«Wissen im Zentrum – 100 Jahre Zentralbibliothek Zürich»

Liebe Zürcherinnen und Zürcher
Liebe ZB-Besucher, liebe ZB-Besucherinnen

100 Jahre ZB! So lange ist es her, dass Stadt und Kanton Zürich ihre Bibliotheken zusammengeführt und den Neubau am Zähringerplatz beschlossen haben. Heute ist die Zentralbibliothek Zürich die grösste Stadt-, Kantons- und Universitätsbibliothek der Schweiz und steht allen offen.
Wir laden Sie herzlich ein, mit uns zu feiern. Ausstellungen, Konzerte, Führungen, ein grosses Fest und Wettbewerbe bieten Ihnen Gelegenheit, Ihre Bibliothek neu zu entdecken. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Dr. Silvia Steiner
Bildungsdirektorin und
Präsidentin des Stiftungsrats der Zentralbibliothek Zürich

Gerold Lauber
Vorsteher des Schul- und Sportdepartements und
Vizepräsident des Stiftungsrats der Zentralbibliothek Zürich

Die 100-Jahr-Feier gibt uns die willkommene Gelegenheit, die Erfolgsgeschichte der ZB in Erinnerung zu rufen und die Leistungen der letzten 100 Jahre zu würdigen. Zahlreiche Mitarbeitende haben ein spannendes und vielfältiges Programm zusammengestellt, um Ihnen, liebe Zürcherinnen und Zürcher, sowie allen interessierten Personen Einblicke in die reichhaltigen, verblüffenden und bunten Schätze «Ihrer» Bibliothek zu gewähren und um Ihnen die Aufgaben einer Bibliothek in der digitalen Gesellschaft näherzubringen.

Willkommen in der ZB!

Prof. Dr. Susanna Bliggenstorfer
Direktorin

Die ZB vor 100 Jahren

Die Eröffnung der ZB fiel mitten in den Ersten Weltkrieg. Weder in den Zeitungen noch im Archiv der ZB finden sich Berichte über einen besonderen Anlass zur Eröffnung am 30. April 1917. Führungen für Behörden, private Geldgeber, die Presse, den Hochschulverein und die Bevölkerung fanden an den Tagen zuvor statt, ohne weitere Feierlichkeiten. Ebenso still wurde die auf den Herbst 1917 verschobene Einweihungsfeier gestaltet.

Die ZB heute

Über sechs Millionen gedruckte Dokumente aller Art stehen zum Studium bereit. Zu fast 90‘000 elektronischen Zeitschriften und Büchern bietet die ZB den Zugang an. Mehr als eine halbe Million Besucherinnen und Besucher nehmen ihre vielfältigen Dienste jährlich in Anspruch.

Dazu gehören 830 Arbeitsplätze, ein reichhaltiges Veranstaltungsprogramm rund um das zürcherische Kulturgut, Spezialsammlungen, grosszügige Öffnungszeiten auch sonntags, kompetente Beratung, Führungen und Schulungen sowie ein breit gefächertes Aus- und Weiterbildungsprogramm für Bibliothekarinnen und Bibliothekare aller Ausbildungsstufen.

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Während mehrerer Monate war ich regelmässig samstags in der ZB, holte die während der Woche recherchierten und bestellten Bände mit grossen Migros-Säcken ab und brachte die während der Woche abgearbeiteten Bücher zurück. Die ausgezeichnete Organisation der ZB erlaubte es mir, neben dem Beruf und neben der Familie auch noch meine wissenschaftliche Arbeit zu verfolgen. Ich kann mich ... jedenfalls nicht erinnern, auf der Suche nach den benötigten Büchern nur einmal von der ZB enttäuscht worden zu sein.

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Silvia Steiner, Bildungsdirektorin des Kantons Zürich

Die ZB in 100 Jahren?

So weit reicht keine Strategie. Als Gedächtnisinstitution ist die ZB aber durchaus auf die Ewigkeit ausgerichtet. Das Kulturgut von Stadt und Kanton soll erhalten bleiben. Kommende Generationen werden darin Antworten auf ihre Fragen zu den Wurzeln ihrer Geschichte finden.

Angesichts der Tatsache, dass immer mehr digital geforscht und publiziert wird, sind gemeinsame Informationsinfrastrukturen, eine koordinierte Informationsversorgung und kooperative Betriebsmodelle gefragt.

Wir bedienen heute zwei Welten, die digitale und die analoge, und wir haben dafür zu sorgen, dass die Medien beider Welten bis in eine sehr lange Zukunft zugänglich und erhalten bleiben. Die Langzeitarchivierung digitaler Objekte mit all ihren Arbeitsprozessen gehört zu den wichtigsten Aufgaben, die Archive und Bibliotheken in den nächsten Jahren zu lösen haben.

Die Transformation zur digitalen Gesellschaft verlangt von den Menschen viel Anpassung und neue Kompetenzen. Aus- und Weiterbildung sind kontinuierlich den neuen Bedürfnissen anzupassen.

Die nächsten 20 Jahre werden zeigen, in welche Richtung der Medienwandel geht.

Beat Schlatter (Matthis Kummer)

In der Stadt Zürich gibt es für mich drei verlässliche Orte, an denen ich mich ungestört konzentrieren kann: in der Kirche, in der Sauna und in der Zentralbibliothek.

Beat Schlatter, Kabarettist, Schauspieler und Drehbuchautor

Geschichte der Zentralbibliothek

Die Zentralbibliothek Zürich ist Stadt-, Kantons- und Universitätsbibliothek von Zürich. Der Name «Zentralbibliothek» geht auf die seit den 1890er Jahren angestrebte Zusammenlegung von Kantons- und Stadtbibliothek zurück, der das Zürcher Volk 1914 zustimmte. Mit der Bibliothek des Chorherrenstifts reichen die Wurzeln der ZB indessen bis ins Frühmittelalter zurück.

Ende 19. Jh.

Planungsbeginn

Hermann Escher (1857–1938), seit 1887 Leiter der Stadtbibliothek und seit 1896 durch seinen Sitz in der Aufsichtskommission auch mit der Kantonsbibliothek verbunden, treibt den Plan nach einer zentralen Bibliothek voran.

1914

Abstimmung

Die Stimmberechtigten von Stadt und Kanton Zürich sprechen sich mit deutlicher Mehrheit für den Zusammenschluss von Stadt- und Kantonsbibliothek aus.

1914

Baubeginn

Der Bau der Zentralbibliothek am Zähringerplatz beginnt und wird drei Jahre später fertiggestellt.

1916

Eröffnung

Die Zentralbibliothek nimmt den Betrieb auf. Hermann Escher wird ihr erster Direktor.

1917

Freunde

Die Gesellschaft von Freunden der Zentralbibliohtek wird gegründet.

1932

Felix Burckhardt

Felix Burckhardt wird Direktor der Zentralbibliothek.

1949

Veloständer

Für die Benutzerinnen und Benutzer werden Veloständer installiert.

1949

Ludwig Forrer

Ludwig Forrer wird Direktor der Zentralbibliothek.

1963

Paul Scherrer

Paul Scherrer wird Direktor der Zentralbibliothek.

1965

Fachreferenten

Direktor Paul Scherrer führt das Fachreferenten-System ein.

1970

Compactus

Die erste Compactus-Anlage wird angeschafft.

1984

Moderne Ausweise

Die Benutzerinnen und Benutzer erhalten erstmals Ausweise im Kreditkartenformat.

1984

Allgemeiner Zugang

Der allgemeine Magazinzugang zu allen Büchern mit F-Signaturen, also einem Teil der Monografien, die nach 1950 erschienen sind, wird gewährt.

1985

Erster Computer

Die Zentralbibliothek schafft ihren ersten Personal Computer an, einen Commodore PC 20.

1987

Elektronischer Katalog

Die Zentralbibliothek bestellt das elektronische Katalogisierungssystem GLIS aus Kanada. Die Akzeptanz des ersten digitalen Katalogs übertrifft alle Erwartungen.

1987

Neubau

Nachdem Stadt und Kanton den Baukredit 1986 gutgeheissen haben, wird im Oktober 1987 die Baubewilligung für den Neubau erteilt.

1994

Grosser Lesesaal

Ein neuer Lesesaal wird in Betrieb genommen, mit über 500 Sitzplätzen, viermal mehr als zuvor.

1995

Umzug

Die Zentralbibliothek bezieht die Räumlichkeiten des 1990 bis 1994 an der Stelle der alten Magazinbauten am Zähringerplatz errichteten Erweiterungsbaus. Im 1995 umgebauten und renovierten Altbau befinden sich seither die Spezialsammlungen mit Ausnahme der Musikabteilung, die im Predigerchor untergebracht ist.

1996

Internet

Die Zentralbibliothek richtet ihren ersten WWW-Server und eine eigene Homepage ein.

2011

Online-Katalog

2‘660‘212 Katalogkarten bearbeitet und knapp 900‘000 Titelaufnahmen erstellt: Nach zwei Jahren hat die Zentralbibliothek ihren alten Zettelkatalog so erfasst, dass alle Titel neu im Online-Katalog ersichtlich sind und dort bestellt werden können.

2013

Selbstausleihe

Insgesamt 1,6 Mio. Medien sollen mit der Radio Frequency Identification = RFID-Technik ausgerüstet werden, sodass man sie selbst ausleihen und zurückbringen kann.

2013

Katalogsfusion

ETH-Bibliothek, Hauptbibliothek Universität Zürich und Zentralbibliothek Zürich haben ein ehrgeiziges Ziel zu Ende gebracht: Die Kataloge der beiden Schweizer Bibliotheksverbünde «Netzwerk von Bibliotheken und Informationsstellen in der Schweiz» (NEBIS) und «Informationsverbund der Universität Zürich» wurden zusammengelegt.

2016

Speicherbibliothek

Eröffnung der Kooperativen Speicherbibliothek Schweiz in Büron (LU). Die ZB ist gemeinsam mit den Kantonen Basel-Stadt, Luzern und Solothurn an der Institution beteiligt und lagert insgesamt 400‘000 Zeitschriftenbände aus.

2017

Jubiläum

Die Zentralbibliothek feiert ihr 100-jähriges Bestehen!

Prominente Stimmen

Guelsha Adilji(Mirjam-Kluka)

Nie habe ich mich gleichzeitig dümmer und schlauer gefühlt als in der ZB. Ich war Neo-Studentin an der Uni ZH, Populäre Kulturen und Filmwissenschaften, Spassstudium allererster Güteklasse. Aber auch die brauchen schlaue Bücher. Die Uni verlangte nicht nur, dass ich meinen Stundenplan im Internet zusammenklicke, ich sollte auch den Standort der Bücher herausfinden, welche ich ausleihen ... musste, um sie dann ungelesen und verspätet wieder zurückzubringen.

So stand ich also im Treppenhaus der ZB mit einem Gefühl der unendlichen Unzulänglichkeit und absoluten Überlegenheit – als wäre ich Arielle, die von einer prustenden Möwe erfährt, dass man die Gabel nicht zum Haarekämmen benutzt. Aber immerhin hatte ich eine Gabel, und diese verdammte Möwe hatte noch nicht mal Hände, geschweige denn Haare. Ich fühlte mich gescheiter als alle anderen, weil ich zu diesem auserwählten Akademikerkreis gehörte, der superschlaue Bücher ausleiht, und versuchte gleichzeitig krampfhaft das System der Bibliothek zu verstehen, ohne dass es jemand von den jodelnden alten Studentenhasen bemerken würde. Aus Gründen gab ich die Gabel nach zwölf Vorlesungen ab und erzähle jetzt Pimmelwitze im Internet-TV oder Geschichten aus der guten alten Akademikerzeit.

Ich war genau einmal in der ZB und kam nicht mal in die Nähe eines Buches – also ich habe schon mal in einem Buch gelesen, halt nur nie aus einem der ZB. So bleibt dieses Gebäude inmitten von Zürich mein Monolith, vor dem ich ehrfürchtig einen Knochen in den Himmel werfe.

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Gülsha Adilji, Autorin und Moderatorin

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Die ZB hat mein Leben gerettet. Nun ja, im Grunde war es nur ein einziges Buch. Mit grünem, hartem Einband. Das ist ein wichtiges Detail. Signatur? GA. Oder war es GGN?

Ich kann mich gut an diesen warmen Sommertag erinnern, ein 1. August, das grüne Buch der ZB steckte in meiner Umhängetasche. Ich wollte mit Freunden am Fluss ein wenig Wein trinken, vielleicht noch schwimmen ... gehen. Einer hatte eine Feuerwerksrakete dabei, ein buntes Ungetüm, dessen Zündschnur er nun anzündete, ohne die Gebrauchsanweisung zu lesen. Jedenfalls schoss die Rakete statt in den Abendhimmel über Zürich direkt auf mich zu. Ich war wie gelähmt, hörte die Schreie der anderen, während dieses Monster von Feuerwerkskörper sich in meine Hüfte brannte, wo aber, zu meinem und meiner Hüfte Glück, meine Umhängetasche hing. Der harte Einband des Buches hat die Rakete gestoppt und meine Hüfte gerettet. GA oder GGN – ich habe dir viel zu verdanken.

Ein paar Tage später bin ich mit dem verkohlten Buch an den Schalter und habe alles gestanden. Die Damen haben gelacht, daran erinnere ich mich besonders gut.

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Sacha Batthyany, Journalist und Buchautor. Er hat die Hälfte seines Studiums im Lesesaal der ZB, erster Stock, links, hinterste Reihe, verbracht.

Big Zis

Am liebsten bin ich in den Untergeschossen, und ab und an frage ich mich, wo sich wohl die Bücher befinden, die weder, laut Computer, ausgeliehen noch an ihrem systematischen Platz sind? Sind sie gestohlen? Sind sie in der Zwischenwelt? Noch nicht ausgeliehen, aber nicht mehr im Regal? Oder sind sie falsch eingeordnet? Falls ein Buch falsch eingeordnet ist, wird es jemals wieder ... gefunden, oder wird es als gestohlen vermerkt und irgendwann ersetzt? Das würde bedeuten, dass es viele der Bücher in der ZB doppelt gibt. Vielleicht gibt es die ZB doppelt. Eine ParallelZB. Mit einem eigenen Eingang, eigenem Personal, eigenen Kundinnen und Kunden und einem eigenen Computersystem, das nur verlegte Bücher registriert hat. Und, vielleicht, ist ja die echte, mir bekannte ZB, gar nicht die echte. Vielleicht lebe ich in einer unbedeutenden Nebenwelt und bediene mich in der ParallelZB und, ach, verliere und verlege mich selbst in Zwischen- und Nebenwelten.
In der ZB.

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Big Zis

Roger de Weck

Die Zürcher ZB ist wie der Zürcher HB: ein Dreh- und Angelpunkt – nur geht es, intellektueller, um Gedankenströme statt Passagierströme.

Roger de Weck, Generaldirektor SRG SSR

Lorenz Haeberli (Mirjam Kluka)

Sie behandelte mich gut und ich erzählte ihr bereitwillig alles, was ich wusste. Sie holte mich ab, wir arbeiteten und dann brachte sie mich wieder nach Hause. Mir gefiel das. Manchmal blieb ich über Nacht am Arbeitsplatz, um am nächsten Tag schon bereit zu sein, wenn sie ankam – so gut gefiel es mir. Oft war ich auch Teil von Forschungsreisen und blieb für einen Monat oder mehr ... weg von zuhause. Mit meinen Mitarbeitern diskutierte ich nachts, was wir ihr am Tag zuvor erzählt hatten. Meistens widersprachen wir uns heftig. Oft vertraten die anderen Positionen, die ich überhaupt nicht nachvollziehen konnte, und es wurde oft laut. Es kam auch vor, dass man sich am Ende trotzig den Rücken zuwandte und sich auf Schlagworte beschränkte. Wir warfen einander Verfälschung, Ignoranz, falsche Zitierweise und Populismus vor. Aber die Streitereien waren nie von Dauer, weil wir um deren Fruchtbarkeit wussten. Wir wussten, wir erschufen etwas Neues. Ab und an kam es vor, dass ich jemanden traf und in diesem Anderen mich selbst wiederzuerkennen glaubte. Wenigstens als Fussnote.

Das ist lange her. Ich bin sicher, dass es keine Absicht war. Aber es ändert nichts. Sie hat sich im Regal vertan. Ich kenne meine Nachbarn nicht. Wir sprechen zwar dieselbe Sprache, aber wir haben, abgesehen davon, überhaupt nichts gemeinsam. Ich wollte mit ihnen diskutieren, mich und meine Haltung erklären, aber sie antworteten mir mit Geschichten, die jeglicher Wissenschaftlichkeit entbehrten. Sie sprechen immer nur vom Chalet der Erinnerungen.

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Lorenz Häberli, Autor und Musiker

Stefan Haupt

Nach dem Abschluss des Gymnasiums war mir klar, dass ich nicht studieren gehen wollte. Die ZB war mir zu jener Zeit eine fremde Welt, denn ich dachte, sie sei was nur für Studierende und den universitären Betrieb. Wie falsch ich lag. Denn als ich später damit begann, Filme zu machen, entdeckte ich ihr reichhaltiges, schier unendliches Angebot, nicht nur in Form von Büchern, sondern ... auch Zeitungen, Mikrofilme, Handschriften, alte Druckerzeugnisse, Noten, Tonträger, Fotos … – ein unerschöpflicher, höchst hilfreicher Schatz an Wissen und gesammelter Erfahrung, den ich auf gar keinen Fall mehr missen möchte.

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Stefan Haupt, Filmemacher und Regisseur

Michael Hengartner

Die ZB ist für die Universität Zürich unverzichtbar – als Ort des Wissens und der Inspiration, aber auch als ruhige Oase im Stadtzentrum, wo Studierende und Forschende konzentriert arbeiten können.

Michael O. Hengartner, Rektor Universität Zürich

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Wer die Zentralbibliothek zur Verfügung hat, besitzt ein geistiges Generalabonnement.

Franz Hohler, Schriftsteller

Philipp Keel

Als Teenager schlenderte ich oft mit meinen Freunden durch die Zürcher Altstadt. Mit ihren verruchten Bars, nach Frittieröl stinkenden Kneipen und merkwürdigen Läden erschien sie mir wie eine gefährliche, mittelalterliche Zone, in der wir nichts zu suchen hatten. In den Gassen kamen uns kaputte Figuren entgegen. Alkoholiker, Drogensüchtige, Nutten und andere Milieugeschädigte schlichen ... sich wie Warnsignale in unser naives Bewusstsein. Das gute Wetter hatte man in dieser Stadt nie zu suchen. Es war entweder nass, kalt oder neblig. Wenigstens kam es einem, weil man jung war, so vor.

Abgesehen vom Niederdorf war die Stadt grau und langweilig, eng und konservativ. Das unbeschwerte Leben suchten wir und die meisten anderen Bürger regelmässig in den lateinischen Nachbarländern. Als wir 1981 aus den Sommerferien in Italien nach Hause kamen, fühlte es sich in der Zürcher Innenstadt an wie Krieg. Polizeifahrzeuge, Absperrungen, vermummte Demonstranten, brennende Autos und eingeschlagene Scheiben, wohin man sah.

Es gab die bürgerlichen Rechten, ein paar weisse Schwäne und die radikalen Linken und deren Wunsch nach einer liberaleren Stadt. Zwei Jahre lang dauerten die Zürcher Unruhen, sie forderten mehrere hundert Verletzte und Sachschäden in Millionenhöhe. ‹Züri brännt› las man überall auf den Fassaden. Das Geschehen auf den Strassen war frustrierend und brachte viele junge Menschen auf schiefe Bahnen. Auch einige, die aus sogenannt besseren Familien kamen, wurden spiel- oder heroinsüchtig. Andere freuten sich über den Walkman von Sony, eine Weltneuheit, den Beginn der Freiheit, sich unterwegs von der Umwelt abkapseln zu können, den Vorreiter des Smartphones.

Abgesehen davon, dass sich mein Vater gegen jede technische Erfindung sträubte, verstand er nicht einmal, was der Sinn dieses kleinen Wundergeräts war. Ganz im Gegenteil, er ermahnte mich wieder einmal, lieber ein Buch zu lesen, er habe einige davon gedruckt. Für die Lehrer und Mitschüler war der Diogenes Verlag etwas Besonderes, meine Verlegenheit darüber konnte ich nur schlecht verbergen.

‹Wenn man einmal damit anfängt, geht’s.› Diesen Satz hätte ich mir während meiner Schulzeit vor die Nase an die Wand kleben müssen. Irgendwann nahm mich mein Mathematiklehrer nach dem Unterricht zur Seite und sagte, wenn ich mich beim Lernen nicht konzentrieren könne, solle ich es einmal in der Zentralbibliothek probieren. Da sei es ruhig und da würden auch andere sitzen, die lernen müssten, das mache die Sache leichter. Mein Nachhilfelehrer, der sich gerade auf die Matura vorbereitete und zu dem ich wie zu einem erwachsenen Freund aufblickte, empfahl mir dasselbe. Also ging ich eines Nachmittags an den Predigerplatz und stand scheu vor den Treppen zu diesen heiligen Räumen. Drinnen war der Lesesaal voller junger Menschen, die sich in ihre Arbeit vertieften. Ich beobachtete Studentinnen, und ich beobachtete Studenten, die Studentinnen beobachteten. Auch in der Zentralbibliothek wurde ich nicht zu einem besseren Schüler.

Wie immer, wenn ich abgelenkt war, fing ich an zu zeichnen. Ich dachte an meinen Vater, den Verleger, der ständig darüber klagte, dass niemand lese. Ich allen voran. Ich stellte mir vor, wie es wäre, wenn alle lesen würden. So viel, dass die Regale der Bibliothek geleert wären. Kein einziges Buch. Nur Menschen, die stundenlang anstünden, in der Hoffnung, vielleicht eines ausleihen zu dürfen.

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Philipp Keel, Künstler, Autor und Diogenes Verleger

Ulrich Knellwolf (Thomas Entzeroth)

Es liess sich sehr unverbindlich an. 1984 wurde ich Pfarrer an der Predigerkirche, und bei der Einsetzung fiel mir auf, dass niemand aus der ZB eingeladen war, obwohl sie doch mit der Kirche gleichsam unter einem Dach wohnte. Also nahm ich mir vor, aus der anonymen so bald wie möglich eine persönliche Nachbarschaft zu machen. Schliesslich hatte ich jahrelang das Hauptgebäude der ... ZB am Zähringerplatz besser gekannt als die Kirche daneben. Sie war mir immer als an die ZB angebaut erschienen. Jetzt hatte die Perspektive sich umgedreht; die ZB schien mir an die Predigerkirche angebaut.

Hans Sulzer, Anwalt, kulturell hochinteressiert, grosszügiger Donator der ZB – von ihm bekam sie die Originalpartitur von Wagners Siegfriedidyll geschenkt – und alter Freund von uns, kam mir zuvor. Ich müsse doch den auch noch nicht lange amtierenden Direktor des Nachbarhauses kennen lernen, fand er, umso mehr, als dieser selbst nicht ohne theologischen Hintergrund sei. Es kam zu einem freundlichen Abendessen mit Damen zu sechst, wir verstanden uns gut und waren darin einig, dass solches sich sporadisch wiederholen solle, was auch und in einer Atmosphäre freundlicher Nachbarschaft geschah.

Doch dann wurde die Lage unversehens kritisch. Der Neu- und Umbau der ZB stand bevor. Und der Pfarrer zu Predigern mutierte zu einem Spekulationsobjekt von Interessengruppen. Denn die Frage, was aus dem Predigerchor werden solle, stand über Nacht so hochragend da wie der Predigerturm und jagte ein paar kräftige Böen durch den Zürcher Blätterwald.

Der Staat Zürich, vormals Eigentümer der Predigerkirche, hatte den seit dem 16. Jahrhundert vom Schiff durch eine Mauer getrennten Chor Anfang des 20. Jahrhunderts in die Stiftung der ZB eingebracht. Und nun fragten sich einige Leute, ob die Bibliothek den Chor denn noch brauche, wenn sie doch neu baue. Und ob es nicht eine kulturelle Tat wäre, ihn aus dem Dornröschenschlaf eines Büchermagazins wach zu küssen, die Trennwand zwischen Kirchenschiff und Chor abzubrechen und zu vereinigen, was zusammengehöre, Schiff und Chor.

Natürlich wandte man sich auch an den Predigerpfarrer, umso eher, als dieser den Hauptideengeber, den Maler, Zeichner und umtriebigen Zolliker Kulturtäter Balz Baechi, gut kannte. Zum Erstaunen von Verantwortlichen der ZB und anderen Leuten sagte der Pfarrer, obwohl mit der Bibliothek verbunden und sie stark frequentierend, zu der Idee nicht von vornherein nein, sondern fand sie überlegenswert. Und zwar, weil er sich vorstellte, den vergrösserten Raum für die wie auch immer geartete Wiedergabe der biblischen Geschichten zu nutzen, dieser Grundlage schlechthin des Glaubens und zugleich einer der Grundlagen europäischer Kultur. Dafür bot der altprotestantisch-orthodoxe Predigtsaal, den man aus dem Predigerschiff gemacht hatte, nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten. Und die doppelte Voraussetzung des Predigtsaals, dass sich die biblischen Geschichten in der geschlossen christlichen Gesellschaft von selbst überlieferten und ohnehin im Vergleich mit der Dogmatik Nebensache seien, erwies sich je länger desto unübersehbarer als obsolet.

Bevor die Frage der Zukunft des Predigerchors jedoch recht erörtert werden konnte, war sie hüben wie drüben bereits ideologisiert. Das merkte man gleich an der ersten Zusammenkunft der Parteien, die in ein Tribunal auszuarten drohte, weil beide kulturell engagierten Seiten einander mehr oder weniger durch die Blume der Kulturlosigkeit ziehen.

Der Pfarrer sass dabei zwischen allen Stühlen. Während die Bibliotheksseite mit der politischen zusammen eine Front bildete, war die Seite des freien Chors viel zu heterogen, als dass auch nur eine einheitliche Argumentationsrichtung hätte zustande kommen können. Die den Predigerpfarrer beschäftigende Sorge um die öffentliche kirchliche Pflege der erzählenden Grundlagen des Glaubens und der Kultur empfanden die meisten als exotisch und wenig relevant, nota bene auch die Landeskirche.

Die Geschichte nahm dann den bald voraussehbaren Lauf; die Initiative für den freien Predigerchor scheiterte. Es ging kein Aufschrei durch die Kulturszene, dafür ein tiefes Aufatmen durch die Bibliothek. Der Pfarrer zu Predigern, ziemlich ernüchtert, gönnte ihr den Sieg.

Die Freundlichkeit zwischen ZB-Direktion und Pfarramt übrigens erwies sich während all der Turbulenzen als tragfähig. Wir hörten nicht auf, einander zu grüssen; wir hörten auch nicht auf, uns sporadisch zu treffen, weil jeder insgeheim die Beweggründe und auch die Zweifel des andern verstand.

Die Böen verebbten schnell, der Blätterwald verstummte. Neu- und Umbau der ZB wurden vollendet, der Predigerchor blieb Teil der Bibliothek. Und also blieb auch die den Chor vom Schiff trennende Mauer stehen. Nicht unverdient, hat sie doch gleichsam reformatorische Würde. Zöge man sie heute hoch, müsste von einer Bausünde gesprochen werden. Das war sie wohl schon im 16. Jahrhundert. Doch pflegen es die Sünden zu sein, die Geschichte machen und also Zukunft öffnen. Was als merkwürdige Eschatologie dem Theologen reichlich zu denken gibt.

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Ulrich Knellwolf, von 1984 bis 1996 Pfarrer an der Predigerkirche

Charles Lewinsky

Ratshäuser kann man abschaffen. Kasernen sowieso. Nur Bibliotheken braucht man immer.

Charles Lewinsky, Schriftsteller

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Als Altstadt-Kind gehört die ZB für mich seit jeher zu einem festen Bestandteil von Zürich. Ich erinnere mich an den Duft, der einem entgegenströmt, wenn man die Eingangshalle betritt. Und an die Stille.

Lea Lu, Sängerin

Corine Mauch

Die ZB funktioniert so, wie sie heisst: Mitten in der Stadt gelegen, ist sie seit Generationen ein wichtiges Zentrum für Studentinnen und Studenten und viele andere Lese-Interessierte. In der ZB wird gelesen, geforscht und gelernt, manchmal gelitten, viel geschrieben. Und auch ein Flirt auf der grossen Treppe oder vor den Schliessfächern gehört durchaus dazu. Die ZB verbindet über ... Fakultätsgrenzen hinweg und bietet fast alles, was das Studentinnen- und Studentenleben interessant macht.

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Corine Mauch, Stadtpräsidentin Stadt Zürich

Mattea Meyer

Dir fehlt noch das eine Buch, das für das Gelingen der Seminararbeit unerlässlich ist? Die ZB hat es bestimmt! Mich hat sie auf alle Fälle nie im Stich gelassen.

Mattea Meyer, Nationalrätin SP

Noemi Nadelmann (Cristiane Roncaglio)

Ich begleite als kleines Mädchen meine Mama in die altehrwürdigen Räume der Zentralbibliothek und warte in dem getäfelten Raum mit der Balustrade darum herum, neben Mama, die ihr Buch liest. Magisch angezogen gehe ich zu Folianten, die fast so gross sind wie ich, und ziehe sie – auf meiner Höhe – aus der Wand; eine neue, wunderbare Welt eröffnet sich mir: Es sind die herrlichsten ... Bücher mit farbigen, wunderschön gezeichneten Hieroglyphen!
Ab da begleitete ich meine Mama mit Feuereifer – Malstifte und Papier im Gepäck – und verbrachte viele glückliche Stunden mit Abmalen der Zeichen und Worte. Die Liebe zum alten Ägypten blieb ein Leben lang bestehen, sie hat ihren Ursprung in der ZB.

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Noëmi Nadelmann, Opernsängerin

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Das Foto begleitete den Tagi-Artikel zum Abschied vom alten Lesesaal, wo ich vorne links sitze, was unter allen Aspekten damals zutraf. Die Zentralbibliothek war für die längere Zeit der Arbeiten am Europäischen Gesellschaftsrecht meine Heimat. Ich hatte hier meinen festen Platz und erst noch mit einer abschliessbaren Schublade und Zugang zum Magazin. Es war eine glückliche Zeit!

Peter Nobel, Rechtsanwalt und em. Professor für schweizerisches und internationales Handels- und Wirtschaftsrecht

Klara Obermueller

Alles hatte ich bei der Wahl meines Dissertationsthemas ‹Melancholie in der deutschen Lyrik des Barock› bedacht, nur das Eine nicht: dass vor 1800 erschienene Bücher nicht ausgeliehen werden durften. Und so verlegte ich denn meinen Arbeitsplatz nolens volens in den Lesesaal der Zentralbibliothek – den alten, wohlverstanden – und sass dort über Monate vor Büchern mit brüchigen Einbänden ... und stockfleckigen Seiten. Mit dem Lesen war es allerdings nicht getan. Relevante Stellen mussten auf Karteikarten abgeschrieben werden, um sie später beim Verfassen der Doktorarbeit präsent zu haben. Fotokopierer gab es zwar schon, aber Kopien mussten bestellt werden, waren teuer und von so mieser Qualität, dass sie kaum zu gebrauchen waren.

Ein Riesenaufwand, das Ganze, doch die Stunden, die ich mit Dutzenden von hinter ihren Bücherstapeln lesenden, grübelnden, forschenden Menschen verbrachte, wurden mir mit der Zeit immer lieber. Man hatte seinen angestammten Platz, man kannte sich, flirtete manchmal ein bisschen und fühlte sich in dem hohen Raum allmählich wie zuhause. Der Lesesaal der ZB sei zu meiner zweiten Wohnstube geworden, pflegte meine Mutter damals zu sagen. Und sie hatte recht. Wir waren eine grosse Familie, zu der auch die Benutzungsbeamten gehörten, die uns mit der Zeit beim Namen kannten und manchmal bei der Ausleihe übers Wochenende eine Ausnahme von der Regel machten. Allerdings nicht ohne der Benutzerin der kostbaren Fracht den Hinweis mit auf den Weg zu geben: ‹Aber nicht, dass Sie mir jetzt unter ein Tram kommen!›

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Klara Obermüller, Publizistin

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Es ist lange her. Ich erinnere mich an konzentriertes Arbeiten (Lesen und Exzerpieren) im Schein gemütlicher Tischlampen. Die physische Präsenz der Bücher war unendlich anziehend und verheissungsvoll.

Ilma Rakusa, Schriftstellerin und Übersetzerin

Alex Ruebel

Ohne Bücher wären wir nicht, was wir heute sind. Die ZB ist zudem nicht nur eine Bibliothek, sie erzählt auch die Geschichte meiner Vorfahren. Da sind die Folianten der frühen Neuzeit, die Bilderbibel meines Urahns Zwingli und Conrad Gessners Tierbücher. Besonders faszinierend ist, dass sie uns zusätzlich mit all ihren Briefen, Randnotizen und Widmungen Einblick geben in ihre Gedanken ... und ins Leben der damaligen Zeit. Dazu kommen die Freundschaftsbücher der einzelnen Exponenten Zürichs, die zeigen, welche Verbindungen in die ganze Welt schon vor vielen Jahrhunderten gepflegt wurden und wie weltoffen die Stadt schon damals war. Wie gerne möchte ich noch mehr Zeit dafür verwenden, tief in diese Dokumente einzusteigen.

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Alex Rübel, Direktor Zoo Zürich

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Das waren noch Zeiten. Schwierigere und kompliziertere, nur wussten wir es damals noch nicht.
Im Zettelkatalog, der nicht ganz einfach umzublättern war, fand man die Bestellnummer, die dann in ein Fach gelegt wurde, und damit nahm die Bestellung ihren Lauf. Das konnte, begreiflicherweise, dauern, und so wartete man eben geduldig im Lesesaal, bis man aufgerufen wurde. Unterhaltung ... war ja in allen Gestellen bereit. Wenn das Buch kam, konnte man es an Ort und Stelle ansehen oder dann eben ausleihen.

Ich erinnere mich, dass ich einmal kurz griechische Vasen anschauen wollte und mir nach geraumer Weile ein älterer Herr mühsam ein riesiges, schweres Buch aushändigte. Eigentlich wollte ich ja nur reingucken, doch angesichts des grossen Aufwands, den umfangreichen illustrierten Band von irgendwo, vermutlich im fünften Stock oder im tiefen Keller, herzuschaffen – ich stellte mir Treppen vor, aber es gab bestimmt einen Lift –, getraute ich mich einfach nicht, ihn fast unverzüglich zurückzubringen, und so verweilte ich eben viel ausführlicher bei den Illustrationen, als es geplant war, und dies, nebenbei, nur zu meinem Vorteil. Damit war auch das Verhältnis von Aufwand und Ertrag einigermassen im Lot.
Die digitale Verwaltung von heute erleichtert viele Vorgänge – oder vielleicht doch nicht immer?

Erst eine Weile nach der Studentenzeit ergab sich eine Verbindung mit der ZB, als 1972 die erste Joyce-Ausstellung eingerichtet wurde. Ein amerikanischer Forscher, Phillip Herring, hatte die Notizen untersucht, die James Joyce während seiner Zürcher Zeit angefertigt hatte, und darunter fand sich die Bestellnummer eines Buchs, das er benützt haben musste. Darin fand sich ein Bleistiftstrich in der Nähe eines seltenen Worts (‹fubsy›: ‹the fubsy widow›, ‹die pralle Witwe›), das er für den entstehenden Roman Ulysses in der Tat verwendete. Damit war erwiesen, dass Joyce verschiedene Bücher der ZB benutzt hatte, und der Bleistiftstrich wurde mit dem Echtheitssiegel versehen und als original ausgewiesen.

Die Ausstellung war einem jungen Bibliothekar namens Rainer Diederichs anvertraut, zu dem ich seither ein ausgezeichnetes Verhältnis habe, das zu einigen gemeinsamen Unternehmungen geführt hat.

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Fritz Senn, Gründer und Leiter der James Joyce Foundation Zürich

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Milliarden und Milliarden von Buchstaben stecken in der Zentralbibliothek und ich kriege nur zweihundert um sie zu loben? Das reicht gerade mal, um ihr alles Gute zum Geburtstag zu wünschen.

Peter Stamm, Schriftsteller

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Als Student der ZHdK ging ich nie in die ZB, ich dachte, sie sei bilderlos. Als ich jedoch vor einigen Wochen zum ersten Mal die Musikabteilung der ZB besuchte, habe ich gemerkt: Nicht nur hat die ZB zahlreiche Bildbände, sondern das eigentliche Bild ist die ZB selber! Da treffen Dinge aufeinander, die man im richtigen Leben nicht für möglich hält: 29’000 Schallplatten auf der ... Empore einer Kirche. Man bewegt sich auf einem Zwischenboden in einer ehemaligen Kirche, näher den Fenstern und der Decke als in jeder anderen Kirche. Vorne stehen zwei alte Flügel, die absolute Ruhe wird also ab und zu durchbrochen. Und durch eine schmale Treppe kommt man ins Notenlager, da spürt man die Kirche fast nicht mehr.

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Tim von Tim & Puma Mimi

Reeto von Gunten (Mirjam Kluka)

Es war eine Zufallsbegegnung. Ich entdeckte sie auf dem Fussgängerstreifen, beobachtete, wie sie die Treppe hochstieg und durch den Haupteingang verschwand. Einen Moment zögerte ich, dann ging ich nach. Ich war da noch nie, in der Zentralbibliothek – keine Ahnung, was genau ich eigentlich vorhatte. Was, wenn sie hinter der nächsten Ecke stehen würde? Was, wenn sie auf mich warten, ... mich zur Rede stellen würde?

Das ‹Bitte Ruhe›-Schild war meine Erlösung. Nichts kippt meine Selbstsicherheit zuverlässiger als weibliche Weisheit und Anmut. Doch diesmal würde ich nicht über meine eigenen Plattitüden stolpern. Nicht hier, hier war es ok, einfach nur zu schweigen. Dann sah ich sie. An ihrem Arbeitsplatz. Ich starrte, merkte, dass ich starrte, versuchte aufzuhören und starrte weiter. Ich wusste, sie war meine Zukunft, ich brauchte bloss noch etwas Geduld. Also wartete ich. Auf einen wortlosen Blick, eine Geste. Wir würden uns auch ohne Worte verstehen, wir waren füreinander geschaffen, ich konnte es geradezu fühlen. Doch sie arbeitete. Und ich bemerkte viel zu spät, dass ich beobachtet wurde. Mein Starren wich der Gesichtsröte, meine Coolness einer kopflosen Flucht. Draussen war mir, als wäre ich aus einem Traum erwacht.

Monate später haben wir uns wieder getroffen, in einem lauten Fast-Food-Restaurant an der Langstrasse. Wir haben geredet, ich war peinlich, aber vorbereitet. Seitdem ist die Zufallsbegegnung aus der ZB mein Leben.

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Reeto von Gunten, Autor und Moderator

Peter von Matt (Yvonne Boehler)

In den Wochen meiner Abschlussprüfungen an der Universität, im Sommer 1964, begegnete ich dem ersten Fotokopierapparat meines Lebens. Er stand in der Eingangshalle der Zentralbibliothek und wurde nur vorsichtig benutzt. Irritierend war, dass die schwarze Schrift der Vorlage weiss auf schwarzem Hintergrund erschien.

Man mag das Ereignis für ein banales Faktum halten; in ... Wahrheit markierte es einen Umbruch in den Wissenschaften. Bis dahin bestand das Leben eines Gelehrten, insbesondere in den historischen Disziplinen, zu grossen Teilen aus Abschreiben. Exzerpieren lautet der Fachausdruck. Jeder Forscher legte weitläufige Textmengen an, um die Zitate und wichtigen Passagen jederzeit zur Verfügung zu haben. Dabei konnte es zu eigentlichen Tragödien kommen. So musste Theodor Mommsen, der berühmte Verfasser der ‹Römischen Geschichte›, mitansehen, wie sein Haus in Berlin mit allen Exzerpten seines Forscherlebens abbrannte. Es brauchte mehrere Männer, um ihn festzuhalten, weil er sich immer wieder in die Flammen stürzte, um die Papiere zu retten.

Inzwischen prägen die Bildschirme das Innere der Zentralbibliothek.
Diese ist auch eine Schaubühne, auf der die Technologie der Bücher zum Ereignis wird. Schon das Wort «Handschriftenabteilung» eröffnet eine Perspektive auf Jahrhunderte wechselnder Aufschreibesysteme.
Nur die eigentümliche Stille um die Lesenden, Schreibenden, Denkenden herum ist gleich geblieben.

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Peter von Matt, emeritierter Professor für deutsche Literaturwissenschaft

Bild Brigitte Zünd

Die ZB war für mich in den 70ern die heilige Halle der Wissenschaften und unbekannten Schätze, in den 80ern der öffentliche Zufluchtsort für stilles Lernen und Bücherwälzen, in den 90ern mein Reich der zu ergründenden Lebens- und Entwicklungsthemen und um die Jahrtausendwende ein physischer Raum für ruhiges Denken und Suchen. Und heute: als Direktorin der PBZ Pestalozzi-Bibliothek ... Zürich ist die ZB Nachbar, grosse Schwester, Inspiration und Herausforderung.
BZ dankt ZB!

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Brigitte Zünd, Direktorin PBZ Pestalozzi-Bibliothek Zürich

Patronatskomitee

Wir danken den Mitgliedern des Patronatskomitees für ihr Engagement!

Regine Aeppli

alt Bildungsdirektorin des Kantons Zürich

Peter Bieri

alt Ständerat, Präsident der Kommission der Schweizerischen Nationalbibliothek

Roman Boutellier

bis 2015 Vizepräsident Personal und Ressourcen, ETH Zürich

Hugo Bütler

Journalist, ehemaliger Chefredaktor NZZ

Roger de Weck

Generaldirektor SRG

Verena Diener

alt Ständerätin des Kantons Zürich

Ursula Gut-Winterberger

alt Regierungsrätin, Präsidentin der Zürcher Festspielstiftung

Fritz Gutbrodt

Titularprofessor für Neuere Literaturen in englischer Sprache und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Zürich; Managing Director Swiss Re

Felix Gutzwiller

alt Ständerat des Kantons Zürich

Erich Gysling

Journalist

Michael Hengartner

Rektor der Universität Zürich

Franz Hohler

Schriftsteller

Daniel Jositsch

Ständerat des Kantons Zürich

Gerold Lauber

Stadtrat der Stadt Zürich, Schul- und Sportdepartement

Elmar Ledergerber

alt Stadtpräsident Zürich, ehemaliger Präsident von Zürich Tourismus

Corine Mauch

Stadtpräsidentin Zürich

Thomas D. Meier

Rektor der Zürcher Hochschule der Künste

Rosmarie Michel

Ehrengast der Universität Zürich

Michel Müller

Kirchenratspräsident

Jörg Müller-Ganz

Präsident des Bankrats der Zürcher Kantonalbank

Ruedi Noser

Ständerat des Kantons Zürich

Regula Pfister

Präsidentin des Verwaltungsrats der ZFV-Unternehmungen

Alex Rübel

Direktor des Zoos Zürich

Andreas Spillmann

Direktor des Landesmuseums Zürich

Silvia Steiner

Bildungsdirektorin des Kantons Zürich

Conrad Ulrich

Ehrengast der Zentralbibliothek Zürich

Martin Vollenwyder

Präsident der Tonhalle-Gesellschaft Zürich

Peter von Matt

em. Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich

Peter F. Weibel

Präsident der UZH Foundation

Ulrich Weidmann

Vizepräsident Personal und Ressourcen, ETH Zürich

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Wir danken allen Partnern für die grosszügige Unterstützung unseres Jubiläums!

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Hans Schaeuble Stiftung

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