es findet seinen Ursprung im Alten Testament: Das biblische Jobeljahr (vom hebräischen Wort jobel in der Bedeutung «Widder») war ein mit Schofartönen (Blasinstrument aus Widderhörnern) eröffnetes Erlassjahr der Schuldentilgung und des Besitzausgleichs für alle Israeliten. Um 1300 rief der Papst das heilige Jahr zum vollständigen Sündenerlass aus, wodurch die römisch-katholische Kirche den alttestamentlichen Anlass in ihren Kalender integrierte.

Heutzutage sind die Jubiläen in Wirtschaft, Politik und Staat variantenreich. Zahlreiche Nationalfeiertage und Firmenjubiläen, wie die ZB in diesem Jahr eines feiert, gehören dazu. Nicht zu vergessen sind auch die «jubilarischen» Feierlichkeiten bei Geburtstagen, Todestagen und Hochzeitstagen.

Jubilierende Engel oder Puten mit Posaunen können bildlicher Ausdruck eines Jubiläums sein. Im Bestand der ZB Graphische Sammlung ist eine schöne Zeichnung zweier Posaunenengel zu finden.

 

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Der gute Neujahrsvorsatz – oder der Geist ist willig

Wer kennt sie nicht, die gut gemeinten Neujahrsvorsätze, die etwa lauten: «… im neuen Jahr werde ich endlich mehr Sport treiben und mich gesünder ernähren ...». Meist bleibt es jedoch beim Vorsatz, da sich die Umsetzung als schwierig erweist.

Wir möchten Ihnen helfen, Ihre guten Vorsätze zu verwirklichen! Die ZB stellt Ihnen Ratgeberliteratur zu diversen Themen zur Verfügung. So bieten wir beispielsweise eine fantastische Auswahl an Ernährungsratgebern und Übungssammlungen zu Gymnastik sowie Yoga und Pilates an. Vielleicht möchten Sie gar Ihr ganzes Leben neu gestalten oder denken sich, dass Sie doch schon alles ausprobiert haben.

Im Rahmen unserer Turicensia-Sammeltätigkeit haben wir ausserdem die Reihe Beobachter Ratgeber in unseren Bestand integriert, die ebenfalls sehr hilfreich sein kann.

Falls sich der gewünschte Erfolg doch nicht einstellen sollte, denn dieser braucht meist etwas Zeit und ein gutes Mass an Selbstkontrolle, finden Sie bei uns auch Ratgeberliteratur zu Gelassenheit und zu gelassenem Scheitern.

Die Abbildung von Rudolf Meyer (1803–1857) aus dem Bestand unserer Graphischen Sammlung/Fotoarchiv soll Sie ermuntern, wieder einmal kräftig und beherzt in einen Apfel zu beissen.

 

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Forschungsdatenmanagement – wer braucht denn das?

Mit dem Forschungsdatenmanagement ist es so eine Sache: Während im Begriff «Forschung» immer auch die Vorstellung von Abenteuer mitschwingt, klingt der zweite Teil – «Datenmanagement» – nach einer buchhalterischen Pflichtübung. Klar: dort, wo Forschung in grossem Stil betrieben wird, leuchtet einem sofort ein, warum man mit den anfallenden «Big Data» vorausschauend umgehen muss. Und wer einen Antrag auf Forschungsförderung stellt, weiss, dass die Geldgeber mittlerweile auf solide Datenmanagementpläne achten.

Aber wie wichtig ist Datenmanagement im Forschungsalltag? Seine Bedeutung liegt darin begründet, dass der gesamte Forschungsprozess heute meist in allen Belangen computerunterstützt erfolgt. Untersucht werden zunehmend Digitalisate von Objekten, wissenschaftliche Beobachtungen und Auswertungen werden digital dokumentiert, Erkenntnisse werden digital präsentiert und digital publiziert. Bei all diesen Arbeitsschritten fallen Daten an, die als Nachweis von Forschungsergebnissen dienen und oft viel zu wertvoll sind, um sie der Öffentlichkeit vorzuenthalten.

Wollen Sie mehr wissen? Dann bietet Ihnen unter anderem das «Handbuch Forschungsdatenmanagement» einen Überblick zum Thema. Sie finden es gedruckt bei uns in der ZB und als Open-Access-Publikation online. Über Fragen zur Langzeitarchivierung informieren z.B. die Handbücher des Kompetenznetzwerks Nestor – auch sie sind frei verfügbar.

Und wenn Sie erfahren wollen, wie sich Bibliotheken mit Fragen zum Forschungsdatenmanagement auseinandersetzen, dann schauen Sie doch in das Buch von Laura Krier und Carly A. Strasser.

Übrigens: Die ZB veranstaltet – passend zum Thema – am 9. Februar 2017 eine Fachtagung mit dem Titel «Die Bibliothek vernetzt. Infrastrukturen für Forschungsdaten in den Geisteswissenschaften».

Wenn Sie daran teilnehmen möchten, dann melden Sie sich hier an.

Für Fragen steht Ihnen gerne Lothar Schmitt zur Verfügung.

 

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Verkleidete Literatur

Des einen Freud, des andern Leid: Die Fasnacht naht! Auch in der ZB trifft man auf Verkleidete. Doch im Unterschied zur Fasnacht ging es bei der «verkleideten Literatur» oft um Leben und Tod. 

Tarnschriften sind eine Form davon: verbotene Texte, die hinter einem anderen, unverfänglichen Einband (oft auch Titelseite, Impressum, Textanfänge, Schlussseiten) versteckt wurden. Die meisten entstanden zwischen 1933 und 1945 und wurden von der verbotenen Kommunistischen Partei Deutschlands oder antifaschistischen Widerstandsgruppen unter Umgehung der Zensur in Umlauf gebracht. Sie enthalten politische, aufklärerische Texte, etwa über die Hintergründe des Reichstagsbrandes vom 27. Februar 1933 (hinter Schillers Wallenstein verbergen sich tatsächlich Auszüge aus dem Braunbuch über Reichtagsbrand und Hitlerterror; ZB-Signatur Ms O 16: 3).

Für diese gefährliche Untergrundarbeit eigneten sich nur Kleinschriften, Werbebroschüren (die Werbung «Hören Sie unsere neuesten Platten!» enthält in Wahrheit die Rede «Auf zum Kampf um die Mehrheit der Arbeiterklasse»; ZB-Signatur Revol 1389 I/4), Gebrauchsanweisungen (die angebliche Anleitung zur Selbstanfertigung einer Kochkiste und Rezepte enthält tatsächlich Béla Kun: Otto Bauers Weg; ZB-Signatur Revol 1389 I/12) etc. Sie wurden anfangs noch im Reich selbst, dann in Auflagen um die 10‘000 Kopien im nahen Ausland produziert. Heute sind sie jedoch Raritäten. Die Tarnschriften der ZB können nach Vorbestellung über das Rechercheportal in den Abteilungen Alte Drucke und Handschriften angesehen werden.

Getarnt als regimekonformes Buch des SS-Mannes Hilgendfeldt entpuppt es sich im Innern als Widerstandsschrift gegen die Nazis, untermauert von eindrücklichem Bildmaterial wie hier: «Die Kindersterblichkeit steigt mit den Dividenden der Rüstungsindustrie».

ZB Alte Drucke Sig: AX 5316

 

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Briefkultur anno dazumal

In ihren Spezialsammlungen bewahrt die ZB auch Hunderttausende von Briefen auf, die auf ganz unterschiedlichen Wegen hierher gelangten: in Sammel- und Kopienbänden (Thesaurus Hottingerianus, Simleriana), in privaten Nachlässen und Familienarchiven, Autografensammlungen, Gesellschafts- und Verlagsakten, als Einzelstück aus Auktionen und Schenkungen oder auch eingebunden in Druckwerke oder als Makulatur.

Die ältesten Stücke sind die sogenannten Zürcher Liebesbriefe aus dem 14. Jahrhundert. Bedeutende Briefwechsel stammen aus dem Reformationszeitalter und dem briefverliebten 18. Jahrhundert (Scheuchzer, Bodmer, Lavater, Pestalozzi). Aber auch jüngste Korrespondenz gelangt laufend zur Aufbewahrung in die Handschriftenabteilung und wird dort im Rahmen bestimmter gesetzlicher Schutzfristen für eine spätere Einsicht vorbereitet.

In der Reihe Manuskript am Mittag wird am 22. März 2017 um 12.30 Uhr ein Einblick in Brief-Gepflogenheiten im Zeitalter des Gänsekiels anhand von Beispielen aus der Sammlung geboten. 

In der Brief-Datenbank im Recherche-Portal sind sowohl Briefschreiber als auch -empfänger abrufbar.

Angesichts der breitgefächerten Bestände ist jedoch mit Briefen zu rechnen, die in der Datenbank noch nicht zu finden sind. Schriftliche Anfragen zum diesem Thema werden gerne beantwortet.

In Ergänzung dazu führen die Nachlassverzeichnisse Korrespondenz summarisch auf. 

Zahlreiche Briefe können des Weiteren als Digitalisat auf der laufend wachsenden Präsentations-Plattform e-manuscripta eingesehen werden.

Bild: ZBZ, FA David Hess 41.146: Kalligraphische Unterschrift Georg Voglers in einem Schreiben an David Hess, 7. Dezember 1808.

 

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Sammelschwerpunkt Nepal

Die Zentralbibliothek Zürich besitzt zum Himalaja-Staat Nepal einen Sammelschwerpunkt. Den Kern bildet die Bibliothek des Freundeskreises Schweiz-Nepal. Die Gesellschaft wurde 1971 von Schweizerinnen und Schweizern gegründet, die in Nepal tätig waren. Bereits 1975 übernahm die Zentralbibliothek Zürich ihre Büchersammlung als Depositum (Signatur NEP). Im gleichen Jahr fügte der Geograph Prof. Arthur Dürst seine eigene Nepalbibliothek dazu (Signatur NED). Der Bestand der Nepal-Bibliothek ist mittlerweile auf etwa 1'000 Titel angewachsen. Sie betreffen Werke zu Nepals Geographie, Geschichte, Wirtschaft, Politik, Kultur und Religion. Die Zentralbibliothek hat seither diesem Schwerpunkt Rechnung getragen, indem sie in ihrem eigenen Bestand fokussiert Literatur und Kartenwerke zu diesem Himalaja-Staat erwirbt. 

Die Bücher der Nepal-Bibliothek sind öffentlich zugänglich und können bis auf wenige Ausnahmen nach Hause ausgeliehen werden. 

Für Fragen steht Ihnen gerne der Leiter der Abteilung Karten und Panoramen und Fachreferent für Geographie Jost Schmid zur Verfügung.

Bild: Regimentsgeschichte der Gurkhas um 1930, ein sehr seltenes Werk

 

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Um Ihre Ansichtspostkartensammlung zu bereichern ...

Die Bestände der Graphischen Sammlung und des Fotoarchivs umfassen eine Million Objekte! Ein Viertel davon sind Postkarten – Ansichtskarten und Motivkarten. Die katalogisierten Karten zeigen mehrheitlich Ansichten aus dem Kanton Zürich wie den Rheinfall bei bengalischer Beleuchtung, Ortschaften mit Kirche, Schulhaus und Gasthof oder Städte. (Klicken Sie jeweils auf das Bild und dann auf das jpg-Signet, dann wird das Bild gross.) Rauchende Kamine verweisen auf die brummende Wirtschaft. Die Motivkarten sind nach Begriffen abgelegt und zeigen Sujets wie die Propaganda für das Frauenstimmrecht, das Sechseläuten, Sängerfeste, die Seegfrörni 1929 oder den Globi

1902 wurden in der Schweiz 22 Millionen Karten per Post verschickt. Attraktiv waren die farbigen Lithografien, die in Form von grossen Andruckbogen produziert wurden. Für uns ungewohnt ist, dass bis etwa 1905 die eine Seite der Karte nur Platz für die Adresse liess. Schreiben durfte man ausschliesslich auf ausgesparten kleinen Feldern auf der Bildseite. Postkarten schreiben war damals das Twittern von heute. Heute bewirken SMS, MMS und die sozialen Medien, dass die Postkarten langsam aussterben. Stöbern Sie in unseren alten Postkarten, viele davon sind hundert Jahre alt wie die Zentralbibliothek Zürich

Für Fragen steht Ihnen gerne der Leiter der Graphischen Sammlung und des Fotoarchivs Jochen Hesse zur Verfügung. 

Bild: Gruss aus Rümlang, um 1900

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«Nächstes Jahr in Jerusalem!» – Pessach-Haggada

Pessach, das jüdische Fest zur Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus Ägypten, wird dieses Jahr vom 11. bis 18. April gefeiert. Die Nacherzählung dieses im Buch Exodus geschilderten Geschehens findet sich in der Haggada schel Pessach, einer Sammlung biblischer, rabbinischer und volkstümlicher Texte, Lieder aus verschiedenen Epochen und ritueller Vorschriften für die häusliche Feier am Sederabend.

Die Haggada ist eine kunstgeschichtliche Quelle ersten Ranges – sowohl die sephardischen als auch aschkenasischen mittelalterlichen Handschriften sind reich bebildert: Beispielhaft seien hier die aus dem 14. Jahrhundert stammende, in Spanien angefertigte Sarajevo-Haggada und die in Deutschland gestaltete Vogelkopf-Haggada genannt, beide in der Zentralbibliothek Zürich als Faksimile einsehbar. Nach dem Beginn des hebräischen Buchdrucks entstanden unter anderem mit Holzschnitten oder mit Kupferstichen illustrierte Haggadot wie die Prager Haggada (1526) und die Amsterdamer Haggada (1695). Unter dem Eindruck von Zionismus, Holocaust und der Staatsgründung Israels wurde nach neuer Ikonographie und neuen Inhalten gesucht. Beispiele hierzu sind die Haggada des amerikanischen Künstlers Saul Raskin (1941), A survivors‘ Haggadah von Yosef Dov Sheinson (1946), die «Haggada» für die Feier des israelischen Unabhängigkeitstages (1979) und die Zürcher Haggada von Susi Guggenheim-Weil (2000). Die Graphikerin und Bildhauerin gestaltete jüdische Kult- und Gebrauchsgegenstände, wobei die hebräischen Schriftzeichen in prägnanter und dekorativer Weise präsent sind.

Bildlegende: Zürcher Haggada, Zürich 1950/1951; mit Tusche, Tempera und Blattgold auf Pergament geschrieben und illustriert von Susi Guggenheim-Weil. Rechte Seite: Segenssprüche über Wein; Händewaschen und Karpas (Erdfrucht); linke Seite: Fronarbeit in Ägypten. ZB-Signatur: AWF 229.

 

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Revolutionsflugschriften

Die Zentralbibliothek Zürich besitzt namhafte Sammlungen an Flugschriften zu Reformation und Bauernkrieg sowie eine der weltweit umfangreichsten Kollektionen zum Dreissigjährigen Krieg und zur Französischen Revolution. Diese Bestände wurden bereits in verschiedenen Fachpublikationen beschrieben. Weniger bekannt sind die ebenfalls nennenswerten Sammlungen an Flugschriften zu den sozialen Revolutionen des 19. Jahrhunderts bis hin zu Lenins Februarrevolution von 1917. Im ZB-Archiv hat sich sein Zürcher Bibliotheksausweis erhalten, der am 19. Februar 1916 ausgestellt worden war. Die entsprechenden Revolutionsschriften werden vor allem unter den Signaturen «Revol» und «SGA» aufbewahrt. Der erstgenannte Bestand wurde 1932 dem Frankfurter Grafiker Hanns L. Katz abgekauft, letzterer umfasst die Bücher der Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung, die im Jahr 2001 als Geschenk an die ZB fiel.

Für Fragen steht Ihnen gerne Urs Leu, Leiter der Abteilung Alte Drucke und Rara, zur Verfügung.

Bild: Lenins ZB-Ausweis (ZB-Archiv, Signatur: Arch Z 407)

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Die ZB klingt – Zürich klingt!

Beim Hören der Neujahrs-CD, am Festkonzert in der Tonhalle und bei den weiteren Musikanlässen: Musik aus der Zentralbibliothek Zürich erklingt an diversen Orten, und dies nicht erst im Jubiläumsjahr. Doch wo besuchten die Zürcherinnen und Zürcher vor Zeiten der ZB eigentlich Konzerte und Opernvorstellungen?

Mit dem Musiksaal beim Fraumünster erhielt die Stadt 1717 ihren ersten eigens zu diesem Zweck erbauten Konzertsaal. Der Zürcher Hobbyfotograf Robert Breitinger-Wyder (1841–1913) fing die letzten Eindrücke vor dessen Abbruch 1898 ein. Das 1806 am Hirschengraben eröffnete Casino war da bereits von der Alten Tonhalle abgelöst worden, die bis zur Eröffnung der heutigen Tonhalle 1895 auf dem Sechseläutenplatz stand. Eindrucksvolle Fotos machte Breitinger auch von der Brandruine des Aktientheaters und dem Neubau des heutigen Opernhauses (beide 1890f.). Dank des Projekts DigiTUR sind zahlreiche Bilder von Zürcher Musikbauten online zugänglich. Originale Breitingers zeigt die Ausstellung «Typisch Zürich».

Zum Klingen bringen lassen sich auch die vielfältigen Notenbestände der Musikabteilung der ZB, darunter Vor- und Nachlässe von Musikschaffenden und Notenbibliotheken von Zürcher Musikinstitutionen.

Bild: Stadttheater (heute Opernhaus) von Nordosten, Fotografie von Robert Breitinger, 4. Oktober 1891

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600. Geburtstag von Niklaus von Flüe (1417–1487)

2017 ist auch das Jubiläumsjahr des Schweizer Landespatrons: Wir feiern «600 Jahre Niklaus von Flüe». Bruder Klaus, wie er im Volksmund heisst, war ein aussergewöhnlicher Mensch. Immer noch fasziniert der Mystiker und ökumenische Friedensheilige aufgrund seines Lebensweges, auf dem ihn bis zuletzt auch seine Ehefrau Dorothee begleitete. Zudem sei Bruder Klaus für viele Menschen noch heute ein persönliches Vorbild, heisst es im offiziellen Gedenkbuch Mystiker, Mittler, Mensch

Der bekannte Schweizer Komponist Carl Rütti (*1949) hat sich auch von Bruder Klaus inspirieren lassen: 2013 schrieb er die Symphonie Die Visionen des Niklaus von Flüe.

C. Rütti, dessen Vorlass sich in der Musikabteilung der Zentralbibliothek Zürich befindet, ist übrigens der Schöpfer der «ZB-Jubiläumskomposition». Am 24.09.2017 dürfen wir uns auf ein weiteres Auftragswerk Rüttis freuen: Seine Bruder-Klaus-Messe wird in der Jesuitenkirche Luzern zur Uraufführung gelangen.

Bildlegende: Scheibenriss mit Bruder Klaus (ZB, Graphische Sammlung und Fotoarchiv, Signatur: Roe 4.3.7 Blatt 46)

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«Ha! Qual Paradiso: Sehet doch! Welch ein Paradies ist das.»

Die Graphische Sammlung der Zentralbibliothek Zürich bewahrt eine einzigartige Sammlung topografischer Ansichten, die in ihrem Facettenreichtum das vielfältige kulturelle Erbe von Stadt und Kanton Zürich widerspiegelt. Anlässlich des hundertjährigen Bestehens der Zentralbibliothek Zürich erscheint eine Publikation mit qualitätsvollen, ganzseitigen Abbildungen. Verfasser der Einführung und der Kommentare ist Bruno Weber, langjähriger ehemaliger Leiter der Graphischen Sammlung und ausgewiesener Spezialist auf diesem Gebiet.

Hundert Zürcher Ansichten aus vier Jahrhunderten bilden eine repräsentative Auswahl, die bedeutende Zeichnungen, Aquarelle und druckgrafische Blätter vereint. In sieben Kapiteln, die dem Stadtgebiet, dem Zürichsee, der beherrschenden Lage der Kyburg, der Schaulust, der Repräsentation, dem Naturwunder Rheinfall und weiteren Fluren gewidmet sind, präsentiert die Publikation historisch Wissenswertes zu Künstlern, Auftraggebern und Besitzern, stellt die Ansichten vor und spannt einen weitgefächerten Bogen zwischen Kartografie und Landschaftskunst. Das Kaleidoskop der zusammengetragenen Ansichten bietet Ausblicke in vertraute Landschaften, die – verändert durch die Zeit – gleichzeitig einen Blick in die eigene Vergangenheit eröffnen.

Für Fragen steht Ihnen gerne der Leiter der Graphischen Sammlung und des Fotoarchivs Jochen Hesse zur Verfügung. 

Bildlegende: Aussicht vom Albis gegen Zürich, 1807

 

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Lateinamerika lesen

Sommerzeit ist Lesezeit – ob am Strand oder zuhause auf dem Sofa, die erfrischende Lektüre zum kühlen Getränk ist eine ideale Kombination an heissen Tagen. Wer gerne lesend virtuell in ferne Länder reist, dem bietet sich eine grosse Auswahl an lateinamerikanischen Romanen, auch in deutscher Übersetzung – wie zum Beispiel Gabriel García Márquez' Klassiker «Hundert Jahre Einsamkeit», der kürzlich neu übersetzt wurde.

Die Zentralbibliothek Zürich erwirbt Belletristik in Originalsprache und/oder in deutscher Übersetzung, abhängig von den für jedes Fach festgelegten Erwerbungsrichtlinien. Im Fall der lateinamerikanischen Literatur wird nur eine Auswahl von Übersetzungen angeschafft, in Zürcher Verlagen publizierte Übersetzungen jedoch vollständig, im Rahmen des Turicensia-Sammelauftrages. Die Bandbreite reicht von Anthologien der 1940/50er-Jahre über die Erfolgsautoren des Magischen Realismus, der literarischen Verarbeitung von Militärdiktaturen bis hin zu zeitgenössischen Kriminalromanen.

Anregungen für Ihre Sommerlektüre finden Sie in unserer Neuerwerbungsliste, unterteilt nach Sprachen, jeweils in der Zeile «Literatur (Ausgaben)».

Bildlegende: Mittelamerika und nördlicher Teil von Südamerika, Kartenausschnitt aus: Agnese, Battista: [Portolanatlas]. [1552]–[1564]. Zentralbibliothek Zürich, Ms C 48

 

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Die Zentralbibliothek – auch ein Literaturarchiv

In der Handschriftenabteilung der Zentralbibliothek Zürich werden nicht nur ehrwürdige Pergamenthandschriften aus dem Mittelalter aufbewahrt, sondern auch eine ganze Reihe von Privatarchiven sowie fast 1‘000 Nachlässe von Einzelpersonen. Darunter finden sich bemerkenswert viele Schriftstellernachlässe, Verlagsarchive und zugehörige Korrespondenzen, die zusammengenommen ein veritables Literaturarchiv ergeben, auch wenn die ZB – anders als z.B. das Schweizerische Literaturarchiv (SLA) Bern – sich nicht explizit so nennt.

Gemäss Sammelauftrag hütet die ZB nämlich vorwiegend Zürcher Literaturerzeugnisse im weitesten Sinne. Hierzu zählen die Nachlässe der bedeutendsten Vertreter der Deutschschweizer Literatur, Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer, ebenso wie die der weithin bekannten Aufklärer Bodmer und Breitinger, Lavater oder Gessner. Aber auch unter den Jüngeren haben Stadt und Landschaft Zürich viele talentierte und zu ihrer Zeit sehr bekannte Dichter hervorgebracht: Heinrich Leuthold, Jakob Bosshard, Albin Zollinger, Kurt Guggenheim oder Serge Ehrensperger, um nur einige zu nennen. Arnold Kübler, der als Schriftsteller ebenso brillierte wie als Schauspieler, Kabarettist und Zeichner, darf hier gleichfalls nicht vergessen werden, genauso wenig wie Rudolf Jakob Humm, der in seinem «Rabenhaus» am Limmatquai vielen exilierten Dichterkollegen eine geistige und manchen dazu eine ganz konkrete Heimat bot.

Der exzentrische Adrien Turel wurde eigentlich – wie Humm – als Kind Schweizer Eltern im Ausland geboren, wählte dann aber Zürich als dauerhaften Wohnsitz. Der spätere Literaturnobelpreisträger Elias Canetti hat schon seine Schuljahre an der Zürcher Kantonsschule verbracht; als weltbekannter Dichter kehrte er an die Limmat zurück. Die ZB besitzt neben dem handschriftlichen Nachlass auch seine Londoner wie auch die Zürcher Privatbibliothek.

Neben der Zürcher Mundartliteratur, die durch Johann Martin Usteri oder Rudolf Hägni prominent vertreten ist, finden sich in der ZB auch bekannte Dichter aus anderen Mundartregionen, so etwa der Einsiedler Meinrad Lienert oder der Willisauer Hans Roelli.

Von den vielen ausländischen Autoren, die – freiwillig oder gezwungenermassen – nur einige Jahre in Zürich waren, ist zumeist kein vollständiger Nachlass in der ZB vorhanden: Dennoch finden sich Briefe und mitunter auch Manuskripte von so bekannten Personen wie Georg Büchner, Stefan Zweig, Thomas Mann oder Else Lasker-Schüler. An nicht-deutschsprachigen Autoren wären hier James Joyce oder Ignazio Silone zu nennen.

Die reichhaltigen Nachlässe einiger einflussreicher Literaturwissenschaftler wie Robert Faesi und Emil Staiger beleuchten den Literaturbetrieb von einer anderen Seite. Letzteres gilt auch für den Briefnachlass des umtriebigen Mäzens und Kritikers Carl Seelig, der vielen noch als Freund und Vormund Robert Walsers bekannt ist. Die Korrespondenzen aus diesen Nachlässen weisen weit über Zürich hinaus, da sie einen Einblick in die europa- oder gar weltweiten Netzwerke ihrer Urheber ermöglichen.

Zur Sphäre der Literatur gehören naturgemäss auch die Verlage: Der ambitionierte Rascher-Verlag, Emil Oprecht und sein Europa-Verlag, Atlantis und Artemis, Kindler und andere mehr. Seit kurzer Zeit ergänzt das Archiv der NZZ den Bestand in substanzieller Weise.

Im Nachlassportal der Zentralbibliothek finden sich die detaillierten Bestandsverzeichnisse und Nachweise zu den genannten Beispielen. Einzelbriefe sind im Online-Katalog der Zentralbibliothek nachgewiesen (Zugang über das Rechercheportal, Reiter «Handschriften»). Ältere Bestände sind auch in den gedruckten Handschriftenkatalogen von Gagliardi/Forrer («Neuere Handschriften seit 1500») sowie von Bodmer («Familienarchive») zu finden. Zahlreiche Dokumente können überdies als Digitalisat auf der Präsentations-Plattform e-manuscripta eingesehen werden.

Bild: ZBZ, Ms. GK 8b: Ausschnitt aus Gottfried Kellers sog. «Berliner Schreibunterlage» (ca. 1855).

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Das Donatorenbuch der Stadtbibliothek Zürich

Das Donatorenbuch der 1629 gegründeten Stadtbibliothek Zürich ist eine illustrierte Handschrift, die mehr als 900 einheimische und ausländische Spender und über 3000 Geschenke verzeichnet. Die Einträge, meistens mit einem Hinweis auf den Stand des Donators und oft auch mit dem Familienwappen, reichen bis ins Jahr 1772. Dank der regen Spendentätigkeit erlebte die Stadtbibliothek Zürich ein schnelles Wachstum und zählte zu Beginn des 18. Jahrhunderts 8448 Bände. Geschenkt wurden hauptsächlich Bücher, aber auch Geldbeträge, seltene Münzen, Naturalien und Kunstobjekte. Weil das Schenken zu den selbstverständlichen Pflichten der wohlhabenden Familien gehörte, kann das Donatorenbuch als ein Who is Who des damaligen Zürichs gelesen werden. Die eindrückliche Handschrift ist auf der Plattform e-manuscripta.ch als Digitalisat zugänglich und soll 2018 um eine elektronische Edition ergänzt werden.

Donatorenbuch
Am Meer und anderswo ...

100 Jahre ZB – 100 Jahre Finnland: Wir laden Sie zur Mitternachtssonne ein. In der Bibliotheca Fennica der Zentralbibliothek Zürich finden Sie Belletristik für eine literarische Reise in finnischer Sprache oder in deutscher Übersetzung und ausgewählte Titel zu Finnland. Aber das ist nicht alles, weit ist der Horizont im Norden! Unser literarischer Bestand erstreckt sich über ganz Skandinavien mit Neuheiten aus Schweden, Dänemark, Norwegen oder Island in Originalsprache und in deutscher Übersetzung. Schönen Sommer – mukavaa kesää – skön sommar! 

Am Meer und anderswo
Diese unerklärliche Stille.
Nur leicht atmen die Bäume,
Alles frisch – Der Geschmack von Wasser.

Der Stand der Sonne,
Das Lächeln der Mittsommernacht:
Zu viel Glück auf einmal!
Reisen mit leichtem Gepäck.

Mag der Sturm kommen,
Die Zeit ist ein Schiff, das nie vor Anker geht.
Wozu macht man das alles?
Die Birken wissen’s noch.

Wind über den Klippen,
Der Mond flieht.
Von Inseln weiss ich:
Wahr – Wie anders du bist.

 

Bild: «Schwedisches Häuschen: Auf der Rückfahrt Göteborg-Duvnäs», 30. Juli 1955, aus dem Album von Renée Schwarzenbach-Wille, Nachlass der Familie Schwarzenbach-Wille, Graphische Sammlung, ZB Zürich

Schwedisches Häuschen